Erdgassuche

Gleicher Plan, neue Strategie

Die Ablehnung der Erdgasförderung rund um Bremen hat die Verantwortlichen der Deutschen Erdoel AG nach eigenen Worten überrascht. Sie wollen an ihren Plänen festhalten, sie in Zukunft aber besser erklären.
10.03.2019, 20:41
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Gleicher Plan, neue Strategie
Von André Fesser

Die Deutsche Erdoel AG (Dea) will unter Bremen und dem Bremer Umland auch weiterhin nach Erdgas suchen. Das hat der Vorstand des Unternehmens, Dirk Warzecha, in einem Gespräch mit der WÜMME-ZEITUNG, einer Regionalausgabe des WESER-KURIER, bekräftigt. Zwar läuft die Erlaubnis zur Aufsuchung von Bodenschätzen im Raum Bremen sowie in Teilen der Landkreise Osterholz, Verden und Rotenburg in diesem Sommer aus, die Dea werde sich aber um eine Verlängerung bemühen: „Wir möchten gern weitersuchen“, sagt Warzecha.

Die Deutsche Erdoel AG ist seit Jahrzehnten in der Region aktiv und hat über ihre Bohranlagen in Niedersachsen in den vergangenen Jahren nach eigenen Angaben viele Milliarden Kubikmeter Erdgas gefördert. Nachdem das Unternehmen im Spätsommer vergangenen Jahres angekündigt hatte, seine Aktivitäten ausweiten und somit näher an die Bremer Landesgrenze heranrücken zu wollen, regte sich bei den Bürgern der Widerstand.

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So lehnen es viele Grundeigentümer in den Landkreisen ab, dass die Dea ihr Land für die Messungen befährt. Das Unternehmen beabsichtigt unter anderem, mit sogenannten Vibrotrucks den Erdboden in Schwingungen zu versetzen, um über das Echo dieser Vibrationen Informationen auf die Bodenbeschaffenheit in fünf Kilometern Tiefe zu erhalten. Die Dea-Ingenieure gehen davon aus, dass sich dort noch mehr Gas befindet und wollen herausfinden, ob sich eine Bohrung lohnen könnte. Viele Menschen lehnen das ab und haben sich in den vergangenen Monaten in Bürgerinitiativen organisiert. Sie befürchten, dass auf die Messungen schon bald der Bau weiterer Förderanlagen folgen könnte.

Ausmaß des Widerstandes überrascht Dea-Verantwortliche

Das Ausmaß dieses Widerstandes hat auch die Dea-Verantwortlichen überrascht, wie Vorstand Warzecha gegenüber unserer Redaktion einräumt. Er betont, dass die Dea die Gasförderung sicher und umweltgerecht betreiben kann. „Würden wir etwas nicht umweltgerecht machen können, machen wir es nicht“, so Warzecha.

Die Gegner der Vorhaben sehen das anders. Ein Vorfall auf einer Dea-Anlage, bei der vor Jahren Benzol ausgetreten ist, hat bei den Anwohnern für Skepsis gesorgt. Auch eine Häufung von Krebsfällen in der Nähe eines Fördergebiets im Landkreis Rotenburg bringt viele zu dem Schluss, dass man die Förderung lieber stoppen sollte, zumal die Dea nun im Bereich des Trinkwasserschutzgebietes Panzenberg bei Verden aktiv ist. Das Wasser von dort trägt maßgeblich zur Versorgung der Bremer Bevölkerung bei. Ob die Krebsfälle eine Folge der Gasförderung sind, ist weiter unklar.

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Warzecha zufolge sind die Botschaften angekommen. Der Vorfall auf der eigenen Anlage, aber auch die Diskussion über das umstrittene Fracking-Verfahren hätten das Image der Erdgasförderung beschädigt. Die Dea habe in Deutschland schon seit Anfang des Jahrzehnts nicht mehr gefrackt, und es gebe auch keinen Fall, in dem durch das Fracking das Trinkwasser gelastet wurde. Dennoch müsse man sich den Ängsten stellen, so der Dea-Vorstand.

Trinkwasser soll geschützt werden

Obendrein wolle man das Trinkwasser genauso schützen wie die Bürgerinnen und Bürger. So hat das Unternehmen angekündigt, für die Aktivitäten am Panzenberg eine freiwillige Umweltverträglichkeitsprüfung vorzunehmen. Außerdem ist der Plan für seismische Messungen in den Landkreisen Rotenburg, Verden, Diepholz und Osterholz auf unbestimmte Zeit auf Eis gelegt. „Wir haben bislang kein bestimmtes Datum im Kopf, die Messungen wieder aufzunehmen.“

Stattdessen wolle man nun erst mal intensiver über die Vorhaben informieren. Das ist auch nötig: Denn die Ablehnung der Erdgasförderung westlich von Bremen hat auch die Kommunalpolitik erfasst. In den Gemeinderäten und Kreistagen sind die Pläne der Dea in den vergangenen Monaten durchweg durchgefallen. Man wolle daher nun erneut Gespräche mit den zuständigen Politikerinnen und Politikern führen, kündigt Warzecha an, zudem wolle man auf Bürgerveranstaltungen präsent sein. Wie das aussehen kann, zeigte sich erst vor ein paar Tagen. Bei einem Infoabend der Bürgerinitiative „No Moor Gas“ in Bremen-Borgfeld ließen sich gleich mehrere Vertreter des Unternehmens blicken.

Die Öffentlichkeit reagiere anders als früher, sie gehe anders mit ihren Ängsten um, so Warzecha zum Umdenken bei den Gasförderern. „Dem müssen wir uns stellen.“

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