Touristikbeauftragte Morgens nicht wissen, was der Tag bringt

In der Samtgemeinde Hambergen entwickelt Anke Fiedler an zwei Tagen in der Woche touristische Angebote. Das sei eine abwechslungsreiche Aufgabe, sagt sie. Gerade das liebe sie an ihrem Beruf.
18.10.2019, 18:32
Lesedauer: 3 Min
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Von Peter von Döllen

Hambergen. Anke Fiedler nickt. „Als Touristikbeauftragte muss man flexibel sein. Aber genau das ist es, was mir Spaß macht: wenn man morgens nicht weiß, was am Tag kommt“, sagt sie. Zweimal pro Woche ist sie in der Samtgemeinde Hambergen – sozusagen ausgeliehen von der Touristikagentur Teufelsmoor-Worpswede-Unterweser (TWU), bei der Fiedler eigentlich angestellt ist. Die Samtgemeinde Hambergen hat seit 2001 einen Vertrag mit der TWU. Diese Vereinbarung sieht vor, dass eine touristisch qualifizierte Fachkraft an zwei Tagen in der Woche – insgesamt 17 Stunden – für die Samtgemeinde tätig ist und touristische Angebote in der Samtgemeinde voranbringt. In Hambergen ist die gelernte Reiseverkehrskauffrau hauptsächlich für die Veranstaltungen tätig. Sie kümmert sich aber auch um andere Dinge. Vieles läuft im Hintergrund, wie beispielsweise ihre Arbeit für die Fahrradwege oder der Kontakt zu den Gastgebern. In Hambergen gebe es noch einiges zu verbessern, weiß sie. Doch manchmal müssen dicke Bretter gebohrt werden.

„Es gibt in der Samtgemeinde mehrere Radrundwege“, bemerkt sie beispielsweise. Die sind aber für aktuelle Anforderungen nicht lang genug. Und mancher Abschnitt ist nicht so ideal für Radler, weil man auf einer Hauptstraße fährt, Stellen zugewachsen sind oder der Untergrund zu weich ist. Sichtbar sind die Ergebnisse ihrer Arbeit bei den großen Veranstaltungen in der Samtgemeinde, auch wenn sie selber dabei eher im Verborgenen bleibt. Die Creartour, bei der Kreative aus der Samtgemeinde Hambergen an einem Wochenende im Mai ihre Werkstätten, Gärten und Ateliers öffnen und sich bei der Arbeit über die Schulter schauen lassen, gehört dazu. Zwar wurde dieses Event lange vor Fiedlers Arbeitsbeginn in Hambergen ins Leben gerufen. Doch die Touristikerin hat in den vergangenen Jahren den einen oder anderen Akzent gesetzt. Beispielsweise wurden Flyer, Plakate und Schilder neu gestaltet. Die Organisation der Creartour ist komplex, bei der unterschiedliche Wünsche und Erwartungen koordiniert werden müssen.

Gerade das Organisieren von Veranstaltungen hatte Anke Fiedler 2016 bewogen, die Arbeitsstelle zu wechseln. Sie ist in der Stadt Langen aufgewachsen, die 2014 mit der Samtgemeinde Bederkesa zur Stadt Geestland fusionierte. In Bremerhaven machte sie eine Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau. „Ich fand es spannend, sich mit Menschen und fremden Kulturen einzulassen“, erzählt sie. Eine Zeit lang hat sie im Reisebüro gearbeitet. Dann kamen zwei Söhne: Fiedler blieb zuhause, setzte sich aber zwei Jahre lang abends wieder auf die Schulbank und machte eine Ausbildung zur Touristikfachwirtin. „2008 habe ich gedacht, ich könnte wieder mehr arbeiten und habe mich beim Landkreis Cuxhaven beworben“, erzählt sie. Sie bekam die Stelle. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit lag auf dem Fahrradtourismus. Die Arbeitsstelle beim Landkreis Cuxhaven war allerdings eine Halbtagsstelle. Eine Ausweitung der Arbeitszeit war nicht möglich. So sah sie sich um und wurde beim Landkreis Osterholz fündig.

„Hambergen ist sehr naturverbunden“, sagt Anke Fiedler. Diesen Aspekt würde sie gerne verstärkt herausstellen. Die Zeit wäre gut dafür. Das Insektensterben, die Klimadebatte oder Naturschutzgebiete: Natur liegt im Trend. Die beiden Bahnhöfe in Oldenbüttel und Lübberstedt seien bei den Bemühungen ein starkes Argument. So können Radfahrer mit dem Zug gut in die Samtgemeinde kommen. „Es fehlt allerdings an Gastronomie“, weiß Anke Fiedler.

Der Landkreis will ADFC-Radreiseregion werden. Dabei handelt es sich um ein Gütesiegel des Allgemeinen Deutschen Radfahrerclub (ADFC), das Regionen bekommen können, die bestimmte Kriterien erfüllen. Zum Beispiel müssen flächendeckend interessante Radwege vorhanden sein. „Jede Mitgliedsgemeinde ist mit einer Strecke dabei“, erklärt Fiedler – also auch die Samtgemeinde Hambergen. Die Prüfer des ADFC kommen vermutlich im Frühjahr. „Wir bekommen dann ein Ergebnis und wissen, was wir noch tun können und müssen.“

Weitere Veranstaltungen, um die sich Fiedler kümmert, sind die beiden Konzerte für das Gartenkultur-Musikfestival in der Museumsanlage Ströhe und der Lübberstedter Mühle. Anke Fiedlers Aufgabe in der Samtgemeinde Hambergen ist eine Mischung aus Organisation und der Entwicklung touristischer Ideen, wobei ein Leitbild der Samtgemeinde bei Letzterem hilfreich wäre. Es wäre nicht so einfach aufzuzählen, was alles dazu gehört. Mal muss ein Text für eine Broschüre, einen Flyer oder etwas anderes geschrieben werden, dann fehlen Fotos, die Fiedler macht, oder ein Gastgeber ruft mit einer Frage an. Netzwerken gehört auch zum Beruf – sei es der Austausch mit anderen Touristikern, Fachleuten oder Vereinen. Als Touristikbeauftragte weiß man halt nie so genau, was der Tag bringt.

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