Sorge ums Grundwasser Extreme Trockenheit mit Folgen

Die Grundwasserstände in Lilienthal und Tarmstedt sind im vergangenen Jahr deutlich gesunken. Sie erreichten im Sommer die tiefsten Werte seit 30 Jahren.
02.03.2019, 18:35
Lesedauer: 3 Min
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Von Lutz Rode

Lilienthal. Der Bericht des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) klingt alarmierend: Landesweit sind wegen der Dauer-Dürre die Grundwasserstände im Jahr 2018 deutlich zurückgegangen. Auch in Worpswede, aber vor allem in Lilienthal und Tarmstedt war das so. „In allen Messstellen sind die Jahrestiefststände als extrem niedrig einzustufen“, sagt NLWKN-Sprecher Achim Stolz nach Auswertung der Daten. In Lilienthal sank der Grundwasserpegel im Juli und Oktober sogar so tief wie seit 30 Jahren nicht mehr, in Tarmstedt war das Rekordtief im August erreicht. Die Entwicklung wird auch im Landesbetrieb mit Sorge betrachtet, denkt man an die Bedeutung für die Trinkwassergewinnung, Landwirtschaft und Vegetation.

Der NLWKN verfügt in ganz Niedersachsen über ein dichtes Netz von Messstellen, in denen regelmäßig unter anderem die Grundwasserstände ermittelt werden. Gut 20 von ihnen befinden sich in der Region zwischen Lilienthal, Grasberg, Worpswede und der Samtgemeinde Tarmstedt. Auf einer interaktiven Karte im Internet (www.umweltkarten-niedersachsen.de) ist jede einzelne Messstelle zu finden, und wer sie anklickt, kann dort nachverfolgen, wie sich die Grundwasserstände zwischen 1995 und 2017 entwickelt haben. Im Mittel ist deutlich zu erkennen, dass die Grundwasserstände kontinuierlich gesunken sind.

Im vergangenen Jahr war es noch einmal extrem, so sehr, dass der NLWKN sogar ein Sonderheft zum Trockenjahr 2018 veröffentlicht hat, das einen Überblick über die Lage gibt. „2018 fiel aus dem Rahmen“, sagt NLWKN-Sprecher Achim Stolz und bezieht sich auf das Wetter: War der Januar noch relativ nass, folgte ab Februar die große Trockenheit, die sich mit den steigenden Temperaturen im Sommer verschärfte und bis in den Herbst andauerte. Zwischen Februar und Juli fielen in Niedersachsen nur 57 Prozent der in diesem Zeitraum sonst üblichen Regenmengen. „Der Sommer war außergewöhnlich warm – der Zeitraum von April bis Juli war der wärmste seit Aufzeichnungsbeginn in Deutschland“, hält auch Gunter Wriedt fest, der den Jahresbericht des NLWKN verfasst hat. Wriedt hat herausgefunden, dass in einem Großteil der Grundwasser-Messstellen landesweit neue Tiefststände erreicht wurden. „Das Ausmaß der Grundwassertiefststände und die landesweite Ausprägung unterscheiden das Jahr 2018 deutlich von früheren Trockenperioden in den vergangenen 30 Jahren“, sagt er.

Wenig Wasser von oben, dazu die große Hitze, in der alles Nass an der Oberfläche gleich wieder verdunstet – beides hat dazu geführt, dass der Grundwasserstand auch in der Region früher als sonst üblich im Jahresverlauf deutlich abgesunken ist. Zwischen dem Hochstand zu Jahresbeginn und dem Tiefstand im Spätsommer fiel der Grundwasserstand in Sankt Jürgen um 0,6 Meter ab, am Saatmoor waren es sogar 1,5 Meter. In Heudorf in Worpswede waren es ebenfalls 1,5 Meter, während an den drei Messstellen im Tarmstedter Moor, in Wilstedt und Tarmstedt-Ort eine Absenkung um einen Meter gab. Aus Grasberg liegen keine Ergebnisse vor, weil die dortige Messstelle nicht zur Auswertung herangezogen wurde. In Niedersachsen gab es Orte, an denen sich das Grundwasser um mehr als zwei Meter absenkte. Aber das war teils darauf zurückzuführen, dass die dortigen Landwirte ihre Felder bewässerten und das Grundwasser so zur Neige ging.

Im Landkreis Osterholz spielt die künstliche Bewässerung von Ackerflächen keine Rolle, ein Einfluss der Landwirtschaft auf den Grundwasserstand dürfte also auszuschließen sein. Was es heißt, lange Zeit ohne Regen und mit großer Hitze auszukommen, bekamen viele Landwirte in der Region auf andere Weise zu spüren: „Die Ernte war schlecht“, sagt der Osterholzer Kreislandwirt Stephan Warnken. Dass die Grundwasserstände derart gesunken sind, überrascht den Huxfelder nicht: Man müsse nur auf die Moorstraßen schauen, von denen im vergangenen Jahr viele durch die anhaltende Trockenheit abgesackt sind. Und die Trockenheit bleibt ein Thema für die Landwirtschaft: Nach wie vor seien die Böden zu trocken, den Winter über sei zu wenig Niederschlag gefallen.

Eine Prognose, wie es mit dem Grundwasser weitergeht, mag der NLWKN nicht abgeben: „Ob die Niederschläge des Winters für eine Erholung der Grundwasserstände gesorgt haben, ist Gegenstand aktueller Untersuchungen“, sagt Sprecher Achim Stolz. Viele Messstellen, so erklärt er, würden erst mit einer zeitlichen Verzögerung auf die Niederschlagsentwicklung reagieren, daher sei es zu früh, eine Aussage treffen zu können. Zu tun habe die Verzögerung mit den Schichten, die über den Grundwasserschichten liegen. Bis Regenwasser durchsickere und unten ankomme, könnten Monate vergehen.

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