Bios bietet Führungen an Zur Heideblüte ins Springmoor

Glockenheide und Gräser, dazu Reptilien wie Kreuzotter und Schlingnatter oder Vögel wie der Ziegenmelker – das Springmoor ist für Tiere und Pflanzen ein wichtiger Lebensraum.
07.09.2019, 22:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Monika Fricke

Vollersode-Giehlermühlen. Nicht nur die Lüneburger Heide verfügt über großflächige Heideflächen, es gibt sie auch im Landkreis Osterholz: Zum Beispiel im Naturschutzgebiet Springmoor. Die Biologische Station Osterholz (Bios) lud im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Wege ins Moor“ zur Exkursion „Heideblüte im Springmoor“ ein. Die Diplom-Ingenieurin für Landschaftsentwicklung, Leonie Kulp, führte eine Gruppe von Naturfreunden zu blühenden Heideflächen im Naturschutzgebiet Springmoor, das im Ortsteil Vollersode-Giehlermoor liegt, am Rande eines Moorgebietes am Giehler Bach. Die Heideflächen im Springmoor entfalten zur Heideblüte ihre einzigartige Schönheit.

Die Mitarbeiterin der Ökologischen Station der Bios informierte die Gäste der Führung über Betreuungs- und Pflegemaßnahmen des Landschafts-, Arten- und Biotopschutzgebietes. Das Betreuungsgebiet der Ökologischen Station umfasst Naturschutzgebiete, Vogelschutz- und Flora-Fauna-Habitat-(FFH)-Gebiete im Landkreis Osterholz, seit 2018 auch die Schutzgebiete im südlichen Landkreis Cuxhaven.

In Fahrgemeinschaften startete die Gruppe mit Leonie Kulp ab Biologische Station an der Lindenstraße in Richtung Vollersode. Am Ortsausgang von Wallhöfen führte der Weg in Richtung Holste. Beim Hinweis auf den Vorgeschichtspfad in Paddewisch gelangte die Gruppe über die Winterbergstraße zum Springmoor. „Das ausgedehnte Niedermoor im Rückstaubereich des Giehler Mühlenstaus hat eine hohe Bedeutung für gefährdete Pflanzen-, Vogel-, Kriechtier-, Tagfalter- und Heuschreckenarten auf den ausgedehnten Sand- und Moorheideflächen“, erklärte die Landschaftsschutzexpertin der Biologischen Station.

Am Ende eines Waldweges erfreute nach kurzer Zeit das blühende Heidegebiet die Teilnehmer der Exkursion. Begeistert betrachteten sie die in voller Blüte stehende Besenheide (Calluna vulgaris). Leonie Kulp erklärte der Gruppe, dass Heideflächen einst durch das Abholzen von Wäldern entstanden waren. Sie wies auf den Erhalt des vielfältigen Lebensraumes der warmen, trockenen Geestlandschaft für eine besondere Tier- und Pflanzenwelt hin. Reptilien wie Kreuzotter und Schlingnatter sowie diverse Insekten würden hier ideale Lebensräume finden, so die Naturschutzexpertin. Heidelerche und Ziegenmelker seien hier anzutreffen.

Auf den sandigen Geestflächen entdeckten die Naturfreunde zarte Sonnentaupflanzen, hoch gewachsenes Pfeifengras und Weißes Schnabelried – alles typische Gräser in der Heidelandschaft. Flächen mit Glockenheide (Erica tetralix) waren ebenfalls an einigen Stellen vorhanden. Seit 2017 gibt es umfangreiche Pflegemaßnahmen zum Erhalt der Fläche von rund 100 Hektar am Rande des Moores mit trockener Geestlandschaft.

Die Pflegemaßnahmen der hier vorhandenen Heideflächen erfolgen in Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Osterholz sowie dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Außerdem sei das Springmoor ein Teil des Kooperationsprojektes „Atlantische Sandlandschaften“.

