Neue Schülerzahlen-Prognose für Lilienthal

Fünfte Grundschule auf der Kippe

Der Neubau der fünften Grundschule in Lilienthal steht eventuell auf der Kippe. Nach der Auswertung der neuesten Schülerzahlen-Prognose bringt die Verwaltung die Erweiterung zweier Grundschulen ins Spiel.
29.04.2021, 05:00
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Von Lutz Rode
Fünfte Grundschule auf der Kippe

Die Grundschule Falkenberg soll laut Vorschlag der Verwaltung dauerhaft auf drei Züge erweitert werden. Gleiches gilt für die Grundschule Worphausen.

Lutz Rode

Lilienthal. Soll in Lilienthal eine fünfte neue Grundschule gebaut werden? Oder kippt der zweieinhalb Jahre alte Ratsbeschluss zugunsten einer dauerhaften Erweiterung der Grundschule Falkenberg plus einem Ausbau der Grundschule Worphausen? Mit diesen Fragen werden sich an diesem Donnerstag erstmals die Ratsleute im Bildungsausschuss auseinander setzen. Anlass ist die Prognose der Kinder- und Schülerzahlen bis 2029, die das Planungsbüro Sweco jetzt vorgelegt hat. Die Studie hat der Verwaltung gezeigt, dass pro Jahrgang mindestens eine Klasse zusätzlich nötig ist, damit die Grundschulen bis 2029 genug Platz für alle Kinder haben. Ein weiterer Zug wird gebraucht, um zu vermeiden, dass die Schulbezirke immer wieder angepasst werden müssen, um Engpässe auszugleichen. Das hat zuletzt für reichlich Verdruss und Ärger gesorgt.

Der Vorschlag aus dem Rathaus sieht vor, dass die Gemeinde eine zweizügige neue Grundschule baut oder aber als Alternative die Standorte in Falkenberg und Worphausen erweitert werden. Für Worphausen spricht laut Fachbereichsleiter Andreas Cordes, dass die Ortschaft wächst und dort perspektivisch weitere Baugebiete angedacht sind. Für Worphausen spricht laut Rathaus auch, dass das vorhandene Schulgrundstück für einen Erweiterungsbau groß genug wäre und kein zusätzlicher Grunderwerb nötig sei. Die Gemeinde schlägt vor, die Wirtschaftlichkeit beider Varianten durchrechnen und vergleichen zu lassen, um dann durch die Politik entscheiden zu lassen, wie es weitergeht.

Dass an einer Ausweitung des Grundschulplatzangebots kein Weg vorbei führt, schließen die Rathaus-Fachleute aus der 49-seitigen Studie, die Sweco für sie angefertigt hat. Die Untersuchung knüpft an vergangene Prognosen an, die zuletzt 2018 aktualisiert worden sind. Die Verfasser haben ausgewertet, wie sich Bevölkerungs- und Kinderzahlen in den vergangenen Jahren entwickelt haben und daraus für jede der vier Lilienthaler Grundschulen die künftige Auslastung abgeleitet. Dabei wurde auch berücksichtigt, wie es mit der Wohnbebauung Lilienthals bis 2029 weitergehen könnte.

Mauerseglerstraße spielt keine Rolle

Neben den bereits vorhandenen Baugebieten spielen auch die so genannten Zukunftsflächen eine Rolle - eine Liste möglicher Flächen, die aus Sicht der Verwaltung und nach Absprache mit der Politik grundsätzlich das Zeug dazu haben, Bauland zu werden. Ihre genaue Lage wird mit Blick auf die Eigentumsverhältnisse und mögliche Preisspekulationen bewusst unter Verschluss gehalten. Kein Geheimnis ist: Die Mauseglerstraße spielt bei der neuesten Prognose keine Rolle mehr. Das Gebiet nahe der Entlastungsstraße ist herausgefallen, nachdem die umstrittenen Planungen vor etwas mehr als einem Jahr abrupt gestoppt wurden. Es gab den Vorwurf einer versuchten Bestechung eines Ratspolitikers, mit der Folge, dass das Aus der bereits weit gediehenen Planungen besiegelt wurde. Das hat Folgen für die Prognose: Dadurch, dass die Mauerseglerstraße weggefallen ist, werden weniger Grundschüler in Lilienthal erwartet.

Ein Sweco-Mitarbeiter will die Ergebnisse der Studie dem Ausschuss vorstellen. Die Verwaltung hat die Fraktionen zudem vorab über einige Kernaussagen informiert, erst wenige Tage alt ist jedoch der Vorschlag, welche Schlüsse sie aus dem Zahlenwerk zieht. Eigentlich sollte die Prognose schon viel früher vorgestellt werden, doch die Erstellung geriet zur Hängepartie. Zwischen der Gemeinde und Sweco gab es offenbar einigen Klärungsbedarf, was zu einer deutlichen Verzögerung von einem Dreivierteljahr führte.

Lange Standortdebatte

Die Lilienthaler Politiker stehen jetzt vor der Frage, ob sie an ihrem Beschluss vom September 2018 festhalten wollen. Damals entschied sich der Gemeinderat für den Bau einer fünften Grundschule mit zwei Zügen plus der Möglichkeit, diese bei Bedarf um einen Zug zu erweitern. Über mögliche Standorte wurde viel diskutiert: Erst sollte der Fußball-B-Platz des SV Lilienthal/Falkenberg herhalten, dann kam kurzzeitig der Bogenschießplatz hinter dem Hallenbad ins Gespräch, später dann gingen die Planungen in Richtung Mauserseglerstraße, wo der Investor ein Grundstück für den Schulneubau an die Gemeinde abtreten wollte. Unterdessen rückte auch ein Grundstück an der Moorhauser Landstraße mit einer denkmalgeschützten Wurt als Alternative in den Fokus. Zuletzt machte Bürgermeister Kristian Tangermann von sich reden, als er Anfang des Jahres in Klostermoor an der 1. Landwehr/Ecke Im Dorfe für die Gemeinde ein 4600 Quadratmeter großes Grundstück erwarb, aus dem Budget, das im Haushalt für den Grunderwerb für die fünfte Grundschule und den Neubau einer Kita vorgesehen ist.

Die Fraktion der Querdenker hat sich übrigens schon entschieden: Fraktionsvorsitzender Ingo Wendelken hat beantragt, dass der Ratsbeschluss für den Neubau der fünften Grundschule aufgehoben werden soll. Er favorisiert den Anbau-Vorschlag. Wendelken geht davon aus, dass die Erweiterung günstiger ist und sich schneller als ein Neubau umsetzen ließe.

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Zur Sache

Das steht noch an im Ausschuss

Der Ausschuss für Bildung und Kultur kommt an diesem Donnerstag, 29. April, ab 18 Uhr in der Aula der Integrierten Gesamtschule zusammen. Neben der Prognose der Kinder- und Schülerzahlen für die Jahre 2020 bis 2029 soll auch ein Blick auf die Situation der Kinderbetreuung und die Anmeldungen in den Kitas geworfen werden. Auch zum Stand des Digitalpakts kündigt die Verwaltung Informationen an. Darüber hinaus liegen Anträge vom TSV Worphausen und vom TC Falkenberg vor, die ihre Sportstätten sanieren wollen. Schließlich wird noch über den Antrag der CDU/FDP-Gruppe beraten, dass sich Lilienthal für die Special Olympics 2023 als „Host Town“ bewerben soll, sprich Lilienthal für vier Tage Gastgeber einer Delegation aus einem Teilnehmerland werden könnte.

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