Neues Lernhaus an der IGS Lilienthal

Einzug nach den Osterferien geplant

Etwas mehr als ein Jahr nach dem Baubeginn steht das neue Lernhaus an der Integrierten Gesamtschule (IGS) kurz vor der Fertigstellung. Läuft alles nach Plan, kann nach den Osterferien der Einzug beginnen.
14.01.2020, 22:50
Lesedauer: 4 Min
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Von Lutz Rode
Einzug nach den Osterferien geplant

Von außen ist das Gebäude so gut wie fertig. Derzeit werden die Außenanlagen gestaltet. Eine Delegation der Kreisverwaltung verschaffte sich jetzt einen Eindruck vom Stand der Arbeiten.

CARMEN JASPERSEN

Lilienthal. Der Baustellen-Rundgang durch das neue Oberstufenhaus der Integrierten Gesamtschule (IGS) ist fast beendet, als Bau-Ingenieurin Ingrid Ohlsen vom Amt für Immobilienmanagement die Aufmerksamkeit auf die Akustik lenkt. Nichts. Nicht einmal ein wenig Hall dringt durch die Räume, und dies, obwohl noch kein Meter Teppich verlegt ist oder Möbel aufgebaut sind. Die speziellen Decken-Elemente schlucken auch so schon den Schall und vor allem tiefe Töne. Wenn die angehenden Abiturienten später in Gruppen zusammen sitzen und in der eigens vorgesehenen Selbstlernzone büffeln, soll kein nerviger Lärmpegel die Lernatmosphäre stören.

Es dauert nicht mehr lange, und die Schülerinnen und Schüler des 12. Jahrgangs können den großen Praxis-Test machen. Auf der Baustelle in Falkenberg läuft die Schlussphase für die Handwerker. Derzeit werden die Außenanlagen gestaltet, drinnen sind die Fliesenleger im Treppenhaus zugange, Sanitärarbeiten stehen an und die Elektriker und Maler erledigen in Kürze ihre Restarbeiten. Ende Januar kommen die Bodenbeläge und Mitte März sollen die Möbel aufgestellt werden. Wenn die Bauabnahme wie vorgesehen klappt, können die Jugendlichen und ihre Lehrer nach den Osterferien das neue „Lernhaus Kursstufe“, wie es die Schule nennt, in Beschlag nehmen. Die Vorfreude darauf, das neue Gebäude mit Leben zu füllen, ist den Lehrern und Schülern anzumerken. Sie können es kaum noch erwarten, endlich ihr „eigenes“ Haus zu beziehen. Und alle anderen finden es auch gut, dass die Bauphase mit all ihren Einschränkungen für den Schulbetrieb nun allmählich zu Ende geht. „Wir mussten ganz schön zusammenrücken“, sagt Schulleiterin Karina Kögel-Renken.

LIL: Baustellen-Besichtigung im neuen Oberstufenhaus der IGS mit Schulleiterin und Kreis-Dezernenten.

Der Müll ist schon mal zusammengekehrt. Demnächst soll im künftigen Selbstlern-Bereich mit seiner breiten Fensterfront der Bodenbelag verlegt werden.

Foto: CARMEN JASPERSEN

Die Jahrgänge 12 und 13 werden künftig in dem neuen Gebäude untergebracht, für die Elftklässler ist der ehemalige Kindergarten „Schatzkiste“ aufwendig saniert und umgebaut worden. Beide Häuser liegen direkt nebeneinander. Landkreis-Schuldezernentin Heike Schumacher ist froh darüber, dass es gelungen ist, die Oberstufe mit auf dem IGS-Gelände unterzubringen. Ursprünglich gab es die Idee, die frühere Christoph-Tornée-Schule am Jan-Reiners-Weg zu nutzen. Doch dann kam alles anders: Die Gemeinde Lilienthal kaufte vom Landkreis das leer stehende Schulgebäude für die dringend benötigten Kindertagesstätten-Plätze, im Gegenzug übernahm der Landkreis von der Gemeinde Grundstücksflächen an der IGS.

