Raimund Steinert hilft Landwirten

Rehkitzsuche in Grasberg per Drohne

Mit einer Drohne will Raimund Steinert aus Adolphsdorf Rehkitze in Wiesen aufspüren, damit die Tiere nicht von Mähdreschern getötet werden.
29.04.2019, 17:30
Lesedauer: 3 Min
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Von Cornelia Hagenah
Rehkitzsuche in Grasberg per Drohne

Raimund Steinert will mit seiner Drohne Rehkitze auf Wiesen aufspüren. Damit will er verhindern, dass die Tiere beim Mähen getötet werden.

Christian Kosak

Ab Mitte Mai geht das Mähen der Wiesen wieder los. Für die Landwirte heißt dies, sie müssen immer größte Vorsicht walten lassen, denn der grausame Mähtod bedroht Rehkitze und wirft ein schlechtes Licht auf ihre Arbeit. „Keiner möchte ein Tier überfahren, aber irgendwie müssen wir mähen“, sagt Landwirt Ole Roschen. In dieser Situation ist er heilfroh über das Angebot von Raimund Steinert aus Adolphsdorf.

Steinert ist Technikfan, engagiert sich in vielen Bereichen und möchte gerne helfen. Seit einem Jahr lässt ihn die Debatte über Rehkitze, die von Mähmaschinen erfasst wurden, nicht mehr los (wir berichteten). Er recherchiert lange und ist zu der Überzeugung gekommen, dass auch der Einsatz von Wärmebildkameras manchmal nicht effektiv ist, da sie nicht immer eindeutige Bilder lieferten. Und so setzt er auf eine Hochleistungskamera, die per Drohne die Wiesen absuchen soll. Zusammen mit Ole Roschen startet er einen Versuch, um Rehkitze im hohen Gras vor dem Mähen aufzuspüren und vor dem Tod zu bewahren.

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Mit der Fernsteuerung in der Hand steht Steinert auf einer Wiese von Roschen. Vor ihm auf dem Gras die Drohne, die mit vier Kameras zu allen Seiten ausgerüstet ist. Steinert schaut auf den Bildschirm an der Fernsteuerung, drückt auf einen der Knöpfe, greift zum Steuerungshebel, und langsam steigt das kleine weiße Fluggerät mit den vier Propellern langsam in die Höhe. „Sie hat ein Sonderprogramm, sie fliegt sehr langsam, Schrittgeschwindigkeit,“ sagt Steinert und lässt die Drohne langsam in ein paar Metern Höhe über die Wiese gleiten. So wird er es auch machen, wenn Roschen mähen will.

Noch ist es nicht so weit, aber Steinert will auch ganz sicher sein, dass alles funktioniert. Er hat schon früh, nachdem er extra für diesen Zweck die recht teure Drohne angeschafft hat, auf seinem Grundstück in Adolphsdorf mit der Handhabung geübt und sich mit allen Technikdetails vertraut gemacht. „Sie muss langsam fliegen, sonst übersieht man was“, meint er. So ist die Drohne auch per GPS steuerbar, arbeitet auf zwei Funkfrequenzen, damit sie nicht verloren geht und speichert die Aufnahmen auf einer Micro-SD-Karte – „als Beweismittel“, so Steinert.

Kitze bleiben liegen

Ole Roschen steht neben ihm und freut sich über das Engagement des Rentners. Sie kennen sich schon länger. Roschen hat auch in Adolphsdorf in direkter Nachbarschaft zu Steinert Ländereien.

Für Roschen, der seinen Agrarhandel in Meinershausen/Grasberg betreibt und jährlich mit 5000 Tonnen Heu handelt, ist es wichtig, alle Möglichkeiten auszuschöpfen. „Keiner möchte ein Rehkitz totfahren“, sagt er nachdenklich. Aber es sei eben schwierig. Vor dem Mähen schickt er seine Angestellten durch die Wiesen, aber alles könne man auch nicht sehen, meint er. Außerdem stehe er in Kontakt mit den ortsansässigen Jägern, die ihn auch immer über die Zahl der trächtigen Rehe informierten. Er stelle Plastiksäcke ins Feld, die die Rehe davon abhalten sollen, ihre Kitze im hohen Gras zu gebären. Denn, so weiß der versierte Landwirt, in den ersten zwei Wochen nach der Geburt würden sich die Kitze nicht bewegen und einfach still liegenbleiben.

Nach der Geburt verlässt die Rehmutter nach dem Säugen ihr Kitz zum Schutz vor Feinden. Mehrere Kitze einer Ricke legen sich an unterschiedlichen Stellen ab. Die jungen Kitze sind noch geruchsarm und können von natürlichen Feinden, die nach dem Geruchssinn gehen, somit nicht aufgefunden werden. Dies sei auch für die Jäger, die mit ihren Hunden auf die Suche nach Rehkitzen gehen, eine Schwierigkeit. Als Drückinstinkt wird das instinktive Verhalten des Rehkitzes bezeichnet, wenn es sich fest an den Boden drückt und bewegungslos verharrt. Dementsprechend sind die ersten Wochen im Mai, wenn die Kitze gerade geboren sind, die schwierigste Zeit für die Landwirte, denn in dieser Phase sind Kitze sehr schwer zu lokalisieren. Erst nach der zweiten Lebenswoche setzt bei dem Kitz der Fluchtinstinkt ein, und es rennt bei Gefahr weg.

Von Steinerts Idee mit der Drohne ist Roschen begeistert: „Es ist eine weitere Möglichkeit der Prävention.“ Und auch Steinert ist überzeugt, mit seiner Drohne, die jeden Quadratmeter ins Visier nimmt, eine gute Möglichkeit gefunden zu haben.

Drohnenführerschein gemacht

Da Roschen mit Heu und Stroh viele Pferdeställe und auch Großhändler beliefert, könne er es sich gar nicht leisten, tote Tiere in der Mahd zu haben, sagt er. Entsprechend offen ist er für einen Versuch. Wenn ein Kitz gefunden wird, so erzählt Roschen, werde der Bereich abgesteckt, damit die Fahrer der Mähmaschinen vorsichtig an der Stelle vorbeimähen können.

Steinert ist bereit, Ausrüstung und Zeit auch anderen Landwirten zur Verfügung zu stellen. Er hat einen Sachkundenachweis, einen sogenannten Drohnenführerschein, und braucht nur eine Einverständniserklärung des Eigentümers, um auf dessen Ländereien seine Drohne starten zu können. Bei Interesse ist er unter Telefon 0170/ 62 75 326 erreichbar. Vielleicht, sagt er, könne er schon bald über eine erfolgreiche Rehkitzsuche berichten, denn es gehe schließlich um die gute Sache. „Das Schlimmste ist, wenn man gar nichts macht“, meint er. Einen Versuch sei es wert, denn beim Reh gehe es schließlich um das Tier des Jahres 2019, gekürt von der Deutschen Wildtier-Stiftung.

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