Hühnerzüchter in Grasberg

Wie der Vater so die Tochter

Stefan und Bente Meier zeigen ihre Küken am 14. April bei der Küken-, Zuchtstamm- und Bruteierschau in Grasberg. Vater und Tochter teilen die Begeisterung für das arbeitsintensive und doch entspannende Hobby.
12.04.2019, 18:52
Lesedauer: 3 Min
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Von Undine Mader
Wie der Vater so die Tochter

Bente Meier füttert die Niederrheiner Küken ihres Vaters. Ihr eigenes Tier ist ein birkenfarbiges "Deutsches Zwerg-Reichshuhn".

Maximilian von Lachner

Dreiundfünfzigfach piepst es unter der Wärmelampe. Küken, gerade mal zwei Wochen alt, drängen sich aneinander. Bente greift eine der Flauschkugeln und setzt sie auf ihre Hand. Es ist ihr einziges eigenes Küken in der Meute, und das erkennt sie ohne Probleme. Es hat ein gelbes Auge. Außerdem sagt die siebenjährige Jungzüchterin selbstbewusst: „Für mich sehen die alle unterschiedlich aus.“ Derweil streichen ihre Daumen sachte über den Vogelkopf. Dann hält sie das Tier dem Vater hin. Er soll es wieder in den Stall setzen. Sie hat gespürt: „Dem ist ganz doll kalt.“ Nun wird der gefiederte Zwerg seinen ersten großen Auftritt haben. Bente und ihr Vater Stefan Meier zeigen ihre Küken an diesem Sonntag, 14. April, bei der jährlichen Küken-, Zuchtstamm- und Bruteierschau des Nutz- und Rassegeflügelzucht-Vereins Grasberg (GZV).

Bentes jüngster gefiederter Freund ist ein birkenfarbiges „Deutsches Zwerg-Reichshuhn“. Geschlüpft aus dem einzigen befruchteten Ei von 50 Bruteinern dieser Hühnerrasse, erzählt der Vater. Drei Wochen hatten sie darauf gewartet. Dass es nur ein Küken für Bente gab, trägt die Jungzüchterin gelassen. „Hauptsache ein Küken“, sagt sie. Stefan Meier verrät, er habe nochmal 60 Bruteier bestellt, „hoffentlich mit mehr Erfolg“. Weil die neuen Eier aber erst seit einem Tag in der Brutmaschine liegen, müssen sie sich in Geduld üben. 21 Tage brauche es, bis Hühnerküken schlüpfen. Bei Zwerghühnern könne die Schale auch einen Tag früher aufbrechen. Vater und Tochter schauen jeden Tag nach. Bente vergleicht die Wartezeit mit einem Adventskalender. Und wie zu Weihnachten steigt die Aufregung, wenn der Schlüpftag näher rückt. Dann stehen Bente und ihre kleine Schwester vor der Brutmaschine und lauschen. Wenn dann wieder von 50 Eiern nur eines schlüpft, nehmen sie es wieder mit Gleichmut. „Das ist schade, aber das ist dann so“, sagt Bente.

Bis zur Geflügelschau schaffen es die Küken aus dem Brutschrank nicht. Dafür gehen die anderen 52 Küken aus Meiers Jungtierschrank mit ins Vereinsheim. Es sind Niederrheiner. Wenn sie ausgewachsen sind, werden sie doppelt so groß sein wie Bentes Hühner sein. Im Nachbarstall piepst es schon tiefer. Da scharren die sechs Wochen alten Geschwister der Jungküken in der Einstreu. Im Übergang zwischen Flaum und Federn sehen sie noch etwas zottelig aus, aber bis zum Herbst wird sich das ändern. Stefan Meier meint, dann werde sich zeigen, wer schön genug für den Laufsteg bei der alljährlichen großen Ausstellung des GVZ Grasberg sei.

Seit zwei Jahren gehört Bente dem rund 100 Mitglieder zählenden Grasberger Geflügelzuchtverein an. Bänder und Pokale zeugen von ersten Erfolgen. Wird sie dem väterlichen Vorbild auch in dieser Hinsicht folgen, könnte sie einst die zweite Vorsitzende werden. Das Amt habe sich einfach so ergeben, erzählt Stefan Meier lachend. Mit eigenen Hühnern hat sie vor vier Jahren begonnen. Günter, Anneliese und Frieda hieß die erste Generation. Als Frieda weggelaufen war, kam Pipsi als Ersatz. Dann ist Günter gestorben. „Er war alt und hatte Schnupfen“, erzählt Bente den Werdegang ihrer kleinen Schar. Eines der Tiere essen? Diesen Gedanken lehnt sie mit einem energischen „Nein“ ab. Der Vater schmunzelt. Seine doppelt so großen Niederrheiner kommen auch in die Küche. Aber bei Bentes Zwerghühner vermeiden sie das, und bisher konnten alle Tiere an Privatabnehmer weiter gegeben werden.

Auf dem Weg zu den Ställen sagt der Vater zur Tochter: „Hühner, das ist unser Ding.“ Bei ihm daheim habe es immer Hühner gegeben, er sei damit aufgewachsen. Es stecke viel Arbeit in diesem Hobby, daher fehle es den Meierschen Hühner auch an nichts. Ihre Ställe gleichen eher schicken Gartenhäusern. Trotz all der Arbeit sagt Stefan Meier: „Das ist ein entspannender Zeitvertreib.“ Die Tochter sieht es ähnlich und schwärmt: „Ich finde die einfach toll.“ Dass der Hahn bei Vollmond schon mal nachts um halb drei oder halb vier kräht, stört sie nicht. Die Nachbarn auch nicht, darüber ist Stefan Meier froh. Nicht überall werde das toleriert.

20 junge Leute zwischen sieben und 17 Jahren zählt die Jugendgruppe des GVZ. In ihrer Schulklasse ist Bente indes die einzige Rassegeflügelzüchterin. Als Exot fühlt sie sich trotzdem nicht. Stefan Meier empfand das anders: „Ich war früher der Exot.“ Jetzt, um die 40 und als Familienvater sei das anders. „Da hat der eine oder andere Hühner im Garten.“ Ein durchaus auch kulinarisch lohnenswertes Hobby. 15 Eier liefern Meiers Hühner pro Tag.

250 bis 300 Küken soll es an diesem Sonntag laut Stefan Meier zwischen 8 und 12 Uhr im Vereinsheim des GZV Grasberg, Wörpedorfer Straße 17, zu sehen geben bei der Küken-, Zuchtstamm- und Bruteierschau. Vom Ei bis zum Huhn ist alles dabei, heißt es vom Verein. Neben Küken zum Anschauen und Anfassen soll es auch Schlüpfen live mit dem Schaubrüter geben.

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