Stiftung Lesen

Ein Buch wird lebendig

Irgendwann kommt es, das Lesetief in der Pubertät. Damit Bücher für Jugendliche interessant bleiben, bietet die Kommunale Jugendarbeit in Lilienthal ab September ein Medienlabor an.
29.07.2019, 05:43
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Ein Buch wird lebendig
Von Silke Looden
Ein Buch wird lebendig

Um die Welt der Buchstaben in Bilder zu transferieren, haben die Kinder eine Szene aus dem Buch, die sie sich vorher gegenseitig vorgelesen haben, mit Playmobilfiguren nachgestellt.

Anne Werner

Lilienthal. „Ich erwecke ein Buch zum Leben“, sagt Mechthild Goetze-Hillebrand von der Stiftung Lesen. Die Referentin aus Heidelberg war im Alten Amtsgericht in Lilienthal im Medienlabor der Kommunalen Jugendarbeit zu Gast. Acht Kinder und Jugendliche waren gekommen, um mehr über das Buch „Trainkids“ von Dirk Reinhardt zu erfahren. Der Autor erzählt darin die Geschichte der Flucht von fünf Jungen aus Mexiko, die auf eine bessere Zukunft in den Vereinigten Staaten von Amerika hoffen.

Mats Schmidt (11) und Moemen Abdallah (10) haben es sich auf den Sitzkissen bequem gemacht. Moemen hält ein Tablet in der Hand. Eifrig diskutiert er mit Mats. Die beiden Jungen aus Lilienthal arbeiten an einem Comic, das eine Szene aus dem Buch von Dirk Reinhardt wiedergibt. Sie überlegen, was sie in die Sprechblasen schreiben wollen. Während Mats nur von Flüchtlingen gehört und gelesen hat, hat Moemen die Flucht selbst erlebt. Er ist vor drei Jahren aus dem Libanon nach Lilienthal gekommen. Die Kinder ringen um Worte, um Sätze, um eine Story.

„Es war eine schwierige Zeit“, sagt Moemen. Er war damals sieben Jahre alt. Er erinnert sich vor allem an die langen Wanderungen. Das Medienlabor hilft ihm, die eigene Flucht zu verarbeiten. Auch wenn die Geschichte von Dirk Reinhardt am anderen Ende der Welt spielt, spiegelt sie doch die großen Probleme der Flucht wider. Mats findet es gut, mit Bildern zu arbeiten. Er mag Comics gern, weil sie eben nicht nur aus Buchstaben bestehen.

Um die Welt der Buchstaben in Bilder zu transferieren, haben die Kinder eine Szene aus dem Buch, die sie sich vorher gegenseitig vorgelesen haben, mit Playmobilfiguren nachgestellt. Der Grenzfluss, den die Jungs in Reinhardts Buch überqueren müssen, kommt als hellblaue Krepppapierwelle daher. Darauf schwimmen Flöße aus bunten Strohhalmen. Irgendwo in der Ferne ragt ein graues Kissen als Fels empor. Dazwischen verläuft ein Seil, das die Bahnlinie nachzeichnet.

„Wir wollen das Lesen erlebbar machen“, erklärt Tom Brünings von der kommunalen Jugendarbeit. In Kooperation mit der Lilienthaler Gemeindebibliothek hat sich die Kommunale Jugendarbeit um die Teilnahme an dem Projekt der Stiftung Lesen beworben – und den Zuschlag bekommen. „Die Stiftung Lesen stellt uns die Materialien für das Medienlabor zur Verfügung“, freut sich Karin Schroeder von der Bibliothek. Dazu zählen unter anderem die Tablets mit dem Programm für die Fotostory.

Ab September wird das Medienlabor jeden Mittwoch von 16 bis 18 Uhr im Alten Amtsgericht in der Klosterstraße stattfinden. Dann werden auch andere Bücher zum Leben erweckt, wie Mechthild Goetze-Hillebrand es formuliert. Die Bücher können die Kids natürlich auch in der Gemeindebibliothek ausleihen. Schließlich handelt es sich um eine Kooperation der beiden kommunalen Einrichtungen. Mats und Moemen jedenfalls wollen jetzt das ganze Buch lesen. Offenbar hat das Medienlabor ihr Interesse geweckt.

„Es geht darum, dem Leseknick in der Pubertät entgegenzuwirken“, erklärt Brünings. Der medienpädagogische Beauftragte der kommunalen Jugendarbeit zeigt sich zufrieden mit der Kick-off-Veranstaltung. Er hofft, dass Moemen, Mats und die anderen nicht zum letzten Mal dabei waren.

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