70 Jahre Grundgesetz

Dankesbrief an das Grundgesetz

Das Grundgesetz hat Geburtstag und das soll auch in Lilienthal gefeiert werden. So dachte Bürgermeister Kristian Tangermann und lud Schüler des Gymnasiums und der Integrierten Gesamtschule ins Rathaus ein.
23.05.2019, 16:26
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Von Lutz Rode
Dankesbrief an das Grundgesetz

Schüler und Schülerinnen der IGS Lilienthal und des Gymnasiums Lilienthal feierten zusammen mit dem Bürgermeister Kristian Willem Tangermann das 70 jährige Bestehen des Grundgesetzes im Lilienthaler Rathaus.

Bernd Kramer

Lilienthal. Lea Feldmann und Jana Meyer war es ein Bedürfnis, einfach mal Danke zu sagen. Zum 70. Jahrestag des Grundgesetzes setzten sie sich zu Hause hin, schrieben in Sonntagsschrift einen Brief an das Geburtstagskind und packten das Ganze in eine selbstgebastelte blaue Rolle. In ihren Dankesworten fand sich unter anderem diese Zeile: „70 Jahre hast Du für Gerechtigkeit gesorgt. Ohne Dich könnten wir nicht so leben, wie wir es tun.“ Wenn das mal kein dickes Lob war für alle Väter und Mütter des Grundgesetzes und dessen Bestätigung durch den Parlamentarischen Rat am 23. Mai 1949.

Gratulanten wie die beiden gab es am Donnerstag im großen Saal des Lilienthaler Rathauses viele: Bürgermeister Kristian Tangermann hatte rund 100 Schülerinnen und Schüler des Gymansiums Lilienthal und der Integrierten Gesamtschule (IGS) eingeladen, um das 70-jährige Bestehen des Grundgesetzes gemeinsam zu feiern. Es sei ihm darum gegangen, dem Ereignis mit einem neuen Ansatz zu begegnen, sagte der Verwaltungschef. Also bat er die beiden Lilienthaler Schulen, doch mal im Rathaus vorbeizuschauen und vorzustellen, was bei der Beschäftigung mit dem Thema im Unterricht herausgekommen ist.

Danke per Whatsapp

Die Schulleiter Karina Kögel-Renken (IGS) und Denis Ugurcu (Gymnasium) machten deutlich, dass sie der Einladung gerne gefolgt sind. „Ein Tag, der sich lohnt, feierlich begangen zu werden“, befand Kögel-Renken. Und Denis Ugurcu berichtete von einer Begegnung mit einem Zeitzeugen, der bei einer Veranstaltung in Hildesheim auf eindringliche Art über die Verfolgung seiner Familie und die Verbrechen des Nationalsozialismus erzählt hatte. Dies habe noch einmal vor Augen geführt, „das wir eine Verantwortung tragen.“

Die Neunt- und Elftklässler lieferten ihren Beitrag zur Feier auf vielfältige Weise: Mehrere Gruppen führten kurzerhand per Smartphone einen ausgedachten Whatsapp-Chat mit dem Grundgesetz und machten so deutlich, was es mit den dort verankerten Grundrechten auf sich hat und wie sehr diese geschätzt werden. „Ich finde gut, dass alle Menschen gleich sind, jedes Geschlecht gleichberechtigt ist, jede Religion akzeptiert und respektiert wird und niemand wegen seiner Abstammung verurteilt wird“, teilte ein Schüler-Team dem Grundgesetz mit – und die Antwort folgte prompt: „Danke. Diese Aspekte waren mir 1949 schon sehr wichtig.“

Plädoyer für Menschenwürde

Andere malten sich in einem Vergleich aus, wie Deutschland wohl ohne Grundgesetz aussehen würde. Die Jugendlichen zeichneten ein düsteres Bild: Willkür, Unzufriedenheit, Instabilität bis hin zu Todesstrafe und Folter seien dann wohl die Folge. Die Entscheidung für das Grundgesetz sei einer der sinnvollsten für Deutschland gewesen, lautete ihr Fazit.

Schüler der IGS griffen aktuelle politische Themen auf und prüften, inwieweit bestimmte Äußerungen und Forderungen mit dem Grundgesetz vereinbar sind. So ging es um Islamfeindlichkeit, wie sie die Schüler einer Gruppe in den Reihen der AfD ausgemacht haben. Geht gar nicht, befanden die jungen Leute und verwiesen auf die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses, die laut Grundgesetz unverletzlich sind. Nicht in Einklang zu bringen sei eine solche Haltung auch mit dem Grundsatz, wonach die Würde des Menschen unantastbar ist. Zur Sprache kamen auch die Äußerungen von Juso-Chef Kevin Kühnert und dessen Vorstellungen zur Vergesellschaftung von Privateigentum und Unternehmen. Und auch die Leiharbeit wurde in Bezug auf das Grundgesetz überprüft.

Bürgermeister Kristian Tangermann war es wichtig zu betonen, dass man über alles diskutieren könne, doch die gegenseitige Wertschätzung dabei nicht verloren gehe dürfe. Die Würde des Menschen sei eben unantastbar – wer zu dieser Erkenntnis gelange, habe schon den wesentlichen Punkt des Grundgesetzes verstanden. Darauf baue alles auf, sagte der Bürgermeister, ehe er das Büfett noch vor dem Ende der sechsten Stunde für alle Beteiligten im Ratssaal freigab.

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