Grasberger Mittagstisch

Suppentag

Das Bündnis „Familienfreundliches Grasberg“ serviert seit neun Jahren stets dienstags von 12 bis 14 Uhr einen Mittagstisch für kleines Geld in der Servicewohnung in der Seniorenwohnanlage Speckmannstraße.
11.01.2020, 12:12
Lesedauer: 3 Min
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Von Carmen Jaspersen (Fotos) und Undine Mader (Text)
Suppentag

Evelin Meyer füllt die Lauchsuppe auf die Teller, an anderen Dienstagen kommen Fisch oder Hackbraten auf die Teller. Den Nachtisch kochen die ehrenamtlichen Helferinnen daheim.

CARMEN JASPERSEN

Elfriede Brüning lässt die Münzen auf den Teller klötern. Zwei Euro für ein Mittagessen mit Kaffee und Nachtisch. Brünings Dienstags-Ritual. In jeder Woche geht sie kurz vor 12 Uhr die wenigen Schritte über den Flur von ihrer Wohnung in der Seniorenwohnanlage in der Speckmannstraße 32 in die benachbarte Servicewohnung. Dort bittet das Bündnis „Familienfreundliches Grasberg“ stets dienstags zwischen 12 und 14 Uhr zu Tisch. Vorzugsweise Seniorinnen und Senioren nehmen an zwei langen Tafel Platz. In der kleinen Küchen nebenan hantieren ehrenamtliche Helferinnen des Bündnisses.

GRA: Fotoreportage Mittagstisch in der Altenwohnanlage

Nicht zu übersehen: Lina Köster hängt kurz vor 12 Uhr das Transparent des Mittagstisches auf.

Foto: CARMEN JASPERSEN

Seit zwei Jahren wohnt Elfriede Brüning in der Seniorenwohnanlage und seitdem besucht die 88-Jährige den Mittagstisch. Sie habe in ihrem Leben lange genug gekocht, erzählt sie auf dem Weg. „Das Essen ist immer gut“, lobt sie die Speisen. Es sei noch nichts dabei gewesen, was ihr nicht geschmeckt habe. Brünings Rezept für so viel Zufriedenheit ist einfach: „Ich esse alles gerne.“

Um 12 Uhr beginnt der Mittagstisch. Dann flattert am Balkon weithin sichtbar das Banner des Mittagstisches. Elfriede Brüning und ihre Nachbarin Anna Kück sitzen bereits auf ihren Stammplätzen und unterhalten sich, denn hier geht es nicht nur ums Essen. Der Dienstag sei auch ein Treffpunkt zum Klönen, so Brüning, überwiegend für die Bewohner der Anlage.

GRA: Fotoreportage Mittagstisch in der Altenwohnanlage

Elfriede Brüning hat ein Leben lang gekocht.

Foto: CARMEN JASPERSEN

Derweil rührt in der Küche Lina Köster im großen Topf. Gut zehn Liter Lauchsuppe sollen langsam heiß werden, damit nichts anbrennt. Geliefert werden Suppen, Hackbraten oder Salate vom Lilienthaler Fleischer Schleufe oder vom Hotel Grasberger Hof. „Das müssen wir bezahlen“, sagt Köster. Darum zahlt jeder Gast zwei Euro pro Mahlzeit. Die Kosten decke das aber nicht. „Es trägt sich nur durch Spenden“, so Köster. Auch die Mittagesser steuern ihren Teil bei, so manche 50-Cent-Münze verschwindet zusätzlich in der Spendendose.

Lina Köster gehört seit neun Jahren zum ehrenamtlichen Helferinnen-Team des Mittagstisches. Früher habe sie im Altenheim gearbeitet, aber auch im Ruhestand liege ihr das Stillsitzen nicht. Also raspelt sie lieber einmal in der Woche mit dem Brotmesser durch Baguettes, befüllt die Kaffeemaschine, schaltet den Wasserkocher für das Teewasser an und stellt 16 Teller bereit. So viele Namen stehen diesmal in der Anmeldeliste. Und während sie die erste Runde Kaffee ausschenkt, blubbert in der Kaffeemaschine schon der Nachschub und auch der Wasserkocher brodelt wieder.

Inzwischen hat Evelin Meyer ihren Schreibtisch in der Gemeindebücherei gegen die Küche in der Servicewohnung getauscht. Als Gleichstellungsbeauftragte hilft sie seit dessen Start im Juni 2010 regelmäßig beim Mittagstisch.

GRA: Fotoreportage Mittagstisch in der Altenwohnanlage

Evelin Meyer serviert Anna Kück die Rote Grütze.

Foto: CARMEN JASPERSEN

Kurz nach 12 Uhr: Evelin Meyer schöpft die Lauchsuppe auf die Teller, Lina Köster trägt sie an die Tische und reicht Baguettescheiben dazu. 12.10 Uhr schaben nur noch Löffel auf Porzellan. Alle Gespräche sind verebbt. Dass es schmeckt, zeigt die bald folgende Nachschlagrunde. Die ist in die „ziemlich genau geplante“ Suppenkalkulation eingeplant und Meyer lacht: „Satt soll man ja schon werden.“ Lina Köster schaufelt nun Rote Grütze in Glasschälchen. Evelin Meyer hat sie gekocht, denn: „Den Nachtisch machen wir immer selber.“Zwischen Servietten, Tellern und Deko liegt auf den beiden Tischen der Speiseplan für Januar. Elfriede Brüning liest laut: „Sahnehering, Grünkohl. Lecker.“ Genau wie die „Schätze aus dem Keller“ und Vanille-Ananas-Creme. Dafür haben Elfriede Brüning und Anna Kück sich schon in die Liste eingetragen.

Anmeldungen zum Mittagstisch nimmt jeweils bis zum Freitag davor um 12 Uhr die Grasberger Gleichstellungsbeauftragte Evelin Meyer unter der Nummer 04208/ 39 66 entgegen. Und sollte jemanden doch einmal unangemeldet der Hunger ereilen, versichert Meyer: „Ein oder zwei spontane Esser bekommen wir noch satt.“

GRA: Fotoreportage Mittagstisch in der Altenwohnanlage

Immer dienstags wird in der Seniorenwohnanlage an der Speckmannstraße in gemütlicher Atmosphäre gespeist.

Foto: CARMEN JASPERSEN
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