Empfang im Borgfelder Landhaus

Die Mission geht weiter

Zum 140. Geburtstag der WÜMME-ZEITUNG kamen am Freitag annähernd 200 geladene Gäste ins Borgfelder Landhaus. Redaktionsleiter André Fesser betonte die Verbundenheit zur Region.
17.05.2019, 18:40
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Die Mission geht weiter
Von Silke Looden
Die Mission geht weiter

Der Redaktionsleiter der WÜMME-ZEITUNG, André Fesser, Schauspieler Rolf Meyer (als Zeitungsgründer Johann Christian Meister) und WESER-KURIER-Chefredakteur Moritz Döbler sprechen auf der Bühne über das Zeitungmachen.

Maximilian von Lachner

Das blaue Banner weist den Weg ins Borgfelder Landhaus. Am Eingang liegt die Jubiläumsausgabe der WÜMME-ZEITUNG. Die 48-seitige Sonderausgabe zum 140. Geburtstag ist schnell vergriffen. Unter der weißen Saalkuppel treffen sich am Freitag 200 geladene Gäste zum Small-Talk. Hier wird über das gesprochen, was morgen in der Zeitung steht. Vertreter aus Verlag, Wirtschaft, Politik und Kultur, Leserinnen und Leser der „Wümme-Times“ feiern ihre Regionalzeitung vor Ort. Derweil twittert die Redaktion: #wum140.

Redaktionsleiter André Fesser unterstreicht die Rolle der Regionalzeitung als diejenige, die die Informationen vor Ort sammelt, sichtet und streut, die Themen setzt und kommentiert. Dabei, so betont Fesser, spiele es keine Rolle, über welchen Kanal die Nachricht die Menschen erreiche. „Ob gedruckt oder digital, an der Mission hat sich seit 140 Jahren nichts geändert.“ Für die Zukunft wünscht er sich, dass die WÜMME-ZEITUNG auch weiter das Forum für die Debatten in der Region ist, ganz gleich, ob es um eine neue Schule oder einen alten Schießstand gehe.

WESER-KURIER-Chefredakteur und Vorstand der Bremer Tageszeitungen AG, Moritz Döbler, weiß um die harten Zeiten im Zeitungsgeschäft, sieht aber keinen Grund zur Resignation: „Mit dem E-Paper haben wir heute mehr Reichweite.“ Er setzt auf die Redaktion und betont: „Wir sind nah dran an den Menschen.“ Seinen Dank richtet er vor allem an die Leserinnen und Leser, die der WÜMME-ZEITUNG die Treue halten, aber auch an die Zeitungsausträger, die an diesem Tag mit der Verteilung der Sonderausgabe einen besonders schweren Job haben.

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In Gestalt des Zeitungsgründers Johann Christian Meister kommt Schauspieler Rolf Meyer von der Lilienthaler Freilichtbühne daher. In Frack und Zylinder erzählt er von damals, als die WÜMME-ZEITUNG nur zweimal, dann dreimal die Woche erschien. Kein Geringerer als der frühere Bremer Bürgermeister Wilhelm Kaisen habe dem „Weltblatt aus dem Teufelsmoor“ zum Erfolg verholfen. Nicht ohne Amusement berichtet Meister alias Meyer von den „Lustbarkeitsanzeigen“, die zu jener Zeit auf Volksfeste hinwiesen.

Unter den Festgästen ist auch Harald Kühn vom Lilienthaler Heimatverein. Schmunzelnd verfolgt er die kleine Einlage. Kühn weiß um die Geschichte der WÜMME-ZEITUNG, die im Dritten Reich gleichgeschaltet war und erst vier Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg wieder berichtete. Sein Verein kümmert sich um das Archiv der Regionalausgabe und um die Digitalisierung der historischen Ausgaben. „Das wird uns noch eine Weile beschäftigen“, so Kühn.

Lilienthals Bürgermeister Kristian Willem Tangermann indes sieht in der Lokalzeitung einen Spiegel der Kommunalpolitik. „Man muss nicht alles gut finden, was in der Zeitung steht, aber man muss es wissen“, sagt er im Gespräch mit dem scheidenden Borgfelder Ortsamtsleiter Gernot Neumann-Malkau. Letzterer würde sich mehr Texte aus Borgfeld in der WÜMME-ZEITUNG wünschen, „aber das sagt wahrscheinlich jeder über seinen Wohnort“, scherzt er. Der Bremer Ortsteil gehört seit jeher zum Verbreitungsgebiet der WÜMME-ZEITUNG, die ansonsten in Lilienthal, Worpswede, Grasberg und der Samtgemeinde Tarmstedt zu Hause ist.

„Identitätsstiftend“ findet der Osterholzer Stadtwerke-Chef Christian Meyer-Hammerström die WÜMME-ZEITUNG. „Informationen aus der Region findet man nur in der Regionalzeitung“, sagt er. Er ist noch einer von denen, die die WÜMME-ZEITUNG morgens zum Frühstück aus dem Kasten fischen. „Das ist etwas Handfestes.“ Im Internet schaut er eher nach der schnellen Nachricht auf wuemme-zeitung.de.

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Der Osterholzer Landrat Bernd Lütjen liest mindestens drei Regionalausgaben des WESER-KURIER. Die WÜMME-ZEITUNG, das OSTERHOLZER KREISBLATT und DIE NORDDEUTSCHE erscheinen allesamt im Landkreis Osterholz. „Das ist schon eine Menge Lesestoff am Morgen“, sagt er. Für ihn geht es vor allem um die Qualität der Information, die in den sozialen Netzwerken verloren gehe. Besonders gut findet er die Qualität der Bilder in der WÜMME-ZEITUNG. „Das war nicht immer so.“

Der frühere Osterholzer Landrat und heutige Chef der Staatskanzlei in Hannover, Jörg Mielke, macht sich angesichts des Zeitungssterbens Sorgen um die Meinungsvielfalt. Umso wichtiger sei es, an einem solchen runden Geburtstag dabei zu sein, betont er im Gespräch mit Rudolf Hickel. Der emeritierte Wirtschaftsprofessor aus Borgfeld ist bis heute ein gefragter Interviewpartner. Hickel mischt sich ein und spart normalerweise nicht mit Kritik. Zum Geburtstag der WÜMME-ZEITUNG jedoch gibt es erst einmal Lob für die Sonderausgabe: „Einfach klasse. Darüber habe ich fast mein Frühstück vergessen“, erzählt er und greift zu den Häppchen, die das Catering unter den Gästen verteilt. Fingerfood, für die Suppe bleibt vielen kaum Zeit.

Noch eine Weile geht die Stehparty weiter. Nach drei Stunden verlassen die letzten Gäste das Borgfelder Landhaus. Draußen weht unverdrossen das Banner der WÜMME-ZEITUNG.

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