Volkshochschule Lilienthal

Keine Bundeshilfe für Dozenten

Bei der Volkshochschule Lilienthal ist der Kursbetrieb wieder angelaufen, doch die Dozenten müssen wegen der wochenlangen Schließung durch Corona finanzielle Einbußen hinnehmen.
26.06.2020, 19:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Johannes Kessels
Keine Bundeshilfe für Dozenten

VHS-Leiterin Martina Michelsen vor dem Hauptsitz der Volkshochschule in Murkens Hof in Lilienthal.

Petra Scheller

Grasberg/Lilienthal. Die Volkshochschule Lilienthal-Grasberg-Ritterhude-Worpswede (VHS) geht nach einer vollständigen Schließung aufgrund der Corona-Pandemie seit etwa fünf Wochen langsam wieder in den Normalbetrieb über. Einige ihrer Dozenten werden aber wohl noch längere Zeit beim Blick auf ihre Kontoauszüge daran erinnert werden, dass sie wochenlang nichts verdient haben. Ausfallhonorare zahlt die VHS im Unterschied zu ihrem Bremer Pendant nicht, die Soforthilfe des Bundes kommt für die Dozenten wahrscheinlich nicht in Frage. Das erfuhr der VHS-Beirat jetzt auf seiner Sitzung im Grasberger Rathaus.

Eine Zeitlang sei die VHS komplett geschlossen gewesen, berichtete ihre Leiterin Martina Michelsen in der Beiratssitzung. Ein Teil der festangestellten Mitarbeiter habe von zu Hause aus gearbeitet. Betroffen von der Schließung seien 180 Kurse mit 1827 Teilnehmern. Nachgeholt oder neu gestartet wurden bisher 86 Kurse, also knapp die Hälfte. Einige andere werden auf das kommende Wintersemester verschoben.

„Der Neustart war sehr aufwendig, wir mussten jeden Kurs einzeln anpassen und sämtliche Räume ausmessen“, sagte Martina Michelsen. In Murkens Hof werden jetzt auch der Schroetersaal und die Galerie der Kunststiftung im Erdgeschoss als Kursräume benutzt, aber in der Galerie fühlten sich Dozenten und Kursteilnehmer manchmal vom Betrieb in der direkt danebenliegenden Gemeindebibliothek gestört. Jeder Teilnehmer erhält ein Corona-Merkblatt mit Verhaltensregeln. Eine besondere Wegeführung im Treppenhaus ist wegen dessen Weitläufigkeit überflüssig, aber das Gebäude darf derzeit nur durch den Haupteingang an der Klosterstraße betreten und durch den Nebeneingang am Parkplatz verlassen werden. Wer durch das Coronavirus infiziert wird, muss dies der VHS-Leitung sofort mitteilen.

Einige Kurse, vor allem für Sprachen, werden in die Sommerferien hinein verlängert, erklärte die Leiterin. Für die ausgefallenen Unterrichtsstunden werden die Gebühren erstattet, Teilnehmer können auch ganz aufhören. Es gebe aber auch Teilnehmer, die auf eine Gebührenerstattung verzichteten, so Michelsen.

„Sie können stolz darauf sein, was Sie wieder in Bewegung gesetzt haben“, lobte der Beiratsvorsitzende Uwe Kempf. Er wollte aber wissen, ob es Dozenten gibt, die wichtige Teile ihres Einkommens verloren hätten. Ausfallhonorare zahle die VHS nicht, sagte Martina Michelsen. Sie weise die Dozenten auf die Corona-Soforthilfe des Bundes für Solo-Selbstständige hin. Im Kunstbereich könne eventuell Unterstützung von der Sparkassenstiftung gezahlt werden.

Aber gerade im Gesundheitsbereich gebe es viele Dozenten, die allein von ihren Honoraren leben müssten, erklärte die VHS-Mitarbeiterin Jutta Rodenburg. Manche von denen müssten jetzt Hartz IV beantragen. Es könnten noch mehr werden, sagte die Dozentenvertreterin Heike Schatz-Watson: Die Bundeshilfe für Solo-Selbstständige sei ausdrücklich nicht für die Bestreitung des Lebensunterhalts und auch nicht für die Zahlung der Wohnungsmiete gedacht. Zuschüsse würden einzig und allein zu den Betriebsausgaben gezahlt. „Aber was haben wir als Dozenten schon für Betriebsausgaben?“, fragte Schatz-Watson.

Ihr Kollege Hartmut Lindemann regte an, die VHS solle durch die Zahlung von Vorschüssen aus der Klemme helfen, wo es dringend nottue. Das habe es früher schon einmal gegeben, sagte Dozentin Annette Umlauft – aber erst, wenn 50 Prozent der Unterrichtsstunden bereits stattgefunden hätten, erklärte Jutta Rodenburg. Jetzt werde die VHS Abschlagszahlungen leisten, kündigte Martina Michelsen an. Von der Idee von Hartmut Lindemann, die VHS solle es Künstlern ermöglichen, ihre Werke für jeweils einige Tage in Murkens Hof auszustellen, um sie zu verkaufen, hielt die Leiterin weniger. In den Fluren fänden bereits jetzt regelmäßig Ausstellungen statt, aber mit längerer Dauer. Es sei sehr aufwendig, die Kunstwerke zu präsentieren, für einige Tage lohne der Aufwand nicht. Sie werde aber versuchen, die Zahl der Ausstellungen zu erhöhen.

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