Reiten

Lilja Thordarson nominiert für den Bundeskader

Lilja Thordarson vom Ishof in Huxfeld, einem Reiterhof für Islandpferde, hat nun die Belohnung für eine starke Saison im Island-Pferdesport erhalten.
18.01.2021, 13:41
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Karsten Hollmann
Lilja Thordarson nominiert für den Bundeskader

Lilja Thordarson stieß gleich mit vier Pferden ins A-Finale vor.

Buijtelaar & Dieckmann

Grasberg. Lilja Thordarson vom Ishof in Huxfeld, einem Reiterhof für Islandpferde, hat nun die Belohnung für eine starke Saison im Island-Pferdesport erhalten. Die 24-Jährige wurde in den Bundeskader berufen. Ausschlaggebend dafür war auch der Gewinn der Vizemeisterschaft bei den Deutschen Meisterschaften im Fünfgang.

Mit 7,24 Punkten musste sich Thordarson hier auf ihrem neunjährigen Wallach Skúli frá Arbaejarhjáleigu II nur um 0,14 Zähler Lisa Drath auf Byr frá Strandarhjáleigu geschlagen geben. Das frá steht für von. Um den isländischen Zungenbrecher zu vermeiden, nennt Lilja Thordarson ihr Pferd nur liebevoll Skúli. Den Wallach besitzt sie seit zwei Jahren. Skúli kommt aus Island und wurde dementsprechend nicht von Thordarson selbst gezüchtet. Der Fünfgang stellt so etwas wie eine Paradedisziplin der Huxfelderin dar. Hier qualifizierte sie sich bei der DM in Ehndorf in Schleswig-Holstein gleich mit zwei Pferden für das A-Finale. Starten darf man in diesem Finale aber nur mit einem Vierbeiner.

Islandpferde sind kleiner als Großpferde, aber eben auch größer als Ponys. Sie besitzen längere Mähnen und Schweife und sind stämmiger als ihre Artgenossen. Bei Wettkämpfen müssen Islandpferde auch einen isländischen Namen tragen. Neben Schritt, Trab und Galopp können Islandpferde auch noch den Tölt und/oder den Rennpass. Insgesamt startete Thordarson bei den nationalen Titelkämpfen mit fünf Pferden. Mit vier dieser fünf Pferde erreichte sie sogar das A-Finale. Im Viergang-Finale belegte Thordarson Rang vier, im Tölt-Finale Position fünf. Nur mit einem Pferd musste sich die Pferdewirtin und Inhaberin der Trainer-B-Lizenz mit dem B-Finale zufriedengeben.

Lesen Sie auch

Durch die Corona-Pandemie wurde auch die Saison der Islandpferde-Reiter gehörig durcheinandergewirbelt. So wurden die Deutschen Meisterschaften auch zunächst abgesagt und dann in den September verschoben. Das Gestüt Heesberg von Ina und Daniel Schulz in Ehndorf sprang schließlich für den ursprünglich vorgesehenen Veranstalter ein. Immerhin rund 500 Zuschauer erlebten an mehreren Tagen 160 Teilnehmer mit 230 Pferden. „Pro Prüfung haben sich etwa 60 Starter um einen Platz im A-Finale bemüht“, berichtet Lilja Thordarson. Nur fünf erhielten tatsächlich einen Startplatz. „Deshalb macht es mich auch ein bisschen stolz, dass ich gleich mit vier Pferden ins A-Finale vorgestoßen bin“, sagt Thordarson. Die frühere Deutsche Jugendmeisterin bestritt ihre dritte Saison bei den Erwachsenen. Ansonsten mussten die Veranstalter im Jahre 2020 meist auf Zuschauer verzichten. „Aber zumindest konnten wir unser Hobby ausleben“, gibt die erfolgreiche Reiterin zu bedenken.

Zusammen mit ihrem Vater Tyri Thordarson betreibt Lilja Thordarson den Ishof in Huxfeld. Tyri Thordarson gewann einst selbst viele Titel im Islandpferdesport, auch auf internationalem Niveau. Die Familie stammt aus Island. Lilja Thordarson wurde aber in Deutschland geboren. Normalerweise besuchen die Thordarsons zumindest einmal pro Jahr ihre Freunde und die Familie in Island. Doch die Corona-Krise machte die geplante Reise im vergangenen Jahr zunichte. „Wenn wir nach Island geflogen wären, hätten wir in Quarantäne gehen müssen. Es herrschen dort relativ strenge Regeln“, informiert die 24-Jährige. Sie sei aber stets auf dem Laufenden, was die Heimat ihres Vaters anbetrifft. „Auch in Island ist derzeit alles im Lockdown“, sagt Thordarson. Für sie sei nie ein anderer Beruf in Frage gekommen als die Arbeit mit Islandpferden. „Darüber habe ich noch nicht einmal nachgedacht“, versichert Thordarson. Die Pferdewirtin arbeitet gerade an ihrem Pferdewirtschaftsmeistertitel in Echem bei Lüneburg. Die Familie Thordarson beherbergt derzeit ungefähr 75 Islandpferde auf ihrem Hof. „So genau nachzählen möchte ich die Pferde lieber nicht“, verrät Lilja Thordarson.

Der Unterricht auf ihrem Hof muss gerade wegen des Lockdown ruhen. Davon betroffen ist aber nicht nur die normale Reitschule mit dem Gruppenunterricht. „Ich gebe derzeit auch keinen Einzelunterricht“, lässt die junge Reitlehrerin, Züchterin und Reiterin wissen. Unter anderem trainiert Lilja Thordarson ansonsten die Schülerin Jule Fülles, die bei den Deutschen Jugend-Islandpferdemeisterschaften im September 2020 in ihrer Altersklasse die Goldmedaille im Viergang und Bronze im Tölt ergatterte. „Ich hoffe natürlich darauf, dass es sich im Hinblick auf die Corona-Pandemie in Richtung Sommer alles ein bisschen normalisiert“, sagt die junge Trainerin.

Über die finanziellen Verluste wolle sich Thordarson aber nicht beschweren. „Das ist alles noch im Rahmen“, betont die Aktive. Auch im Islandpferdesport hat sich in den vergangenen Jahren eine breite Hallensaison im Winter entwickelt. „Es sind auch einige Turniere in einer Fahrtzeit von einer oder eineinhalb Stunden zu erreichen“, teilt die Huxfelderin mit. Über die Berufung in den Bundeskader habe sie sich sehr gefreut. Bislang habe es aber noch keine Einladungen zu Kader-Maßnahmen gegeben. Ihr Hauptziel in diesem Jahr seien die Deutschen Meisterschaften im Juli in der Nähe von Frankfurt. „Dabei handelt es sich auch um einen Pflichttermin für jedes Kadermitglied“, betont Lilja Thordarson. In diesem Jahr finden auch die Weltmeisterschaften in Dänemark statt. Ob sie auch an dieser teilnehmen wird, muss sich noch herausstellen. „Dafür muss man sich schließlich extra qualifizieren“, informiert Thordarson.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+