Lilienthaler Einrichtung Behindertenhilfe mit neuem Geschäftsführer

Die Diakonische Behindertenhilfe in Lilienthal hat einen neuen Geschäftsführer: Lars Wellbrock rückt im Unternehmen auf und bildet nun mit Birgit Mara Hopp die Doppelspitze.
06.05.2021, 07:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Lutz Rode

Lilienthal. Was es heißt, Verantwortung zu übernehmen, hat Lars Wellbrock früh gelernt. Gerade mal 23 Jahre war er alt, als er frisch nach der Ausbildung Leiter der Personalabteilung wurde. Jetzt ist sein Verantwortungsbereich noch ein Stück größer geworden: Der 46-Jährige ist zum Geschäftsführer der Diakonischen Behindertenhilfe (DBH) in Lilienthal aufgerückt und steht zusammen mit Birgit Mara Hopp nun an der Spitze der Einrichtung für Menschen mit Handicap. Sein Vorgänger Christoph vom Lehn war krankheitsbedingt im vergangenen Jahr aus dem Betrieb ausgeschieden. Ende März ist er gestorben.

Wellbrock hat nichts dagegen, wenn man ihn als „klassisches Eigengewächs“ der Diakonischen Behindertenhilfe bezeichnet. Er kennt die Einrichtung seit der Zeit, als er dort 1990 als kaufmännischer Auszubildender einstieg - damals noch beim Evangelischen Hospital Lilienthal, dem heutigen Gesellschafter der DBH. Nach zwei beruflichen Stationen außerhalb kehrte er relativ schnell zurück und kümmerte sich um das Personalwesen. Doch dabei blieb es nicht allein, immer wieder tauchten neue Themen und Projekte auf, die Wellbrock vorantrieb. Am Sanierungsprozess des Altenhilfe-Schwesterunternehmens war er beteiligt, er kümmerte sich um den IT-Bereich oder stellte den Reinigungsdienst neu auf. „Mich hat immer ein großes Interesse an neuen Aufgaben angetrieben, verbunden mit einer Prise Neugier und sicherlich auch der Ehrgeiz, Dinge zu entwickeln und gute Arbeitsergebnisse zu erzielen“, sagt Wellbrock. Dazu passt auch, dass er zuletzt nebenberuflich auch ein Management-Studium absolviert hat. Froh ist er, dass ihn die jeweiligen Geschäftsführer in seiner Entwicklung unterstützten. „Ich hatte die richtigen Sparringspartner an der Seite“, sagt der 46-Jährige.

Vorteil für Wellbrock ist, dass er den Laden aus dem Effeff kennt und auch als Geschäftsführer keine große Einarbeitungszeit benötigt, auch wenn seine Rolle nun eine andere ist. Obwohl er schon so viele Jahre dabei ist, hat Wellbrock immer darauf geachtet, sich den frischen Blick von außen auf die Einrichtung zu bewahren. Alles umkrempeln will er deswegen sicher nicht, doch klar ist für ihn auch, dass es bei der Diakonischen Behindertenhilfe keinen Stillstand geben soll. "Man muss auch bereit sein, neue Wege zu gehen, neue Lösungen zu suchen, ohne das Bewährte aus den Augen zu verlieren. Ich fasse das unter dem Titel ,Tradition meets Innovation" zusammen", meint Wellbrock.

Wirtschaftlich bewegt sich die DBH laut dem neuen Geschäftsführer in einem ruhigen Fahrwasser - und das soll auch so bleiben. Die Einrichtung ist ein wichtiger Faktor in der Gemeinde, zählt zu den großen Arbeitgebern im Landkreis Osterholz. Rund 550 Mitarbeiter sind für die DBH tätig, sie arbeiten in den Wohngemeinschaften, in den verschiedenen Gruppen der Tagesförderstätte, in verschiedenen Fachdiensten, im Reinigungsdienst, der Verwaltung, der Küche oder der technischen Abteilung. „Es ist ein ziemlich bunter Mix - die lebendige Vielfalt passt gut zu uns“, findet Wellbrock.

