Einradhockey Der TV Lilienthal erfüllt sich seinen WM-Traum

Elf Einradhockeyspieler des TV Lilienthal erfüllen sich in Grenoble ihren Traum von der Weltmeisterschaft - zwei bringen sogar Edelmetall mit nach Hause.
17.08.2022, 14:00
Lesedauer: 4 Min
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Der TV Lilienthal erfüllt sich seinen WM-Traum
Von Thorin Mentrup

Lilienthal. Auf den ersten Blick scheint Grenoble nicht unbedingt ein Sehnsuchtsort für Einradfahrer zu sein, schon gar nicht für diejenigen, die aus dem Landkreis Osterholz kommen. Die 160.000-Einwohner-Stadt gilt schließlich als Hauptstadt der Alpen. Berge sind allgegenwärtig. Und doch ist sie perfekt fürs Einradfahren. Grenoble ist die flachste Stadt ganz Frankreichs. (Ein-)Räder sind ausdrücklich willkommen. Vor Kurzem galt das ganz besonders, war Grenoble doch Gastgeber der Einrad-Weltmeisterschaft. Auf dieser erfüllte sich eine elfköpfige Gruppe Einradhockey-Spieler des TV Lilienthal einen lang gehegten und mehrmals verschobenen Traum.

Es ist ein Traum, den viele Sportler haben, den aber nur wenige realisieren können: an einer Weltmeisterschaft teilzunehmen. Im Einradsport ist das möglich, auch ohne Teil einer Nationalmannschaft zu sein. Denn die Weltmeisterschaften sind nicht nur offen für Auswahlen, sondern auch für normale Teams, deren Sportler sich auch in Einzeldisziplinen messen dürfen wie etwa im Langsamfahren oder im Up- und Downhill, bei dem es gilt, möglichst schnell eine Strecke bergauf beziehungsweise bergab zu meistern (da passt die Alpenlage perfekt). Deshalb war für die Lilienthaler der WM-Traum gar nicht so weit weg, wie er es für viele Aktive in anderen Sportarten ist. Und doch wurde seine Erfüllung zur Geduldsprobe.

Drei Jahre warten

Eigentlich hätte die Weltmeisterschaft bereits 2020 stattfinden sollen. "Da wollten wir bereits dabei sein, aber dann hat sich wegen Corona alles verschoben. Erst auf 2021, dann auf dieses Jahr", erzählt Malte Voelkel, Abteilungsleiter beim TVL. Drei Jahre lang liefen also bereits die Planungen, ehe die Einradhockey-Spieler endlich aufbrechen durften. Die Lilienthaler wurden für ihren langen Atem mit dem Einrad-Sommer ihres Lebens belohnt. "Das war schon unglaublich, so etwas haben wir noch nicht erlebt. Das war eine ganz tolle Veranstaltung", schwärmt Voelkel. Rund 2600 Einradbegeisterte, darunter knapp 2000 Wettkämpfer, waren in Grenoble vor Ort.

"Das war nicht nur eine WM, sondern auch eine Convention", erklärt Voelkel. Ein riesengroßes Treffen von Menschen also, die dieselbe Leidenschaft teilen. In diesem Fall die fürs Einradfahren in all seinen unterschiedlichen Ausprägungen, sogar für Sprung- und Marathonwettkämpfe. "Es ist schon ein tolles Gefühl, zu spüren und zu sehen, dass es auf der ganzen Welt Menschen gibt, die dein Hobby teilen", sagt Voelkel. Die Einrad-Community habe das Stadtbild geprägt, mehrere Orte seien fest in der Hand der Athleten gewesen. Letztlich sei die Weltmeisterschaft eben noch etwas Größeres als eine Deutsche Meisterschaft, ergänzt der Abteilungsleiter. Die Titelkämpfe auf nationaler Ebene im Einradhockey hatten die Lilienthaler in diesem Sommer mit ausgerichtet.

Nicht ohne Ehrgeiz

So berauschend und aufregend das Treffen mit Einradsportlern aus aller Welt auch war – das sportliche Abschneiden spielte für die Lilienthaler während ihrer zweiwöchigen WM-Reise ebenfalls eine entscheidende Rolle. Und da rechneten sich die TVLer besonders im Einradhockey, ihrer Kernsportart, Chancen aus. Im B-Wettbewerb – der A-Wettbewerb war ausschließlich den Nationalmannschaften vorbehalten – schlugen sich die Lilienthaler richtig gut. Vor allem das Team "Moorteufel" um Malte Voelkel, Patrick Rößmann, Marlene Fladung, Kim Bolfraß und Hannah Fladung wusste zu überzeugen: Es belegte am Ende den sechsten Rang von 18 Mannschaften. Die "Moorlichter" um David Klempfner, Louisa Frahn, Annika Bergmann, Julia Drauschke und Dominik Bilitewski erreichten Platz 13.

Auf eher ungewohnten Wegen befand sich die TVL-Gruppe beim Einrad-Basketball. Aber auch hier schlug sie sich überraschend wacker und erreichte mit zwei Siegen und drei Niederlagen eine sehr ordentliche Bilanz. Insbesondere das Duell gegen eine thailändische Auswahl wird den Lilienthalern, für die Patrick Rößmann, Kim Bolfraß, Hannah Fladung, Marlene Fladung und Maya Hartmann aufliefen, in Erinnerung bleiben. "Es ist einfach eine coole Erfahrung, gegen eine Mannschaft vom anderen Ende der Welt zu spielen", erzählt Voelkel. Begegnungen wie diese machten die Weltmeisterschaft auch sportlich zu einem einzigartigen Erlebnis.

Hannah Fladung holt Bronze

Eines aber fehlte noch zum kompletten Lilienthaler Glück: Edelmetall. Das hatte weder beim Hockey noch beim Basketball geklappt.  "Auch wenn das Event, der Austausch und das Kennenlernen von anderen ein bisschen im Vordergrund steht, ist man trotzdem sportlich ehrgeizig. Mit einer Medaille für unseren Verein lässt es sich jedenfalls besser leben als ohne", sagt Voelkel. Diese Hoffnung erfüllte sich überraschend in den Einzeldisziplinen. Hannah Fladung sicherte sich Bronze im Langsamfahren. Dabei mussten die Teilnehmer ein zehn Meter langes und 15 Zentimeter breites Brett so langsam wie möglich überqueren – ohne das Brett zu verlassen, zurückzutreten oder zu pendeln. Über die Qualifikation sicherte sich Fladung ihren Platz im Finale, in dem sie das Brett erst nach 28,3 Sekunden hinter sich ließ. Endlich Edelmetall. "Wer hat schon eine WM-Medaille zu Hause?", freute sich Voelkel für Fladung. Und auch Merle Sparbier durfte sich feiern lassen. Sie  gewann sogar Gold, allerdings nicht mit dem TVL: Mit dem Team Bawaria-Mix aus Bayern sicherte sie sich den Titel im Hockey-C-Wettbewerb. Das schmälerte die Freude in der Lilienthaler Reisegruppe allerdings kein bisschen.

Das nächste Mal in den Vereinigten Staaten?

Mittlerweile flaut das WM-Fieber langsam ab bei Malte Voelkel und Co. Ganz loslassen wird es die Lilienthaler aber nicht. "Die Planungen für die nächste Weltmeisterschaft laufen schon", sagt Voelkel und lacht. Genau wissend, dass die Titelkämpfe in zwei Jahren in Minnesota in den Vereinigten Staaten stattfinden und damit auch die Reisekosten deutlich steigen werden. Aber träumen ist schließlich nicht verboten. Das wissen sie beim TV Lilienthal nur allzu gut.

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