Handball HSG LiGra: Einst Rivalen, heute eine Familie

Im Mai dieses Jahres legten die beiden Handballvereine HV Grasberg und der TV Lilienthal den Grundstein für eine gemeinsame Zukunft.
12.12.2019, 14:45
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Von Jonas Bargmann

Lilienthal/Grasberg. Im Mai dieses Jahres legten die beiden Handballvereine HV Grasberg und der TV Lilienthal den Grundstein für eine gemeinsame Zukunft. Seit dieser Saison sind die beiden Vereine unter dem Namen HSG LiGra sowohl im Jugendbereich als auch im Herrenbereich sowie im Damenbereich mit einigen Teams vertreten.

Die beiden Herrenteams, die in der Bremen-Liga um Punkte kämpfen, wussten bisher zu überzeugen. Während die Mannschaft von Neu-Trainer Uwe Dobrunz mit neun Siegen und einer Niederlage ihre Aufstiegsambitionen untermauern, steht auch die „Zweite“ unter der Leitung von Matthias Gust als Tabellendritter hervorragend da.

„Die Voreingenommenheiten und die Skepsis waren zu Beginn natürlich recht groß. Lilienthal und Grasberg – das war eigentlich ein Derby wie der Hamburger SV gegen den SV Werder Bremen. Da wollten manche anfangs nicht nach Grasberg fahren und mit denen zusammenspielen“, sagt Christian Arlt, Spieler bei der HSG LiGra II, um direkt anzuschließen: „Aber die Zweifel sind mittlerweile verflogen. Durch die Strukturen und den ehrenamtlichen Leuten, die sich mit dem Projekt auseinandersetzen, haben wir einen Verein, der wie eine Großfamilie ist und über doppelte Power verfügt. Die HSG LiGra ist momentan ein voller Erfolg.“

Und Carsten Buschmann, auf der Platte bei der „Ersten“ und als Sport-Koordinator der HSG tätig, ergänzt: „Für beide Vereine hat der Zusammenschluss nur Vorteile. Jetzt können wir Senioren- und Jugendhandball anbieten und den Aufwand auf beide Vereine aufteilen. Zumal unser Vereinsziel nur sein kann, dass wir von ganz klein bis ganz groß alle Mannschaften anbieten.“

Dass die Fusion auf sportlicher Ebene im Herrenbereich allerdings so gut läuft, war selbst aus LiGra-Sicht nicht zu erwarten gewesen. Zwar verpasste das damalige Grasberger Ensemble, das heute ein wichtiges Grundgerüst der ersten LiGra-Mannschaft darstellt, im vergangenen Jahr knapp den Aufstieg in die Landesklasse, während die Lilienthaler als Fünfter ins Ziel einliefen, dennoch waren sich viele Spieler vor der Saison fremd. Gemeinsame Trainingseinheiten und viele Aktivitäten, um den Teamgeist zu stärken, standen auf dem Vorbereitungsplan. Mit Erfolg. Nach rund der Hälfte der Runde scheinen die Zahnräder in beiden Mannschaften ineinander zu greifen. „Natürlich gibt es auch mal Abstimmungsprobleme, wir sind ja schließlich nicht bei 100 Prozent und es braucht eine gewisse Zeit, in der man warm miteinander wird. Aber die gemeinsamen Einheiten und Spiele helfen uns enorm“, so Buschmann.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass das Team von Uwe Dobrunz als derzeitiger Tabellenführer dieses Jahr den Sprung in die nächsthöhere Staffel anpeilt. Allerdings hat der SVGO Bremen II durch den knapp gewonnen direkten Vergleich einen kleinen Vorteil. Ein Trumpf könnte neben dem Rückspiel auch die vereinseigene „Zweite“ sein. „Die erste Mannschaft wird alles weghauen und wir wollen ihnen auf dem Weg zum Aufstieg den Rücken freihalten. Grambke liegt uns. Wir haben sie in den letzten zwei Jahren zwei oder dreimal bezwungen. Wir sehnen die Duelle herbei und sind hochmotiviert, ihnen ein Bein stellen zu wollen“, so Arlt.

„Außerdem ist meine Wunschvorstellung, und das sollte auch das Club-Ziel sein, dass wir die Saison auf dem dritten Platz beenden. Hier sehe ich die HSG Vegesack/Hammersbeck und die SG Buntentor/Neustadt II als unsere ärgsten Kontrahenten.“

Die Stärke in seinem Team sieht der Außenspieler vor allem in der Mischung zwischen jungen und alten Spielern. „Wir sind ein guter Mix“. Zum einen trage die Rückraumachse mit Marcel Claus, Eik Hapke, der zwischenzeitlich als Spielertrainer fungierte und den derzeitigen Trainer Matthias Gust ersetzte, sowie Arlt zum Erfolg bei. „Dazu haben wir aus der Grasberger Mannschaft einige junge Spieler bekommen, die zwischen 19 und 21 Jahre alt sind und noch laufen können“, sagt Arlt mit einem Schmunzeln. „Die können dann das Spiel schnell machen.“

Die Aufstiegsambitionen weist auch Buschmann nicht von der Hand. „Unser Ziel ist, dass die Erste eine Liga höher spielt und die Zweite sich in der oberen Tabellenregion platziert, um ein gutes Rückgrat zu bilden. Wir wollen zwei starke Mannschaften haben. Zudem sollen die Jugendspieler herangeführt werden. Die alten Hasen sollen irgendwann den jungen Akteuren den Vortritt lassen. Der Zeitpunkt dafür ist jetzt aber noch zu früh. Der ein oder andere ist noch nicht so weit und sammelt in den nächsten ein oder zwei Jahren erst einmal soviel Erfahrung, um in der ersten Mannschaft anzugreifen“, so der Routinier. Und Arlt fügt hinzu: „Mit Marvin Meyer und Janis Semken hat die erste Mannschaft zwei junge Spieler dazugewonnen. Das sind die Mosaiksteinchen, die der Grasberger Mannschaft in der abgelaufenen Spielzeit noch gefehlt haben. Jetzt ist die Mannschaft aber auch auf jeder Position doppelt gut besetzt.“

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