Die Folgen der Hitze

Abkühlung gesucht

Die hohen Temperaturen machen den Menschen in Lilienthal zu schaffen. Während sich Schülerinnen und Schüler über Hitzefrei freuen, hat der Rettungsdienst alle Hände voll zu tun. Wer kann, geht ins Eiscafé.
24.06.2019, 20:20
Lesedauer: 3 Min
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Abkühlung gesucht
Von Silke Looden

Lilienthal. Der Sommer hat Lilienthal fest im Griff. Was die einen freut, bringt andere in Schwierigkeiten. Überall und in allen Lebenslagen müssen sich die Menschen auf die hohen Temperature einstellen: in den Kindergärten und Schulen, in den Cafés und Geschäften, beim Rettungsdienst und bei der Feuerwehr. Nicht jeder freut sich über das Sommerwetter, aber jeder hat das Thermometer im Blick. Langsam klettert die Anzeige auf 30 Grad hoch. Und es soll es noch heißer werden. Wer kann, sucht eine Abkühlung, zum Beispiel im Eiscafé. Und während einige Schülerinnen und Schüler sich über Hitzefrei freuen, hat der Rettungsdienst alle Hände voll zu tun.

Im Kindergarten Schatzkiste ist die Welt noch in Ordnung. Trotzdem bleiben die Jungen und Mädchen in der Mittagszeit im Gebäude. „Wir verlegen die Wasserspiele notfalls in die Waschräume“, sagt Kindergartenleiterin Evamarie Voigt mit einem Lachen. Eltern rät sie, ihren Kindern lange Baumwollkleidung anzuziehen und mit einer Creme vor der Sonne zu schützen. „Wir tragen hier alle eine Kopfbedeckung“, erklärt sie. Das Team geht also mit gutem Beispiel voran.

An der Integrierten Gesamtschule in Lilienthal und Grasberg gab es am Montag ab 13 Uhr Hitzefrei. „Am Dienstag werden wir den vierten Block wohl wieder ausfallen lassen“, erklärt Schulleiterin Karina Kögel-Renken. Anders als früher gibt es keine Vorgaben für die Schulen, bei welcher Temperatur zu welcher Uhrzeit Hitzefrei angesagt ist. „Bei extremen Witterungsverhältnissen liegt das im Ermessen der Schule“, erklärt die Schulleiterin. Lehrerinnen und Lehrer müssen den Unterrichtsausfall allerdings als Minusstunden verbuchen. Vor der sechsten Stunde kann die Schulleiterin die Schule jedoch nicht schließen. „Die Busse fahren nicht früher“, erklärt Karina Kögel-Renken.

Das Lilienthaler Gymnasium gab am Montag eine Eilmeldung an die Eltern raus. Wegen der „extremen Wärme“ bekommen die Klassen 5 bis 10 am Dienstag und Mittwoch ab 11.30 Uhr Hitzefrei.

Alten Menschen macht die Hitze besonders viel aus, weiß der Geschäftsführer des Hauses am Dreyerskamp, Detlef Stormer. 50 Senioren leben hier im Betreuten Wohnen. „Wir schauen besonders häufig nach den Bewohnern und achten darauf, dass sie genug trinken“, so Stormer. Die Gefahr zu dehydrieren sei für Senioren besonders groß. Pflegedienstleiterin Silvia Poppe hat ihr Team ebenfalls angewiesen, bei der ambulanten Versorgung darauf zu achten, dass die Patienten genug trinken. „Wenn wir die Medikamente hinstellen, gibt es gleich zwei Glas Wasser dazu“, so Poppe. 350 Menschen versorgt der Pflegedienst in Lilienthal, Worpswede und Schwanewede.

Auch die Feuerwehr stellt sich auf die hohen Temperaturen ein. Der Lilienthaler Ortsbrandmeister Lars van den Hoogen sagt: „Bei diesem Wetter dürfen die Rettungskräfte nicht so lange im Einsatz sein.“ Auch sei zu überlegen, ob der Einsatz wirklich die volle Montur erfordere. Bislang aber, so erklärt er, sei alles ruhig geblieben. Vermehrte Einsätze wegen der Hitze habe es für die Lilienthaler Feuerwehr bis Montagnachmittag nicht gegeben.

Anders ist das bei der Rettungswache in Lilienthal. Dort gehen die Notrufe ein. Über die laufenden Einsätze kann niemand Auskunft geben. Es ist einfach zu viel zu tun. Ähnlich ist die Situation in der Notfallaufnahme des Krankenhauses. „Es kommt gerade wieder ein Kreislauf rein. Ich muss auflegen“, sagt die freundliche Mitarbeiterin am Telefon. Immerhin ist die Notaufnahme klimatisiert. Und für die Mitarbeiter steht ein Eiswagen bereit.

Beim „Platzhirsch“, dem Bekleidungsgeschäft an der Hauptstraße in Lilienthal, sind die Kunden auf der Suche nach Sommerschnäppchen. Verkäuferin Petra Busch sagt: „Die Leute kaufen vor allem Kleidchen, T-Shirts und kurze Hosen.“ Wer einen Urlaub an der See plane, nehme auch gern einen reduzierten Pulli für den Abend mit, auch wenn der in dieser Supersommerwoche wohl nicht erforderlich sei. In jedem Fall bekommen die Kunden im Bekleidungsgeschäft etwas zu trinken angeboten, denn über eine Klimaanlage verfügt der „Platzhirsch“ nicht.

Den besten Arbeitsplatz hat wohl die Inhaberin des Eiscafé Lilienthal, Karin Holthuis. Bei ihr erfrischen sich die Familien in einem klimatisierten Salon. „Zitrone und Erdbeer sind bei dem Wetter besonders gefragt“, verrät sie, „aber auch Milchshakes und Spaghetti-Eis für die Kinder“. Neu in diesem Sommer ist das Lavendel-Eis. „Ausverkauft“, freut sich die Fachfrau und empfiehlt „Supergelato“, eine Mischung aus Blaubeeren und Joghurt mit Sonnenblumenkernen und Leinsamen. Vollkommen glücklich mit den hohen Temperaturen ist aber auch sie nicht: Temperaturen um die 25 Grad seien besser für den Verkauf, sagt die Chefin im Eiscafé. „Es ist fast zu heiß für Eis.“

+++ Diesen Artikel haben wir am 25. Juni um 12.12 Uhr aktualisiert. +++

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