Das Naturschutzgebiet wurde durch Verordnung der ehemaligen Bezirksregierung Lüneburg ausgewiesen. Das bedeutet, dass hier alle Handlungen verboten sind, die das schützenswerte Gebiet zerstören, beschädigen oder verändern. In einer Schutzgebietsverordnung ist alles genau verankert, weil Naturschutzgebiete schutzbedürftigen Pflanzen- und Tierarten dienen. Sie sind für die Natur- und Heimatkunde von großer Bedeutung. Leonie Kulp entdeckte zwischen der blühenden Heide braune, abgestorbene Heidepflanzen: „Hier hat der Heideblattkäfer die Blätter der Besenheide angefressen“, erklärte sie. „Wie sähe die Heide ohne Pflegemaßnahmen hier aus?“ erkundigte sich eine Teilnehmerin. „In kurzer Zeit würde hier ein Waldgebiet mit Kiefern und Birken entstehen“, erklärte Leonie Kulp. Sie berichtete über die Praxis der Pflegemaßnahmen: Teils werden Heideflächen maschinell abgeplaggt. Die Gruppe konnte sehen, dass sich in kurzer Zeit nach dem Abplaggen bereits neue Heidepflanzen auf den kahlen, sandigen Böden entwickelt hatten. Als ideale Heidepflege nannte Leonie Kulp die Schafbeweidung.

Die Gäste der Heideführung erfuhren auch, dass Schülerinnen und Schüler der Kooperativen Gesamtschule Hambergen das Springmoor pflegen. Die Siebtklässler übernehmen in Wintermonaten unter fachkundiger Leitung des Nabu und weiterer Naturschutzorganisationen das Entkusseln der Moor- und Heideflächen. Sie entfernen junge Bäume und verhindern ein Austrocknen der Moorflächen. Am Rande der Heidelandschaft war das Feuchtgebiet am Giehler Bach mit weit offener Grünlandniederung zu erkennen. Der Rückweg der Heide-Exkursion führte die Gruppe am Waldgebiet mit Lärchen, Eichen und Kiefern zum Ausgangspunkt.

Leonie Kulp beantwortete noch viele Fragen zum Naturschutz im Springmoor. Außerdem verteilte sie Broschüren mit dem Exkursionsprogramm „Wege/n ins Moor“, mit Veranstaltungshinweisen sowie Infos zur Ökologie, Kultur und Regionalentwicklung der Teufelsmoor-Wümme-Niederung.

Die nächste Veranstaltung der Bios steht für Sonnabend, 14. September, auf dem Plan: eine Führung unter dem Motto „Pilze in Schmidts Kiefern“. Simon Makhali führt die Teilnehmer in das Waldgebiet Schmidts Kiefern. Hier werden Pilze aufgespürt und bestimmt. Dabei erschließt sich auch die botanische Vielfalt des Waldgebietes und der Artenreichtum. Es geht außerdem um die Unterscheidung von Speise- und Giftpilzen.

Am Sonntag, 15. September, steht in der Zeit von 11 bis 17 Uhr ein bunter Bios-Herbsttag auf dem Programm in der Lindenstraße 40. Besucher können etwas über die breite Vielfalt von Naturschutz- und Umweltbildungsaktivitäten erfahren. Rund um die Mühle von Rönn heißt es dann „Kennenlernen, sehen, hören und selbst ausprobieren“. Ein Pomologe gibt mitgebrachten Äpfeln einen Namen. Und auf einem bunten Markt gibt es Honig, Obst und Gemüse sowie viele andere Spezialitäten.

Am Freitag, 20. September, 16 bis 18 Uhr, geht es in einer Exkursion mit Jonas Linke und Ilse Grundmann ins Ahrensfelder Moor. Dabei werden Instandsetzungsarbeiten zur Wiedervernässung der Moorflächen am Rande der Osterholzer Geest vorgestellt. Nähere Informationen erteilt die Biologische Station Osterholz (Bios), Lindenstraße 40, 27711 Osterholz-Scharmbeck, Telefon 04791/ 96 56 990, www.
biologische-station-osterholz.de.

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