Im November vergangenen Jahres ist der Grundstein für das neue Oberstufenhaus gelegt worden. Vier Millionen Euro investiert der Landkreis Osterholz in den Neubau inklusive Außenbereich und Fachplanung. Das Budget wird laut Landkreis eingehalten. Das neue Gebäude ist so geplant, dass darin bis zu 200 Schülerinnen und Schüler untergebracht werden können. 2021 wird der erste Abiturjahrgang an der IGS seinen Abschluss machen.

In dem Neubau bekommt jeder Jahrgang eine eigene Etage. Ob die Zwölftklässler oben unterkommen oder ins Erdgeschoss ziehen, ist noch nicht endgültig entschieden. Vom Grundriss her ist es im Prinzip egal, nur dass es unten einen weiteren Besprechungsraum für das Lehrer-Team gibt und auch einen für die Technik, während oben zusätzlich ein Naturwissenschaftsraum für den Unterricht in Biologie, Chemie und Physik eingerichtet wird, in dem auch Experimente durchgeführt werden können.

Der Baustellen-Rundgang mit Dezernenten, Schulleitung und Behörden-Fachleuten wenige Wochen vor der Gebäudeübergabe zeigt schon eines sehr deutlich: Die Jugendlichen und Lehrer können sich auf helle, großzügige Räume mit modernster Ausstattung freuen, die auf das pädagogische Konzept der IGS zugeschnitten sind. „In der Sekundarstufe I erarbeiten sich die Schüler viel selbst und präsentieren dann die Ergebnisse in Teams. Dieses Lernverhalten wird mit in die Oberstufe genommen“, erklärt Schulleiterin Kögel-Renken.

LIL: Baustellen-Besichtigung im neuen Oberstufenhaus der IGS mit Schulleiterin und Kreis-Dezernenten.

Baustellen-Besichtigung im neuen Oberstufenhaus der IGS mit Schulleiterin und Kreis-Dezernenten.

Foto: CARMEN JASPERSEN

Frontalunterricht war gestern, und auch mit den Schulbegriffen von einst kommt man an der IGS nicht mehr sonderlich weit: Das Konzept Flurschule, also ein langer Flur, über den die Klassenräume zu erreichen sind, ist in die Mottenkiste gepackt worden. Unterricht mit Lehrern findet heute im sogenannten „Input-Raum“ statt. Kreidetafeln sucht man dort vergeblich, und auch die zeitweise angesagten White-Boards sind schon wieder Schnee von gestern. Stattdessen hängen interaktive Displays an den Wänden, riesige LED-Bildschirme, die sich mit Hand beschreiben oder mit dem Computer verknüpfen lassen.

Vier solcher Räume gibt es in jeder Etage, und wer aus den verglasten Türen herauskommt, befindet sich schon mitten drin im sogenannten Selbstlernbereich, der von den Schülern genutzt wird, um sich dort eigenständig Lernstoff anzueignen oder gemeinsam mit anderen Referate vorzubereiten oder sie dort zu präsentieren. Flexibilität ist Trumpf, auch was das Mobiliar angeht. Stehtisch, Hocker, Sofas können je nach Bedarf zusammengestellt werden und falls benötigt, kann für den Beamer eine Leinwand von der Decke heruntergelassen werden. Feste PC-Arbeitsplätze gibt es nicht, in der Schule von heute ist alles mobil und über WLAN kabellos miteinander verbunden. Das Mobiliar wird einige farbliche Akzente setzen, kreischend bunt wird es aber nicht sein. Auch ansonsten geht es farblich eher dezent zu: Die Wände sind überwiegend in einem hellen Grau gehalten, jeweils eine Wand in den Unterrichtsräumen ist kupferfarben oder grün gestrichen.

Eine eigene Heizungsanlage hat das neue Gebäude nicht: Es wird mit Fernwärme versorgt, genau wie das ehemalige Kita-Gebäude und die Turnhalle an der Ostlandstraße. Oben auf dem Dach des Neubaus befindet sich eine Photovoltaikanlage zur Stromproduktion. Dass der Neubau gut gedämmt ist, versteht sich fast von selbst.

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