Interview mit Eric Schürhaus

„Direkt von der Bremen-Liga angefixt“

Eric Schürhaus war bis zum Sommer Trainer beim Fußball-Bezirksligisten FC Hambergen. Seit dieser Saison ist er für den Bremen-Ligisten SFL Bremerhaven verantwortlich - und betritt dabei Neuland.
09.11.2020, 09:12
Lesedauer: 6 Min
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„Direkt von der Bremen-Liga angefixt“
Von Dennis Schott
„Direkt von der Bremen-Liga angefixt“

Der Bremer Fußball schmeckt ihm bislang sehr gut: Mit der SFL Bremerhaven steht der ehemalige Coach des Bezirksligisten FC Hambergen auf Platz drei.

Tobias Dohr

Herr Schürhaus, Sie sind seit dieser Saison Trainer beim Bremen-Ligisten SFL Bremerhaven. Wie schmeckt Ihnen der Bremer Fußball bislang?

Eric Schürhaus: Ganz gut, kann ich nicht anders sagen. Ich lerne viele neue Sportanlagen kennen und viele neue Trainerkollegen. Aber, und das ist das Lustige, ich habe auch einige Spieler getroffen, die ich schon von der Fußballschule her kannte und ewig nicht gesehen habe. Da schnackt man nach dem Spiel noch 'ne Runde. Grundsätzlich kann ich aber sagen, dass ich vom ersten Spiel an angefixt von der Bremen-Liga war. Ging ja auch gleich mit einem Derby gegen den ESC Geestemünde los. Nach der langen Pause war es für jede Mannschaft schwer, wieder hineinzufinden. Das ist auch meiner Mannschaft nicht besonders gut gelungen. Aber wir konnten uns steigern und haben zuletzt nicht umsonst fünf Mal in Folge gewonnen. Deswegen ist die Pause ja so ärgerlich, wir waren richtig gut drauf. Und mit dem Derby gegen den OSC Bremerhaven und dem Pokalspiel gegen den Brinkumer SV hätten wir jetzt auch zwei richtig schöne Highlights gehabt, die leider nicht stattfinden konnten.

Mit 19 Punkten nach acht Spielen steht Ihr Team auf Platz drei. Damit dürften Sie doch zufrieden sein, oder?

Absolut. Wir ärgern uns natürlich, dass wir am Anfang etwas liegengelassen haben, dafür haben wir uns gegen Arsten und Habenhausen nur knapp durchgesetzt. Auch gegen die BTS Neustadt war es knapp. Klar ist, dass wir in jedem Spiel gehörigen Aufwand betreiben müssen, um als Sieger vom Platz zu gehen. Wir müssen uns auf jeden Gegner neu einstellen und alles von Neuem erarbeiten. Das musste die Mannschaft am Anfang noch mehr verinnerlichen, weil sie vermutlich zu sehr aus den Vorjahren verwöhnt war. Aber in der Bremen-Liga wird dir nichts geschenkt, und seitdem wir das begriffen haben, haben wir auch nichts mehr liegengelassen. Aber wir sind ja nicht die einzige Mannschaft mit fünf Siegen in Folge.

Sie sprechen damit den Brinkumer SV und den Bremer SV an, das Spitzenduo der Bremen-Liga. Hat Ihr Team auch davon profitiert, noch nicht auf die Schwergewichte der Liga gestoßen zu sein? Oder befindet sich das Team auf Augenhöhe?

Wir haben gegen den ESC gespielt, auch gegen die LTS, die stehen direkt hinter uns. Wir haben gegen den BSC Hastedt, der gegen den Bremer SV nur mit einem Tor Unterschied verloren hat, klar gewonnen. Natürlich haben wir noch nicht gegen den Bremer SV und Brinkum gespielt, aber klar ist auch, dass es mit dem Selbstvertrauen, das wir nach fünf Siegen gesammelt haben, auch sauschwer gegen uns werden würde. Die beiden können gerne kommen.

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Drei Bremerhavener Mannschaften befinden sich aktuell unter den Top fünf. Ist das nur eine Momentaufnahme oder steckt da sogar mehr hinter?

Ganz sicher steckt mehr dahinter. Die LTS spielt eine bärenstarke Saison, vor allem in der Abwehr steht sie sehr sicher. Und vorne hat die Mannschaft mit Jan-Niklas Kersten und Gökhan Yücel zwei brandgefährliche Stürmer. Schwierigkeiten hat sie nur, wenn sie selbst das Spiel machen muss. Und ESC Geestemünde hat richtig gute Einzelspieler in seinen Reihen.

Wer da oben fehlt, ist der OSC Bremerhaven, obwohl er es sich fest vorgenommen hatte. Dafür sorgte der Klub für Schlagzeilen, weil er aufgrund der hohen Infektionszahlen nicht gegen Bremer Mannschaften antreten wollte. Wie haben Sie diesen Protest wahrgenommen?

Der OSC Bremerhaven ist der einzige Verein in Norddeutschland, der so eine Aktion gemacht hat. Das steht ja schon mal für sich. Sie haben damit allen Mannschaften, allen Verbänden einen Bärendienst erwiesen. Ich kann wenig damit anfangen, dass alleine und ohne Rücksprache vorgeprescht wurde und dann, wo man gemerkt hat, dass man auf Widerstand stößt, allein durch die Wertung des Spiels gegen Vatan (Der Nichtantantritt des OSC Bremerhaven musste laut Spielordnung zunächst mit einer 0:5-Niederlage gewertet werden, Anm. d. Red.), Solidarität von den Bremerhavener Vereinen einzufordern. Wir haben da nur gesagt: Bitte macht eure Meinung nicht zu unserer.

