Bücherei fordert verleihbare Lizenzen Erschwerte E-Book-Ausleihe

Die Leiterin der Gemeindeücherei Grasberg, Evelin Meyer, kritisiert die rechtliche Grauzone: Nicht jedes neue Buch, das auf Papier gedruckt ist, kann sofort als E-Book über Bibliotheken ausgeliehen werden.
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Von Undine Mader

Grasberg/Lilienthal/Tarmstedt. Nicht jedes neue Buch, das auf Papier gedruckt ist, kann mit dessen Erscheinen auch als E-Book über Bibliotheken ausgeliehen werden, so die Leiterin der Gemeindebücherei Grasberg, Evelin Meyer. Seit 2017 bietet die Bücherei als Mitglied des seit über zehn Jahren bestehenden Verbunds Onleihe-Niedersachsen das Ausleihen von elektronischen Medien an. Während der Pandemie hat die Online-Ausleihe nochmals einen anderen Stellenwert bekommen, was Meyer und den Verbund Onleihe-Niedersachsen veranlasst, auf ein „urheberrechtliches Grauland“ zulasten der Bibliotheken und damit letztlich zulasten der Leserinnen und Leser hinzuweisen. Immer wieder werde im Ausleihealltag nachgefragt, warum einige aktuelle Titel nicht elektronisch zu erhalten seien.

Das Selbstverständnis von Bibliotheken basiert auf einem Informations- und Bildungsauftrag. Sie ermöglichen jedem Interessierten unabhängig vom Geldbeutel „den Zugang zur Ausleihe von Medien, also zu einem wichtigen Teil des öffentlichen und kulturellen Lebens“, so der Onleihe-Verband. Bei gedruckten Büchern funktioniere das. Und Evelin Meyer sagt, dass alle Bücher heutzutage mit ihrem Erscheinen des haptischen Buches auch als E-Book und E-Audio (Hörbuch) erhältlich seien. Allerdings nur für zahlende Privatkunden.

Für ausleihbare E-Books in Bibliotheken gelten andere Regeln. Meyer belegt ihre Kritik an den Verlagen mit einem Beispiel. Von den zehn Romanen an der Spitze der aktuellen Spiegel-Bestsellerliste sind demnach fünf gar nicht als E-Medium verfügbar, zwei weitere nur als E-Audio. Drei Romane seien tatsächlich als E-Books ausleihbar, aber wiederum nicht als E-Audio. „Wir brauchen aber verleihbare Lizenzen“, fordert die Grasberger Büchereileiterin. Dahinter steht offenbar ein geschäftliches Kalkül der Verlage. Meyer sagt: „Bei Titeln wie ‚Kingsbridge‘ von Ken Follett oder ‚Funkenmord‘ von Volker Klüpfel ist schon im Vorhinein damit zu rechnen, dass sie auf der Bestsellerliste landen und von daher macht es Sinn für die Verlage, den Bibliotheken den Zugang zum E-Book zu erschweren.“

Dabei gestatte die aktuelle EU-Rechtslage Bibliotheken zwar, E-Books zu verleihen, so der Onleihe-Verband. „Aber die nationale Umsetzung der entsprechenden EU-Richtlinie hat bisher noch nicht stattgefunden.“ Dadurch seien Bibliotheken nach wie vor gezwungen, teurere, verleihbare Lizenzen von den Verlagen zu kaufen und das bei durchschnittlich sinkenden Etats. Dies in Kombination mit dem um ein bis zwei Jahre durch die Verlage zeitlich verzögerten Erscheinen ausleihbarer E-Books „macht den Zugang zu elektronischen Neuerscheinungen und Bestsellern vielfach unmöglich und erklärt gleichzeitig den oft nachgefragten Mangel an Aktualität“. Karin Hölscher von der Bibliothek Lilienthal sagt ebenfalls: „Es gibt nicht jedes gedruckte Buch eins zu eins als E-Book.“ Allerdings habe sich bei ihr bisher niemand über diese Lücke beklagt. Auch Anne Holsten hat in der Schul- und Samtgemeindebücherei Tarmstedt noch keine Probleme wegen fehlender E-Books festgestellt.

Info

Zur Sache

Kontaktlose Buchausleihe

Gedruckte Bücher und andere Medien können auch während des Lockdowns in den bis 30. November für den Publikumsverkehr geschlossenen Büchereien von Grasberg, Lilienthal und Tarmstedt ausgeliehen werden. Informationen zur Vorbestellung per E-Mail oder Telefon sowie zu Lieferungen oder kontaktlosen Übergaben der Medien finden sich auf den Internetseiten www.grasberg.de, lilienthal.de und www.kgs-tarmstedt.de/buecherei-start oder bei den Bibliotheken direkt.

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