Viele Diebstähle im Kreis Osterholz

Geklautes Luxus-Auto aus Lilienthal in Polen entdeckt

Mitte November ist ein Luxus-Mercedes in Lilienthal gestohlen worden - jetzt teilt die Polizei mit, dass das Fahrzeug in Polen sichergestellt und der Fahrer festgenommen werden konnte.
06.12.2020, 19:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Lutz Rode
Geklautes Luxus-Auto aus Lilienthal in Polen entdeckt

Die Signale von Funkschlüsseln können abgefangen werden. Diebe nutzen auch andere technische Möglichkeiten, an ein Auto zu gelangen.

Alexander Heinl / dpa

Bei dem Diebstahl eines hochwertigen Mercedes AMG C43 vom Hof eines Autohauses an der Falkenberger Landstraße hat die Polizei einen Fahndungserfolg vermeldet: Der Luxus-Wagen konnte in Polen ausfindig gemacht werden. Der Fahrer wurde festgenommen, zu weiteren Hintergründen und Details macht die Polizei mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen keine Angaben. Das Auto, das neu um die 100.000 Euro kostet, soll nach Deutschland zurückgebracht werden.

Der Diebstahl von Mitte November reiht sich ein in weitere Taten, die sich in den vergangenen Wochen im Kreis Osterholz ereigneten. Zuletzt schlugen Autodiebe in Grasberg zu, als in der Nacht auf vergangenen Sonnabend ein BMW 335d X-Drive von einer frei zugänglichen Hofeinfahrt gestohlen wurde. In derselben Nacht verschwand in Meyenburg ein BMW M6. Dort wurde das hochwertige Fahrzeug aus einem Carport entwendet. Die Besitzer haben Fotos von ihren Autos bei Facebook veröffentlicht und um Hinweise gebeten, in der Hoffnung, den Tätern auf die Spur zu kommen und die Autos zurückzubekommen.

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Scheinen derzeit eher PS-starke Karossen bei den Dieben hoch im Kurs zu stehen, hatten es die Täter im Juli auffallend oft auf ebenfalls hochwertige VW-Busse abgesehen. Die Betroffenen sind sich sicher: Da sind Profis am Werk gewesen, zumal in den meisten Fällen rätselhaft bleibt, wie es die Täter geschafft haben, die Motoren zu starten. Die Polizei sagt, insbesondere hochwertige Luxus-Fahrzeuge würden häufig auf Bestellung geklaut. An die Drahtzieher heranzukommen sei schwierig.

Im laufenden Jahr 2020 hat die Polizeiinspektion Verden/Osterholz 26 Autodiebstähle registriert, 18 davon im Landkreis Osterholz und acht im Landkreis Verden. Dass die Diebe ihre Aktivitäten in diesem Jahr vor allem im Osterholzer Bereich entfalteten, ist eine auffällige Entwicklung. 2019 lagen die Zahlen auf vergleichbarem Niveau, wobei sich die Fälle gleichmäßig auf beide Landkreise verteilten. Woran es liegt, dazu kann die Polizei nur Mutmaßungen anstellen: Es könnte mit der geografischen Lage zusammenhängen, die Autobahnanbindung sei ähnlich gut wie im Verdener Bereich, zusätzlich könnte die Nähe zur Großstadt Bremen eine Rolle spielen. „Erfahrungsgemäß wählen Täter gerne Autohäuser, auf denen hochwertige Fahrzeuge möglichst gut erreichbar sind. Zäune, gute Beleuchtung sowie innerstädtische Lage schrecken hingegen meist ab“, sagt Helge Cassens von der Polizeiinspektion Verden/Osterholz.

Audi, BMW und Mercedes hoch im Kurs

Genaue Zahlen zu den beliebtesten Fahrzeugmarken von Autodieben kann die Polizei nicht liefern, aber richtig sei, dass die deutschen Premiumhersteller wie Audi, BMW und Mercedes bei den Tätern hoch im Kurs stehen. Zusätzlich seien auch einige VW-Modelle beliebt oder auch schon mal ein Land Rover. „Der Ford Kuga, der neulich in Oyten entwendet wurde, ist da eher eine Ausnahme“, sagt Cassens.

Die Diebe wenden raffinierte Methoden an, um sich ein Auto unter den Nagel zu reißen. Natürlich kommt es vor, dass jemand die Scheibe einschlägt, um in den Wagen zu gelangen, doch Profi-Diebe gehen nicht so brachial vor. Sie verschaffen sich zum Beispiel einen Zugang, indem sie Signale von Funkautoschlüsseln abfangen. „Viele bewahren ihre Autoschlüssel an zentraler Stelle im Haus auf, oft gleich neben der Haustür. Von dort kann das Signal abgescannt werden, ohne dass man es mitbekommt“, berichtet Cassens. Auch die mit einem Chip ausgestatteten Keyless-Systeme einiger Hersteller stellten sich als nicht zu 100 Prozent sicher heraus, auch dort können Signale abgefangen werden. Zu den Klassikern gehört auch das so genannte „Homejacking“. Dabei wird in Häuser gezielt eingebrochen, um Autoschlüssel zu entwenden.

Der Trick mit der Probefahrt

In Autohäusern kommt es laut Polizei vor, dass Autoschlüssel unbemerkt gegen Dummies ausgetauscht werden. „Jemand gibt bei einem Händler vor, sich für ein Auto zu interessieren, macht eine Probefahrt und gibt anschließend einen falschen Schlüssel zurück und behält das Original. Kurz darauf ist das Auto weg“, sagt Cassens.

Autos werden nach der Tat häufig nach Osteuropa gebracht, dort verliert sich dann ihre Spur. „Es ist wichtig, dass die Polizei möglichst schnell von dem Diebstahl erfährt. So hat man die Chance, ein Auto vielleicht noch an der Grenze abzufangen. Oft wird der Diebstahl aber erst bemerkt, wenn die erste Landesgrenze schon überschritten ist“, weiß Cassens. Hochwertige Autos könnten getrackt werden – anhand von GPS-Signalen im Fahrzeug sei es möglich, nachzuverfolgen, wo sich das Auto gerade befindet.

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Die jüngsten Vorfälle beunruhigen Autohändler in der Region: Die Diebstähle bedeuten für sie neben viel Rennerei auch einen hohen finanziellen Schaden, selbst wenn ihre Versicherungen einspringen sollten. Die nächste Hochstufung verteuert die Policen, und im Extremfall kann es schwierig werden, überhaupt noch eine Versicherung zu finden. Auch Probleme bei den Banken kann es geben, wenn die Fahrzeuge refinanziert waren und nun der Gegenwert fehlt, berichtet ein Insider.

Mit Kameras, speziellen Schlüsselsafes oder Alarmsystemen versuchen Händler, die Diebe von ihren Taten abzuhalten. Wieso sie es dennoch schaffen, innerhalb von wenigen Sekunden in die Autos zu gelangen und zu starten, darauf können sich selbst ausgemachte Kenner nicht immer einen Reim machen. Ohne ein Netzwerk von Unterstützern kann das so nicht funktionieren, sind sie überzeugt. Manch einer hält es angesichts der Fälle inzwischen sogar für das probateste Mittel, die Autos mit Felgenkrallen zu versehen, damit sie nicht vom Hof gefahren werden können.

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