Grasberger Ausbaupläne

Mehrfaches Ja zum Gewerbegebiet

Grasberger Unternehmer stehen dem Plan für die Flächen an der Wörpedorfer Straße positiv gegenüber. Dort soll ein Gewerbegebiet entstehen. Anwohner sind dagegen.
24.02.2021, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Undine Mader
Mehrfaches Ja zum Gewerbegebiet

Im Rathaus sind die Pläne für das neue Gewerbegebiet entstanden. Nun werden sie im Ort heiß diskutiert.

André Fesser

Grasberg. Im September 2020 hatte der Grasberger Verwaltungsausschuss das neue Gewerbegebiet Grasberg West auf den Weg gebracht. Die Durchführung der Änderung des Flächennutzungsplanes sowie die Aufstellung des Bebauungsplanes wurden beschlossen. Bis 31. Januar konnte sich die Öffentlichkeit über das Projekt informieren, dazu hatte die Verwaltung im Januar auch drei Einwohnerversammlungen organisiert. Nun ist das Gewerbegebiet wieder Thema. Auf der öffentlichen Sitzung des Bau- und Planungsausschusses mit Einwohnerfragestunden stehen an diesem Donnerstag Anträge der drei Grasberger Ratsfraktionen auf der Tagesordnung. Die drei fordern, das neue Gewerbegebiet nachhaltig und unter ökologischen Gesichtspunkten zu planen und zu gestalten.

Diese drei Anträge von CDU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen wertete der Allgemeine Vertreter der Bürgermeisterin, Stefan Ritthaler, gegenüber der WÜMME-ZEITUNG als Zustimmung zum Gewerbegebiet. An dessen Bedarf hat er nach wie vor keinen Zweifel: „Wenn alle, die auf der Liste sind, Ernst machen, ist das Gewerbegebiet mehr als voll.“ Zwei Drittel der elf Interessenten stammen aus Grasberg, so Ritthaler.

Die Pläne der Gemeinde hatten wie berichtet zuletzt mehrfach den Protest von Anwohnern hervorgerufen. Das geplante Gewerbegebiet beschäftigt aber auch Grasberger Unternehmer. In diesen Kreisen steht man dem Vorhaben sehr viel wohlwollender gegenüber. So will am Donnerstag im Forum der IGS zum Beispiel auch Ole Schmidt als Zuhörer sitzen, der Inhaber der Grasberger Firma Landmaschinen-Schmidt. „Dem Thema Gewerbegebiet an sich stehe ich positiv gegenüber“, sagt er auf Nachfrage. Aber man müsse auch weiter denken und künftige Erweiterungsmöglichkeiten mit einplanen. „Es ist wichtig, dass man nicht irgendwo alleine als Gewerbebetrieb steht“, so Schmidt. „Man siedelt sich vielleicht dort an, wo die Geschäftspartner sind.“ Und wenn von Gewerbe gesprochen wird, meint Schmidt Elektriker, Klempner oder andere Gewerbebetriebe aus der näheren Region. „Da sehe ich eigentlich eher den Nutzen für eine Gemeinde.“ Zudem existiere um den geplanten Standort mit den Firmen Brinkmann, Bahrenburg und Zeisner bereits eine vorhandene Gewerbestruktur. Und in gewisser Weise, so Schmidt, werde die einstige Gewerbefläche mit der ehemaligen Mühle am Wörpedorfer Kreisel lediglich etwas nach draußen geschoben. Dort, wo einst Gewerbe war, entstehen derzeit neue Wohnungen.

Schmidt weiß, dass es schwer ist, den Flächenverbrauch des neuen Gebiets und die Umweltbelange zusammenzukriegen Er sieht aber auch Vorteile: Wer ortsnah arbeite, könne mit dem Rad fahren und mittags sogar mit der Familie essen. Auch das Kind sei schneller aus der Kita abgeholt. Ein zweites Auto könne so für junge Familien überflüssig werden und das Pendeln beispielsweise nach Bremen zur Arbeit entfallen. Zurück zu den Wurzeln: „Vielleicht sollten wir wieder regional arbeiten“, regt Schmidt an.

Vorfreude auf neue Nachbarn

Die Firma Zeisner auf der anderen Seite der Wörpedorfer Straße versteht sich als „ein Haus in Wörpedorf“, so Thomas Zeisner. Er hat darauf verzichtet, das Areal einzuzäunen. Das Thema Gewerbegebiet Grasberg West verfolge er „interessiert bis gespannt“. Er freue sich natürlich über neue Nachbarn. Aus seiner Sicht wäre es schön, wenn sich das Gewerbegebiet „harmonisch ins Ortsbild einfügt“. Zeisner ist überzeugt, dass ein Ort Gewerbe braucht, und „wenn der Bedarf da ist, macht es Sinn, ein paar Flächen auszuweisen“. Es sei nur die Frage, wie solch ein Gewerbegebiet gefüllt werde. Ein Logistik-Unternehmen, bei dem ständig Lkws hin und her fahren, fühle sich anders an als ein Handwerksbetrieb.

„Ich sehe das sehr positiv“, sagt auch Holger Gloede. Seine Bedachungsfirma hat ihren Sitz in Dannenberg und mit der Lage ist er zufrieden. Aber man müsse auch an kleine Unternehmen denken, die vielleicht schon ewig in Grasberg ansässig seien, die nicht so laut sind und deren Angestellte im Ort wohnen und Steuerzahler sind. Große Industrie hingegen müsse es nicht im neuen Gewerbegebiet haben.

Als Grasberger Unternehmer, Bürger und Feuerwehrmann befürwortet Thorsten Schaffert vom Taxi-Unternehmen Schaffert das geplante Gewerbegebiet gleich dreifach. Es schaffe Arbeitsplätze vor Ort und damit eine gewisse Steuerkraft, die im Ort benötigt werde. Schaffert lobt die Lage der Kinderbetreuung in Grasberg, „aber das muss auch finanziert werden“. Und für einen Feuerwehreinsatz am Tag ist es auch gut, wenn Kameradinnen und Kameraden vor Ort arbeiten. Außerdem: „Ein Gewerbegebiet gehört zu einem funktionierenden Ort dazu.“

Dass Grasberg Gewerbefläche benötige, stehe seit vielen Jahren fest, aber es habe sich bislang nichts ergeben. Schaffert sieht daher zur Verwirklichung des Gewerbegebiets Grasberg-West keine Alternative, wohl wissend, dass die Versiegelung von Flächen Nachteile mit sich bringe.

Weitere Informationen

Der Bau- und Planungsausschuss tagt am Donnerstag, 25. Februar, öffentlich ab 19 Uhr im Forum in der Außenstelle Grasberg der IGS Lilienthal, Speckmannstraße 13 in Grasberg. Aus Gründen des Infektionsschutzes bittet die Verwaltung um Anmeldung per E-Mail unter anmeldung@grasberg.de oder per Telefon unter 04208/917512.

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