Tierschutzverein Lilienthal

Tierschutz unter Corona

Wegen der Pandemie hat der Tierschutzverein für Lilienthal, Worpswede und Grasberg die Hygienestandards im Katzenhaus erhöht. Das Versorgungsteam hat sich verjüngt, um Senioren vor Ansteckung zu schüzen.
18.05.2020, 19:30
Lesedauer: 3 Min
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Tierschutz unter Corona
Von Silke Looden
Tierschutz unter Corona

Der Tierschutzverein für Lilienthal, Worpswede und Grasberg sorgt dafür, dass Fundkatzen auch während der Corona-Pandemie ein neues Zuhause finden.

CARMEN JASPERSEN

Lilienthal. Im Lilienthaler Katzenhaus herrschten schon vor Corona strenge Hygieneregeln. Jetzt hat der Tierschutzverein für Lilienthal, Worpswede und Grasberg diese noch einmal erhöht. Das Virus stellt Katzenhausleiterin Kathrin Schoof und den Vereinsvorsitzenden Sven Peters vor ungeahnte Probleme. Viele der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer im Tierheim im Gewerbegebiet Moorhausen gehören aufgrund ihres Alters zur Risikogruppe und fallen bis auf Weiteres bei der Versorgung der aktuell 30 Katzen aus. Schülerinnen und Schüler sowie Studierende engagieren sich umso mehr. „Das Engagement der jungen Leute ist wirklich großartig“, freut sich Schoof.

„Wir arbeiten im Schichtbetrieb, maximal zwei Personen pro Schicht, immer mit Mund-Nasen-Schutz“, erklärt Schoof die neue Organisation im Katzenhaus. Zu eng sind die Räumlichkeiten in den Scheeren 5, als dass sich die Team-Mitglieder aus dem Weg gehen könnten. Der Schichtbetrieb sei wie überall eine Vorsichtsmaßnahme, damit im Fall einer Erkrankung das eine Team in Quarantäne gehe, während das andere Team die Versorgung der Tiere weiter gewährleisten könne, so Schoof.

Fünf Helferinnen und Helfer über 65 Jahre sind nach Angaben des Tierschutzvereins von heute auf morgen wegen der Pandemie ausgefallen. „Die Gesundheit geht natürlich vor“, betont Schoof, auch wenn es nicht leicht sei, auf die Ehrenamtlichen zu verzichten. Auch die Ein-Euro-Kraft dürfe infolge der Pandemie nicht mehr kommen, um den Tierschutzverein im Alltag zu unterstützen. „Die Mitarbeiterin fehlt uns sehr. Wir hoffen, dass sich das bald wieder ändert“, erklärt Schoof. Der Verein habe bereits Kontakt mit ProArbeit aufgenommen, um auf die Situation des Tierschutzvereins aufmerksam zu machen.

Den Besucherverkehr im Katzenhaus hatte der Tierschutzverein mit dem Lockdown am 16. März komplett eingestellt. Wochenlang durfte niemand, der nicht zum Versorgungsteam gehörte, in das Gebäude. „Inzwischen haben wir die Tiervermittlung wieder aufgenommen“, erklärt der Vorsitzende Sven Peters. Dabei dürfe aber immer nur ein Vereinsmitglied mit einem Interessenten ins Katzenhaus. Die anderen Familienmitglieder müssten jeweils draußen warten, bis sie an der Reihe seien. „Das funktioniert ganz gut“, erklärt Peters. Die Leute zeigten Verständnis für die Hygienemaßnahmen.

30 Katzen sind aktuell im Katzenhaus, darunter 19 Kitten. Im Mai herrscht Hochsaison für den Verein. Kleine Katzenbabys werden ausgesetzt, besorgte Bürgerinnen und Bürger rufen an, und Sven Peters macht sich auf den Weg, um die Fundtiere einzusammeln. „Das Telefon steht nicht still“, erklärt der Vorsitzende. 20 bis 25 Anrufe am Tag seien keine Seltenheit. Er bittet um Verständnis, dass er nicht immer sofort zurückrufe, wenn er noch im Einsatz sei. „Wir machen das ehrenamtlich“, betont er. Der Tierschutzverein sei nicht der verlängerte Arm der Gemeinden Lilienthal, Worpswede und Grasberg.

Allerdings tragen die Kommunen zur Finanzierung des Tierschutzes bei. Sie brauchen eine Lösung für die Fundtiere und haben den Tierschutzverein mit der Aufgabe betraut. Aktuell kommen nach Angaben des Vereins 9000 Euro im Jahr von der Gemeinde Lilienthal, 5500 Euro aus Worpswede und 4250 Euro aus Grasberg. „Das ist natürlich viel zu wenig, um die Kosten zu decken“, erklärt Peters. Im Dialog mit den Gemeinden wird deshalb ein neues Finanzierungskonzept erarbeitet. „Insbesondere die Tierarztkosten sind hoch“, sagt Sven Peters.

Teure Untersuchungen werden etwa aus dem Erlös der „Tierweihnacht“ bezahlt. Die Aktion hatte dem Verein rund 800 Euro gebracht. Davon profitiert jetzt unter anderem Loomi. Die Katze war gerade einmal zwölf Wochen alt, als sie gemeinsam mit ihren Geschwistern in einem Karton unter einem Auto ausgesetzt wurde. „Loomi hat einen Wasserkopf. Wir lassen das jetzt im MRT untersuchen“, erklärt Kathrin Schoof. Ohne die Spenden wäre der Besuch in der Tierklinik nicht möglich. Beim Futter wird der Verein regelmäßig von Bürgerinnen und Bürgern unterstützt. Eine Spendenbox steht zum Beispiel im Eingangsbereich des Edeka-Marktes in Lilienthal. „Diese Unterstützung ist für uns extrem wichtig“, bedankt sich Kathrin Schoof.

Unterdessen fordert der Deutsche Tierschutzbund, in dem der örtliche Tierschutzverein Mitglied ist, einen Soforthilfsfonds des Bundes in Höhe von 65 Millionen Euro für die Tierheime. Die finanzielle Belastung infolge der Pandemie sei groß, so die Begründung. Fest im Jahresfinanzplan eingerechnete Einnahmen aus Festen, Basaren und Flohmärkten seien weggebrochen. Die Vereine als Träger der Tierheime stünden damit vor massiven Problemen – zumal unsicher sei, wie sich die Spendenbereitschaft der Bevölkerung im Laufe des Jahres entwickeln werde. Einzelne Bundesländer stellten zwar Hilfsgelder bereit, deren Beantragung sei jedoch mit Hürden verbunden, heißt es in einer Pressemitteilung.

Wer den Tierschutzverein für Lilienthal, Worpswede und Grasberg unterstützen will, erreicht Katzenhausleiterin Kathrin Schoof oder den Vorsitzenden Sven Peters unter der Rufnummer 04298 / 46 77 724 oder per E-Mail unter info@tierschutz-lilienthal.de.

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