Neues Konzept in Lilienthal Tafel stellt Lebensmittel-Ausgabe um

Bei der Lilienthaler Tafel gilt seit Kurzem ein neues System für die Lebensmittel-Ausgabe. Die Kundschaft ist in fünf Gruppen aufgeteilt worden. Die Farbe des Ausweises zeigt die Uhrzeit für den Einkauf an.
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Von Lutz Rode

Lilienthal. Für die Lebensmittelverteilung in Corona-Zeiten setzt die Lilienthaler Tafel neuerdings Ausweise in verschiedenen Farben ein. Grün, blau, rot, orange und gelb sind sie, und jede von ihnen steht für eine Uhrzeit, zu der die Kundschaft im Halbstundentakt die Halle an der Moorhauser Landstraße betreten darf. Die Einteilung soll helfen, an den Dienstagen den Strom der rund 50 Hilfebedürftigen zu entzerren. Zu viele Menschen auf einmal sollen eben nicht an der Ausgabe stehen. Der Mindestabstand gilt. Lange Warteschlangen und Kontakte, die das Infektionsrisiko steigern, sollen vermieden werden. Die Tafel angesichts steigender Infektionszahlen dicht zu machen, war für die Ehrenamtlichen keine Option.

Seit Anfang November und dem Start des neuerlichen Lockdowns hat die Lilienthaler Tafel mit ihrer neuen Vorsitzenden Inga von Ahsen das System umgestellt. Um 14.30 Uhr geht es los, um 16.30 Uhr startet die letzte Gruppe zu einem Rundgang durch die Halle. Das Hygienekonzept, das hier praktiziert wird, ist ausgefeilt. Dazu gehört auch, dass die Kunden von jeweils einem Helfer begleitet werden. Dieser schiebt einen Einkaufswagen mit einer Tasche rechts an den Tischen vorbei. Links gehen die Kunden entlang, getrennt sind beide durch einen transparenten Spuckschutz, der von der Decke hängt. Die Helfer packen in die Tasche, was ihnen die Hilfebedürftigen ansagen – maximaler Schutz soll so gewährleistet sein.

Inga von Ahsen will die Kunden schützen, aber ihr geht es auch um die ehrenamtlichen Helfer, die sich nicht mit dem Coronavirus anstecken sollen. Viele von ihnen sind schon älter. Daher haben sie ein erhöhtes Risiko, dass die Krankheitssymptome bei einer möglichen Ansteckung heftiger ausfallen als bei jungen Leuten. Fast alle sind nach wie vor mit an Bord, nur einzelne haben sich vorsorglich und vorübergehend abgemeldet. Die Organisatoren kommen klar, auch wenn jetzt die meisten jungen Leute fehlen, die im Frühjahr kräftig mit anpackten. Für viele hat die Schule, Ausbildung oder das Studium jetzt wieder Priorität.

Inga von Ahsen berichtet, dass das Ganze gut funktioniert und sich die Hilfeempfänger geradezu vorbildlich an die Hygieneregeln halten. Sie wissen es zu schätzen, dass es keine längeren Wartezeiten mehr bei der Lebensmittelausgabe gibt. Neu ist auch, dass aus jeder Familie nur noch eine Person vorbeikommen darf.

Brot, Joghurt, Käse, Obst und Gemüse, Tiefkühlkost und andere gespendete Lebensmittel gehen bei der Tafel Woche für Woche über die Tische, die im Karree aufgebaut sind. Fahrer mit dem Kühlwagen haben feste Touren, um bei Lebensmittelmärkten und Discountern das abzuholen, was nicht mehr verkäuflich ist. Ganz hoch im Kurs stehen bei den Kunden süße Sachen, Kekse zum Beispiel, die sie sich im Alltag nicht leisten könnten.

Neben den Supermärkten kommen auch Spenden anderer Art herein: Gerade erst hat sich bei der Tafel ein Landwirt aus Kirchtimke gemeldet, der eine größere Menge überschüssige Kartoffeln zur kostenlosen Abholung zur Verfügung stellt. Inga von Ahsen und ihre Mitstreiter freuen sich über das Angebot.

Über den Nebeneingang geht es in die Halle hinein, ein reiner Ausgang ist das große Tor des Gebäudes. Zum Schluss werden die Lebensmittel in die Taschen umgepackt, die die Kunden selbst mitgebracht haben. Aus alten Dosen hat die Tafel-Vorsitzende bunt bemalte Aufhängungen für die Tüten gebastelt. Seit Anfang Oktober ist Inga von Ahsen die neue Chefin der Tafel, nachdem Gerda Urbrock nicht noch einmal zur Wahl angetreten war. Wollte sie ursprünglich nur montags und dienstags in der Tafel arbeiten, so ist sie derzeit fast jeden Tag dort anzutreffen, weil einfach immer etwas zu tun ist. So hat sich die Tafel auch an der Pflanzaktion beteiligt, die die Freiwilligenagentur zur Nachhaltigkeitswoche gestartet hat. Am Wochenende sind die Bäumchen und Sträucher ins Beet gesetzt worden.

Bis auf Weiteres wird das neue System der Essensausgabe beibehalten. Zum neuen Jahr sollen die bunten Karten getauscht werden, sodass auch die, die jetzt bis zum Schluss warten müssen, als Erste an die Reihe kommen. Die nächste Aktion hat die Lilienthaler Tafel schon vor Augen: Am Sonnabend, 12. Dezember, werden die Helfer bei Edeka Breiding am Falkenberger Kreisel ihren Stand aufbauen, um dort Lebensmittelspenden von Privatleuten entgegenzunehmen.

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