Einzelhandel in Lilienthal

Das Leben kehrt zurück

Viele Geschäfte dürfen seit Montag wieder öffnen. Das nutzen die Kunden, die Einzelhändler in Lilienthal atmen auf.
21.04.2020, 06:50
Lesedauer: 4 Min
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Von Patricia Friedek

Lilienthal. Man blickt in freudige Gesichter am Montagvormittag. Die anfängliche Zurückhaltung über die Lockerungen der Corona-Schutzmaßnahmen scheint bei den Einzelhändlern in vorsichtigen Optimismus umzuschlagen: In Lilienthal kehrt wieder Leben ein. Aber es ist anders als vorher.

Im Jeansladen von Brigitte und Hinrich Stelljes an der Hauptstraße steht Desinfektionsmittel auf einem Tisch am Eingang. Die Kunden sollen sich die Hände damit einreiben, wenn sie das Geschäft betreten. Hinrich Stelljes steht im Schaufenster und kleidet die Modepuppen ein. Er bereitet sie auf den nächsten Tag vor, wenn die Dekoratoren kommen. „Eigentlich dekorieren wir alle drei Wochen um, aber das musste jetzt pausieren“, sagt der Inhaber. Mehrere Wochen Totalausfall liegen hinter dem Bekleidungsgeschäft. Das soll sich jetzt ändern: „Wir hatten den ganzen Morgen zu tun, es war gleich was los“, berichtet Stelljes erfreut. Trotzdem habe er noch Fragezeichen im Kopf, wie es nun weitergehen wird. „Die Leute können nicht ausgehen, daher fehlt manchen der Anlass, sich neue Kleidung zu kaufen“, sagt er besorgt. Trotzdem blickt er positiv auf die kommenden Tage.

Auch Jürgen Wirth steht mit einem zufriedenen Gesicht in seinem Geschäft für Unterhaltungselektronik „Audio-TV-Video-Sat“ im Ort. Er hat die Aufstellschilder wieder vor die Tür gesetzt, am Eingang hängt ein Hinweis, dass die Kunden nur einzeln eintreten sollen. Wirth schaut auf seinen Kalender: Genau vor vier Wochen hatte er zuletzt geöffnet. Seitdem habe er als Handwerker Kunden besucht und Reparaturen gemacht, in diesem Zuge auch Geräte verkauft. „Ich habe gearbeitet wie vor 20 Jahren, als wir noch kein Geschäft hatten“ , erzählt er. Aber auch jetzt ändert sich die Arbeitsweise für Wirth, wenn er den empfohlenen Mindestabstand von eineinhalb Metern einhalten möchte. Da er nebenher auch einen DHL-Shop betreibt, muss er darauf achten, dass die Kunden bei der Paketannahme nicht zu nah herankommen.

Im Sporthaus Lilienthal hat man ebenfalls Desinfektionsmittel in den Eingangsbereich gestellt. Alexia Ehlers steht mit Mundschutz hinter der Spritzschutzscheibe und wartet auf Kundschaft. An diesem Vormittag waren schon einige Kunden da. „Es ist schön, dass wir wieder öffnen dürfen. Anfangs war ich noch etwas skeptisch und hatte Angst dass die Leute sich nicht raustrauen. Aber wenn man hier steht, fühlt man sich wieder wohl“, sagt Ehlers. An die Hygienemaßnahmen müsse sie sich noch gewöhnen, gerade daran, die ganze Zeit eine Maske zu tragen. Noch seien die Öffnungszeiten in dem Sportladen flexibel und Ehlers in Kurzarbeit. „Wir wollten erst einmal die ersten Tage abwarten, dann passen wir alles an“, sagt Ehlers, deren Mann der Inhaber des Geschäfts ist. Die Hoffnung, dass Vereine bald für die kommende Saison Sportkleidung bestellen, ist groß.

„Wieder geöffnet!“ steht auf dem großen Schild, das im Fenster der Buchhandlung Buchstäblich hängt. Die Bilanz von Inhaberin Gabi Heinrichs vom ersten Vormittag nach langer Durststrecke: „Wir haben ordentlich Zulauf.“ Die Kunden seien lieb und warteten geduldig draußen, so Heinrichs Beobachtung. Maximal drei Kunden dürfen in der Buchhandlung gleichzeitig im Geschäft sein. Das ist weniger, als das Land vorgibt: Laut der jüngsten Verordnung müssen pro Person durchschnittlich zehn Quadratmeter Verkaufsfläche eingehalten werden. „Wir fanden es angebracht, erst einmal nur drei Kunden gleichzeitig in den Laden zu lassen, denn wir haben auch drei Räume“, sagt die Buchhändlerin. Abstandsmarkierungen hat sie trotzdem auf den Boden geklebt, einen Spritzschutz an der Kasse eingerichtet. Mundschutze für sich und ihre Mitarbeiter habe sie bestellt. „Es ist komisch und fremd, wieder im eigenen Laden zu stehen und all die Maßnahmen einzuhalten“, sagt Heinrichs.

„Bitte nehmen Sie sich einen Korb, sonst dürfen Sie leider nicht rein“, ruft Anke Haar einem Kunden zu. Vor ihrem Spielwarengeschäft hat sie Einkaufskörbe aufgestellt, um sicherzustellen, dass nicht mehr als acht Kunden gleichzeitig in dem 230-Quadratmeter-Laden stöbern. „Wenn wir nach der Vorgabe arbeiten würden, dürften 23 Kunden gleichzeitig hier sein. Aber bei uns sind die Gänge sehr eng, deswegen haben wir uns auf weniger geeinigt. Dann müssen die Kunden eben draußen warten“, erklärt Haar. Auch sie trägt einen Mundschutz, die Spritzschutzscheibe soll in den kommenden Tagen installiert werden. „Es wäre schön, hätten wir konkretere Hygienevorgaben gehabt – wir gehen jetzt den Empfehlungen nach“, sagt die Geschäftsführerin. Auch in ihrem Geschäft sei seit neun Uhr am Montag viel los gewesen. Ein paar Kunden habe Haar darauf hinweisen müssen, dass ihre Kinder nicht im Geschäft spielen dürfen: „Die kennen das zwar so von früher, aber wir alle müssen uns an die neue Situation gewöhnen.“

Info

Zur Sache

Diese Geschäfte dürfen öffnen:

Alle Geschäfte mit einer Verkaufsfläche bis 800 Quadratmeter, Lebensmittelgeschäfte, Wochenmärkte (ohne Einschränkung im Sortiment), Hofläden, Getränkemärkte, Abhol- und Lieferdienste, Bau- und Gartenmärkte, Tierbedarfshandel, Brief- und Versandhandel, Poststellen, Banken und Sparkassen, Tankstellen, Auto- und Fahrradwerkstätten und -Handel, Reinigungen, Waschsalons, Zeitungsverkaufsstellen, Verkaufsstellen für Fahrkarten für den ÖPNV, Buchhandlungen, Logistikbetriebe. Außerdem bleiben weiterhin Apotheken, Sanitätshäuser, Optiker, Hörgerätakustiker und Drogerien geöffnet.

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