Die ganze Angelegenheit wurde trotzdem im Verband mit den Vereinen kontrovers diskutiert, und es gab einige Stimmen, die die Bedenken des OSC nachvollziehen konnten. Nicht zuletzt deshalb kam es in Bremen auch zu einer früheren Saisonunterbrechung als in Niedersachsen. Gab es bei der SFL zu keiner Zeit ähnliche Überlegungen wie beim OSC?

Nein. Jede andere Mannschaft ist ja auch angetreten, die Vereine haben sich vorab abgestimmt und sind – wie vorher auch – verantwortungsvoll mit der Situation umgegangen. So stelle ich mir das vor. Und nicht so einen öffentlichen Exzess. Letzten Endes haben sie bekommen, was sie wollten. Die Saison wurde schon vor dem 2. November unterbrochen, obwohl man noch Spiele hätte anpfeifen können. Was die Zuschauer betrifft, stimme ich zu. Da ist es auch zu einigen Situationen gekommen, wo man es nicht mehr kontrollieren konnte. Aber grundsätzlich gehen die Vereine sehr verantwortungsvoll mit der Situation um. Und wäre der Punkt gekommen, an dem ich gemerkt hätte, dass ich das nicht mehr hätte verantworten können, dann hätte ich reagiert. Der Punkt kam aber nicht. Die Bedenken sind berechtigt. Aber durch das Fußballspielen selbst ist noch keiner zu Schaden gekommen, die Leute haben sich woanders angesteckt.

Jetzt ist trotzdem erst mal Pause. Im Landkreis Osterholz wurde sogar ein Fußballverbot ausgesprochen, ehe das allgemeine Sportverbot verhängt wurde – auch weil einige Infektionsherde dem Fußball zugeordnet wurden. Sind die Fußballer im Laufe der Zeit zu sorglos mit der Situation umgegangen?

Es ist ja Fakt, dass sich die positiven Fälle auf anderem Wege angesteckt haben, aber nicht beim Fußball. Ganz allgemein ist man aber zu unvorsichtig geworden, dadurch hat es nun eine gewisse Dimension angenommen, die unkontrollierbar scheint. Deswegen ist die allgemeine Maßnahme schon nachvollziehbar.

Themenwechsel: Bis zum Sommer haben Sie noch den FC Hambergen trainiert? Verfolgen Sie noch das Geschehen bei Ihrem Ex-Verein?

Natürlich. Nach unserem Spiel schaue ich auch immer direkt zwei Dinge nach: Wie hat Hambergen gespielt? Und wie der MTV Bokel. Ich bin nach wie vor nah dran, kriege hier und da auch mal die eine oder andere Nachricht.

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Dann wird Ihnen ja nicht entgangen sein, dass Ihr Ex-Klub seine Staffel in der Bezirksliga anführt.

Das freut mich natürlich. Ich konnte sie bislang nicht live sehen, habe mir aber das Video aus dem Spiel gegen Visselhövede angeschaut. Das sah schon richtig gut aus, was die Jungs da auf dem Platz gezeigt haben.

Wird es vielleicht sogar was mit der Meisterschaft?

Na klar, alles ist möglich. Es gibt nicht diese eine Mannschaft, wie Ottersberg damals, die so herausragt. Wir waren ja auch in den letzten Jahren lange vorne mit dabei und haben dann abreißen lassen, jetzt müssen sie stabil bleiben und die Schlüsselspiele gewinnen. Aber ich sehe sie dazu absolut in der Lage. Wichtig wird aber auch sein, gut aus der Pause zu kommen.

Und bei Ihrem Team? Was ist möglich?

Wir wollen das Maximale rausholen und mindestens diesen dritten Platz, der ja schon für sich steht, behaupten. Das ist nicht selbstverständlich mit den geringen Mitteln, die wir haben. Aber klar, wir wollen so viel erreichen, wie möglich. Da gibt es natürlich mindestens zwei Vereine, die ähnlich ticken. Vielleicht können wir uns aber auch einen Traum im Pokal erfüllen. Und wenn es dieses Mal nicht klappt, dann greifen wir nächstes Mal wieder an. Wir sind kein Topfavorit, können aber jedem wehtun.

Trainer, die sowohl im Niedersächsischen als auch im Bremer Fußball gearbeitet haben, werden gerne mit dieser Frage konfrontiert: Wo wird der bessere Fußball gespielt. Was würden Sie sagen?

Es gab schon Leute, die nach einem Spiel gesagt haben: Deine Hamberger haben aber besseren Fußball gespielt (lacht). Teilweise waren die Gegner aber auch schwächer, sage ich dann. In der Bremen-Liga wird aber der bessere Fußball gespielt, es ist ja auch eine Oberliga in dem Sinne. Vor allem in der Breite ist sie besser aufgestellt. Es gibt nicht diese Holzfällertruppen. Aber wenn ich mich an unser Topspiel zurückerinnere, Hambergen gegen Etelsen, und an die fußballerische Qualität – so etwas habe ich in bislang keinem anderen Bremen-Liga-Spiel gesehen. Vor allem, was die Intensität betrifft.

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Das Gespräch führte Dennis Schott.

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Zur Person

Eric Schürhaus (36)

war bis zum Sommer Trainer beim Fußball-Bezirksligisten FC Hambergen. Seit dieser Saison ist er für den Bremen-Ligisten SFL Bremerhaven verantwortlich und betritt dabei im Bremer Verband Neuland.

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