Gymnasium Lilienthal

Nur Ladebalken statt Lehrer auf dem PC-Bildschirm

Die Schulplattform IServ, die auch am Gymnasium Lilienthal genutzt wird, war zum Schulstart in Niedersachsen am Montag teilweise überlastet. Videokonferenzen und digitaler Unterricht fielen aus.
11.01.2021, 18:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Lutz Rode

Lilienthal. So hatten sich die mehr als 1000 Schüler des Gymnasiums Lilienthal, deren Eltern und Lehrer den Start ins Homeschooling nicht vorgestellt: Am Montagvormittag brach in vielen Familien das große Chaos aus, weil es kaum jemand schaffte, sich vom heimischen Computer aus einen Zugang zu angekündigten Videokonferenzen oder Lernaufgaben auf der Online-Plattform IServe zu verschaffen. Kein Einzelfall: In ganz Niedersachsen meldeten Schulen solche Startprobleme zum Schulbeginn unter Corona-Bedingungen. Erst ab dem frühen Nachmittag, als die meisten schon aufgegeben haben dürften, konnten auch Lilienthaler Schüler wieder den Draht zu ihrer Schule herstellen.

In den Whats-App-Gruppen der Eltern machte sich schon kurz nach acht Uhr der erste Frust breit, weil sich die meisten Kinder und Jugendlichen nicht oder nur zeitweise einloggen konnten. Auch der Zwölftklässler Robert Alt guckte in die Röhre. „10 Uhr – erste Ernüchterung. Der digitale Unterricht via Videokonferenz muss leider ausfallen“, trug er in sein Protokoll des Vormittags ein, das er frustriert und verärgert an die WÜMME-ZEITUNG schickte. Um 11 Uhr lautete seine Meldung: „Es funktioniert immer noch nichts. Auf dem Bildschirm sieht man keinen Lehrer, nur den Ladebalken.“

Auf Nachfrage bei der IT-Administration erfuhr der 17-Jährige nach eigenen Angaben, dass der schuleigene Server heillos überlastet sei. Dem widerspricht Schulleiter Denis Ugurcu: Nicht das Netzwerk des Gymnasiums habe Probleme bereitet, sondern die IServe-Plattform an sich. „Ich kann den Ärger der Schüler und Eltern verstehen. Auch ich bin verärgert“, sagt Ugurcu. Wenn es nach ihm ginge, wäre das Gymnasium schon längst zu einem anderen Anbieter gewechselt, dessen System stabiler laufen soll. Eine solche Anschaffung wurde mit Hinweis auf Datenschutz-Probleme abgelehnt.

Eltern haben kein Verständnis für die Pannen, seit dem Ausbruch der Pandemie sei klar, dass die Digitalisierung an den Schulen vorangebracht werden müsse. Das Land hätte genügend Zeit gehabt, sich um vernünftige technische Lösungen zu kümmern. Das aber sei versäumt worden, hieß es.

Die Braunschweiger Firma IServe meldete am Nachmittag, dass die Probleme mit dem Videokonferenz-Modul behoben seien. Alle anderen Module hätten ohnehin funktioniert. „Unsere Serverleistungen sind auch für sehr großes Nutzeraufkommen ausgelegt und extrem belastbar“, teilte das Unternehmen mit. Es empfahl den Schulen, Videokonferenzen nicht zum selben Zeitpunkt zu starten. Auch technische Empfehlungen erhielten die Anwender in den Schulen.

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