Geschäftsbericht

Der Tintenfisch hat seinen Platz gefunden

Ingo Becker verkauft seit 20 Jahren im Tintenfisch Druckerpatronen und führt gemeinsam mit seiner Frau Ilona in Lilienthal das Traditionslokal Beckers Gasthaus.
12.11.2018, 17:44
Lesedauer: 3 Min
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Von Michael Wilke
Der Tintenfisch hat seinen Platz gefunden

Ingo Becker verkauft seit 20 Jahren Druckerpatronen. Außerdem führt er gemeinsam mit seiner Ehefrau Beckers Gasthaus.

Christian Kosak

Für Computer hat sich Ingo Becker schon immer interessiert. Als die ersten Farbdrucker auf den Markt kamen, sah er das als Chance: „Das musst Du haben, hab‘ ich mir gesagt. Dann kannst Du die Speisekarte in Farbe ausdrucken.“ Die Gastronomie war und ist sein Metier, mit seiner Frau Ilona führt er Beckers Gasthaus in Frankenburg, ein Traditionslokal, Familienbetrieb seit rund 130 Jahren. Den Farbdrucker hat Ingo Becker in den 1990er-Jahren angeschafft, nicht ahnend, dass sich daraus ein neuer Geschäftszweig entwickeln könnte.

Das Drucken der Speisekarte klappte, doch schnell waren die Farbpatronen leer. Becker machte sich auf den Weg zur Buchhandlung Netzel, die bot auch Druckerpatronen an. Aber der Preis dafür war hoch: „Ich war erschrocken, wie teuer die Dinger waren“, so Becker. Er suchte nach alternativen Bezugsquellen, fand sie und verkaufte bald darauf selber Patronen „vom Bügelzimmer aus“, wie er sagt. 1998 gründete Ingo Becker eine Firma und nannte sie Tintenfisch. Das Internet, sagt er, bot damals neue Möglichkeiten, auch für eine kleine Verkaufsstelle auf dem platten Land.

Der Schwager kannte sich aus mit dem weltweiten Netz. „Ich mach‘ Dir mal 'nen Shop, hat Harald Rossol gesagt“, erinnert sich Ingo Becker. So kam er zu seinem Internet-Laden. Es war die Zeit der Jahrtausendwende, das weltweite Computernetz boomte. „Da zog das richtig an“, erinnert sich der Frankenburger. „Drei, vier Jahre haben wir viel verkauft über den Shop.“ Es war ein reiner Versandhandel.

Doch dieser Aufschwung war nicht von Dauer. „Es begann ein ruinöser Preiskampf im Internet, wo einer den anderen unterboten hat. Da sind einige über Kopp gegangen.“ Ingo Becker hätte groß investieren und eine gewaltige Lagerhalle bauen müssen. Um die Preise zu senken, hätte er große Mengen ordern und absetzen müssen. Stattdessen änderte er sein Geschäftsmodell und richtete eine Verkaufsstelle im Haus ein. „Wir haben entschieden: Wir bleiben klein und fein.“ Das funktionierte: Die Kunden stießen im Internet auf den Tintenfisch und riefen in Frankenburg an.

Kaufen konnten sie die Druckerpatronen aber erst ab 17 Uhr, die Öffnungszeiten waren spät und kurz. „Das störte“, erinnert sich der 53-Jährige. Ab 17 Uhr standen die Käufer bis in die Abendstunden Schlange, während die Restaurantgäste daneben beim Essen saßen. Becker stellte eine Studentin ein: „Peu à peu haben wir die Öffnungszeiten verlängert.“ Der Laden wurde größer – und getrennt vom Lokal im Anbau untergebracht. Es kamen Kunden mit defekten Druckern vorbei. „Die haben wir repariert, wenn möglich“, erklärt der Tintenfisch-Inhaber. „Dann haben wir gesagt: Wir müssen auch neue Geräte anbieten.“ Heute beraten und verkaufen drei Mitarbeiter werktags von 9.30 bis 18 Uhr und sonnabends von 10 bis 13 Uhr. Das Sortiment ist breit gefächert. Es bietet neben Tintenpatronen und Tonerkartuschen aller Hersteller auch PCs und Laptops, Drucker, Kopierer und Multifunktionsgeräte. Zum Geschäft gehören eine Druckerei und ein Copyshop. „Wir kümmern uns um alles“, versichert Ingo Becker. „Für Privatkunden und Geschäftskunden.“ Firmen bietet Tintenfisch komplette IT-Ausstattungen an, zugeschnitten auf deren Bedarf. „Da fahren wir hin, liefern und warten die Geräte.“ Mietverträge und Leasing sind möglich.

Im Schnitt verkauft Becker pro Monat 30 Geräte. „Im Vergleich zum Media-Markt ist das nichts.“ Aber mit den Giganten der Branche will sich Tintenfisch gar nicht messen. Das Geschäft floriert, die Umsatzkurve zeigt nach oben. „Die Leute sind ja mobil“, sagt Becker. Die kurzen Wege und die Beratung zählt er zu den Pluspunkten seines Ladens. Das Gros der Kundschaft kommt aus der näheren Umgebung, aus Borgfeld und Grasberg, Lilienthal und Worpswede, Tarmstedt und Osterholz-Scharmbeck.

„Der Tintenfisch hat sich immer wieder verändert,“ resümiert Ingo Becker. „Wir haben uns dem Markt angepasst. Sonst würde es uns nicht mehr geben.“ Die Zeit der Geiz-ist-geil-Mentalität sei vorbei: Ein Segen, findet der Frankenburger. Für viele Kunden sei die Beratung wichtig, auch am Telefon. Doch die Konkurrenz der großen Internet-Händler spürt auch der kleine Laden auf dem platten Land. „Es ist schon schwer, Geld zu verdienen“, sinniert der Chef.

Im Internet findet man den Shop unter der Adresse www.tintenfisch.de. Telefonisch ist das Geschäft während der Öffnungszeiten unter der Rufnummer 0 42 98 / 41 89 40 zu erreichen.

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