Geschädigte auch in Lilienthal Bewährungsstrafe nach 111-fachem Computerbetrug

Ein 28-Jähriger ist jetzt vom Landgericht Verden vor allem wegen 111-fachen Computerbetruges zu 20 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Geschädigte gibt es auch in Lilienthal.
11.08.2021, 16:04
Lesedauer: 3 Min
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Von Angelika Siepmann

Lilienthal/Verden. Er brauchte Geld, viel Geld, um seine wachsende Spielleidenschaft zu befriedigen, und verfiel in seiner Not auf die Idee, sich mal im Darknet nach Quellen umzusehen. In einem Forum zum Thema Online-Banking wurde er fündig und geriet prompt an eine Person, die es verstand, ihn mit der Aussicht auf gute Verdienstmöglichkeiten für illegale Zwecke einzuspannen. Das ging es paar Monate ausgesprochen gut, doch dann kam die Kripo dem jungen Mann aus Remscheid und einem weiteren Komplizen auf die Spur. Mehr als vier Jahre nach dem Auffliegen der Machenschaften ist der mittlerweile 28-Jährige jetzt vom Landgericht Verden vor allem wegen 111-fachen Computerbetruges zu 20 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden.

Damit kam der geständige, nach Auffassung des Gerichts auch einsichtige und reumütige Mann wesentlich besser davon als in der ersten Auflage des Prozesses. Wie berichtet, hatte im März 2018 eine andere Kammer des Landgerichts drei Jahre und drei Monate verhängt. Auf die Revision des Angeklagten hatte der Bundesgerichtshof in Karlsruhe das Urteil sieben Monate später komplett aufgehoben – wegen eines, wie es jetzt hieß, „schwerwiegenden Formfehlers“, der BGH habe gar nichts anders gekonnt.

Bis zur erneuten Verhandlung ist viel Zeit vergangen. Aus diversen Gründen, jedenfalls aber zu viel, wie die nunmehr zuständige 10. große Strafkammer erklärte. Aufgrund rechtsstaatswidriger Verfahrensverzögerung gelten daher auch drei Monate der Freiheitsstrafe als bereits vollstreckt. Dem Mann aus dem Bergischen Land war es vor allem wichtig gewesen, nicht ins Gefängnis zu müssen. Wie sich das Dasein in einer Justizvollzugsanstalt gestaltet, hat er während der achtmonatigen Untersuchungshaft erfahren. „Die U-Haft hat ihn massiv geprägt“, so sein Verteidiger im Plädoyer.

Die Strafe im noch bewährungsfähigen Bereich (anderthalb bis zwei Jahre) ist Ergebnis einer schon im Vorfeld erzielten „Verständigung“. Die Bedingungen erfüllte der Mann denn auch hinlänglich. Nach einer entsprechenden Erklärung seines Verteidigers merklich aufgetaut, beantwortete er bereitwillig alle Fragen zum einträglichen Zusammenspiel mit dem Drahtzieher aus dem Darknet – den er bis heute nicht gesehen haben will. Dass es ihn tatsächlich gibt, steht inzwischen nach den Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft fest. Man weiß dem Vernehmen nach, um wen es sich handelt.

Die ersten Strafanzeigen von Geschädigten waren aus dem Bremer Umland eingegangen. So sollen Personen aus Lilienthal und Thedinghausen-Riede bis zu 10.000 Euro Verlust durch die trickreichen Transaktionen der Täter erlitten habe. Hinsichtlich der Volksbank Bassum-Stuhr-Weyhe-Syke war im ersten Prozess von rund 60.000 Euro die Rede gewesen. Die im Internet agierenden Männer seien mit einer „gewissen kriminellen Raffinesse“ vorgegangen, sagte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. Man habe es mit „nicht alltäglichen Straftaten“ zu tun.

Der Remscheider wurde wegen Computerbetruges in Tateinheit mit Fälschung beweiserheblicher Daten in 111 Fällen sowie Fälschung solcher Daten in weiteren 30 Fällen verurteilt. 248.000 Euro wurden eingezogen. Dass es zu einer Bewährungsstrafe langte, liegt besonders daran, dass die Schadenssumme bereits vollständig zurückgezahlt wurde. Da kann sich der Angeklagte wohl auf ewig bei seiner Familie bedanken. Eltern und Geschwister haben immense finanzielle Anstrengungen unternommen, um ihm den weiteren Weg zu ebnen.

Eine Kryptowährung spielte bei den Geschäften der Täter eine gewichtige Rolle. Wem ein bestimmtes, reichlich gefülltes Bitcoin-Konto zugeschrieben werden kann, wird dem Vernehmen nach noch untersucht. Sollte es der Angeklagte sein, ist die Verwendung des Geldes schon festgelegt. Im Rahmen der Bewährungsauflagen sind dann je 25.000 Euro fällig für die Aktion Deutschland Hilft, den Weißen Ring, die Deutsche Krebshilfe sowie SOS-Kinderdörfer weltweit.

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