Die Diakonische Behindertenhilfe tut einiges dafür, als Arbeitgeber attraktiv zu sein. Dem Wettbewerb um gute Arbeitskräfte stellt sich die Einrichtung auch dadurch, dass sie selbst viel ausbildet - 25 Auszubildende gibt es derzeit in der gemeinnützigen Gesellschaft, zehn legen im Sommer ihre Prüfung ab, und alle sollen übernommen werden. Hinzu kommen auch 25 junge Menschen, die in der Einrichtung ein Freiwilliges soziales Jahr absolvieren oder über den Bundesfreiwilligendienst zur Diakonie gekommen sind.

300 Menschen mit Behinderungen wohnen auf dem Diakoniegelände, dazu betreibt die Diakonie ein weiteres Wohnheim für 24 Menschen in Bremen-Gröpelingen. Ihre Interessen als Bürgerinnen und Bürger gegenüber der Gemeinde zu vertreten, sieht Wellbrock zusammen mit Birgit Mara Hopp als Aufgabe an. Ein bisschen erleichtert ist er, dass sich die Wohnbebauung an der benachbarten Mauerseglerstraße erledigt hat. Denn das Gebiet bietet vielen Menschen mit Behinderungen einen wichtigen Raum, um sich frei zu bewegen. Dass dieser nun zumindest für die nächsten Jahre erhalten bleibt, dagegen hat Wellbrock nichts einzuwenden.

Auch Corona beschäftigt die Diakonische Behindertenhilfe - zwischendurch gab es in einer Wohngruppe Infektionen, aktuell ist die Einrichtung ansteckungsfrei. Wellbrock ist froh, dass die Mitarbeiter und Bewohner die erste Impfung hinter sich haben und Ende Mai das mobile Impfteam erneut anrückt, um alle die, die mitmachen, durchzuimpfen. Engagiert und verantwortungsvoll seien die Mitarbeiter seit dem Beginn der Pandemie mit der Situation umgegangen, sagt Wellbrock. Aber anstrengend sei es für alle Beteiligten auch gewesen. Über die Aussicht auf den kompletten Impfschutz freut sich der neue Geschäftsführer an der Doppelspitze der Behindertenhilfe: „Es wäre wirklich schön, wenn jetzt Dampf aus dem Kessel kommt“, sagt er.

Lars Wellbrock ist in Lilienthal unweit des Diakoniegeländes aufgewachsen. Er lebt mit seiner Partnerin in einer Patchwork-Familie im Ort. Fünf Kinder von acht bis 18 Jahren gehören dazu.

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Behindertenhilfe investiert in Gebäude

Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind die Themen, die die Diakonische Behindertenhilfe bei ihrer täglichen Arbeit vorantreiben will. Der komplett aus Holz gebaute Niedrigenergie-Neubau am Neuenkirchener Weg passt zu dieser Leitlinie. 34 Wohnplätze für Menschen mit Behinderungen entstehen dort seit dem vergangenen Jahr. Wenn alles gut weiter läuft, soll der Neubau bis spätestens zum Winter fertig sein. Abzusehen ist, dass die Einrichtung weiter in ihre Gebäude investieren wird. Die Häuser auf dem Gelände stammen überwiegend aus den 60er-Jahren, als die Behindertenhilfe von Neuenkirchen nach Lilienthal zog. Der Zahn der Zeit hat an der Bausubstanz genagt. Aber auch die Ansprüche an die Wohnformen haben sich im Laufe der Jahre verändert, sodass die Verantwortlichen weiteren Handlungsbedarf sehen. Möglicherweise wird auf der freien Wiese neben dem Neubau ein weiteres Wohnhaus für die Bewohner errichtet. Eine Entscheidung steht noch aus.

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