Fahrgastzahlen gehen nach oben

BSAG ist zufrieden mit der Linie 4 in Lilienthal

Die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) hat ausgewertet, wie sich die Fahrgastzahlen in der Linie 4 auf dem Lilienthaler Abschnitt zwischen 2015 und 2018 entwickelt haben. Das Unternehmen zieht ein positives Fazit.
20.02.2019, 18:21
Lesedauer: 4 Min
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Von Lutz Rode

Unscheinbar sind sie über den Türen der Straßenbahnen angebracht: kleine Infrarot-Geräte, die automatisch erfassen, wie viele Menschen an den Haltestellen ein- und aussteigen. Gut 30 Prozent ihrer Fahrzeuge hat die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) mit diesen Helferlein ausgestattet, um herauszufinden, wie viele Fahrgäste auf ihren Linien unterwegs sind. Auch auf der Strecke der Linie 4 zwischen Lilienthal und Bremen sind die schwarzen Kästen im Einsatz. Nicht jeden Tag wird jede Fahrt gezählt, doch laut BSAG ist gewährleistet, dass zumindest jede Woche jede Fahrt der Straßenbahn etwa zweimal drankommt. Die dort ermittelten Zahlen werden hochgerechnet, um am Ende eine statistisch verlässliche Größe zum Fahrgastaufkommen zu erhalten.

Der Mann der Zahlen bei der BSAG ist Andreas Busch. Der Leiter der Verkehrsplanung war am Dienstagabend zusammen mit seinem Kollegen Detlef Teichmann zu Gast im Lilienthaler Rathaus, um bei der Sitzung des Ausschusses für Bürger- und Innere Dienste die Fahrgastzahlen für die Linie 4 vorzustellen und auch die Berechnungen zum Zuschuss-Bedarf der Gemeinde Lilienthal zu erläutern. Die BSAG-Vertreter zeichneten ein durchweg positives Bild von der Lage: Busch sprach hinsichtlich der Nutzung von einer „erfreulichen Entwicklung“, die die Linie 4 in Lilienthal seit dem Start im Jahr 2014 verzeichnet hat. Die Fahrgastzahlen auf dem Abschnitt seien im BSAG-weiten Vergleich überdurchschnittlich gestiegen, und man gehe davon aus, dass der Trend noch weiter anhalten werde. Laut BSAG-Chefplaner sind die Fahrgastzahlen zwischen 2015 und 2018 insgesamt um 10,6 Prozent gestiegen von werktäglich 4078 auf 4576 im Schnitt. An der Landesgrenze in Borgfeld sitzen täglich an die 3000 Fahrgäste in der Straßenbahn – 8,2 Prozent mehr als 2015, so die BSAG. Besonders zugelegt haben die Fahrgastzahlen im Binnenverkehr: Ausschließlich innerhalb Lilienthals seien sie zwischen 2015 und 2018 um 20,6 Prozent gestiegen.

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Die Straßenbahnkritiker der Initiative Pro Lilienthal zweifeln daran, dass die Zahlen die Realität vollständig wiedergeben: Sie führen unter anderem ins Feld, dass die Statistik nur von montags bis freitags geführt wird. Das Wochenende, wo die Straßenbahnen deutlich leerer seien, werde ausgeklammert und so der Durchschnitt der Fahrgastzahlen geschönt. Andreas Busch ging auf den Einwand ein, den der Lilienthaler Gert Vogels auch während der Ausschusssitzung noch einmal vortrug: Dass die Auswertung derart erfolge, sei mit der Gemeinde Lilienthal so vereinbart worden. Der Erfahrung nach seien an Sonnabenden etwa zwei Drittel und an Sonntagen die Hälfte der Fahrgäste im Vergleich zu den Werktagen unterwegs. Die in der sogenannten standardisierten Bewertung genannten täglichen Fahrgastzahlen beziehen sich laut BSAG allerdings ebenfalls nur auf die Werktage. In dieser Prognose, die für Investitionsentscheidung und Förderfähigkeit der Linie 4 in Lilienthal entscheidend war, gingen die Experten von täglich 4800 Menschen aus, die die Straßenbahn in Lilienthal nutzen. Zu jener Zeit nahm man allerdings noch an, dass die Buslinien 630 und 670 gekappt werden und die Pendler aus Tarmstedt, Grasberg oder Worpswede am Falkenberger Kreuz in die Straßenbahn umsteigen würden. Dazu kam es bekanntlich nie. Die ursprünglichen Schätzungen gelten von daher bei den Verantwortlichen in der Gemeindeverwaltung und der BSAG als überholt. Unterm Strich stehe fest, dass mehr Menschen auf den Öffentlichen Personennahverkehr umgestiegen seien, sagt BSAG-Pressesprecher Jens-Christian Meyer mit Blick auf die Busse, die ebenfalls nach wie vor gut ausgelastet seien.

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Die finanziellen Belastungen der Gemeinde Lilienthal durch den Straßenbahnbetrieb sind zuletzt gesunken: Auf 727.000 Euro beläuft sich die Zuzahlung, die Lilienthal an die BSAG zu leisten hat, für das Jahr davor weist die Rechnung noch einen Betrag von 825.000 Euro aus. Zu tun hat diese Verbesserung damit, dass die Beförderungserträge, die dem Lilienthaler Abschnitt der Linie 4 zugerechnet werden, deutlich gestiegen sind. Detlef Teichmann, der bei der BSAG für die Tarife und das Ertragsmanagement verantwortlich ist, versuchte Licht in die höchst komplizierten Abrechnungsmethoden im Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (VBN) zu bringen. Tenor: Dass die Erträge deutlich angestiegen sind, hat vor allem damit zu tun, dass der Marktanteil des Streckenabschnitts innerhalb des Verkehrsverbundes nach oben gegangen ist. Somit hat sich der Schlüssel zugunsten Lilienthals verändert, wie im VBN die Erlöse aus dem Fahrkartenverkauf, den Einnahmen für das Semesterticket und Sondertickets verteilt werden. Die Kurzstrecken-Tickets der Preisstufe A, wie sie innerhalb Lilienthals gelten, spielen finanziell gesehen nur eine untergeordnete Rolle. Entscheidend sind die Fahrten über die Landesgrenze in der Preisstufe S. „Da spielt die Musik“, sagte Detlef Teichmann. Der BSAG-Vertreter geht davon aus, dass sich der Zuschuss für die Gemeinde Lilienthal im Jahr 2018 noch weiter reduzieren wird. Anfang April soll die Abrechnung vorliegen.

Die Politiker im Aussschuss nahmen die Präsentation der neuen Linie 4-Zahlen zur Kenntnis. Erika Simon (Grüne) zog daraus den Schluss, dass Lilienthal ein Interesse haben müsse, vor allem die Auslastung der Straßenbahn über die Landesgrenze hinweg weiter auszubauen, um so die finanziellen Belastungen für die Gemeinde weiter zu senken. Jürgen Weinert von der Gemeindeverwaltung kündigte in Richtung Pro Lilienthal an, dass die Initiative in etwa zwei Wochen die Antworten auf den umfangreichen Fragenkatalog erhalten soll, den die Straßenbahnkritiker vor zwei Jahren ins Rathaus geschickt hatten.

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