IGS Lilienthal

Erster Abiturjahrgang verabschiedet

Als die IGS Lilienthal vor neun Jahren ihren Betrieb aufnahm, war vielen nicht klar, ob das Modell bestehen würde. Jetzt hat die Schule ihren ersten Abiturientenjahrgang verabschiedet.
01.07.2021, 21:36
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Erster Abiturjahrgang verabschiedet
Von André Fesser
Erster Abiturjahrgang verabschiedet

Endlich geschafft: 59 Schülerinnen und Schüler erhielten ihre Abi- und Fachabizeugnisse.

CARMEN JASPERSEN

Lilienthal. Die Frage, ob diese jungen Leute nun Pioniere waren oder doch eher Versuchskaninchen, wurde am Ende nicht entschieden. Die Antwort hängt wohl vom Standpunkt ab. Hört man den Verantwortlichen der Integrierten Gesamtschule Lilienthal (IGS) zu, dann sind die 59 Schülerinnen und Schüler, denen am Donnerstagabend auf dem Schulgelände im Herzen Lilienthals die Abiturzeugnisse in die Hand gedrückt wurden, ganz klar Ersteres: Sie haben es als erster Jahrgang überhaupt an der 2012 eröffneten IGS zur Hochschulreife gebracht. Sie sind die Wegbereiter, die gezeigt haben, dass das IGS-Modell mit den Standorten in Lilienthal und Grasberg funktioniert. Und somit sind sie auch die Rechtfertigung für den Landkreis und die Gemeinden, dass es richtig war, diesen pädagogischen Weg einzuschlagen.

LIL IGS (Fach-) Abiturverleihung des Jahrgangs Heinrich 2021

Stolze Schulleiterin: Karina Kögel-Renken spricht bei der Abiturfeier zu Schülern und Eltern.

Foto: CARMEN JASPERSEN

Lässt man hingegen die Absolventen sprechen, ist hin und wieder eben doch von dem Gefühl die Rede, ein Versuchsobjekt gewesen zu sein. Die Schülersprecher Joschua Helvogt und Kristin Rohdenburg verpackten das in ihrem launigen Beitrag vor Mitabsolventen, Lehrern und Offiziellen so geschickt, dass nicht immer klar war, was nun Witz und was Wahrheit sein sollte: "Als wir 2012 hier eingeschult wurden", so Helvogt, "hätten wir nicht gedacht, dass wir es so weit schaffen." Wobei es die Oberstufe und die Möglichkeit, an der IGS das Abitur machen zu können, zu diesem Zeitpunkt auch noch gar nicht gab.

Gemeinsamer Erfolg

Schulleiterin Karina Kögel-Renken war der Stolz anzumerken, als sie in ihrer Rede auf die vergangenen Jahre zurückblickte. Sie sprach von der Schule der Vielfalt, die Perspektiven für unterschiedliche Menschen, aber auch vielfältige Abschlussmöglichkeiten bieten sollte. Von der Idee einer Schule, die Heimat und Lebensraum sein soll, und in der man auf unterschiedlichen Wegen zum Ziel kommen kann. Sie räumte ein, dass es Momente des Zweifels gegeben habe, und dass vor allem in den vergangenen Monaten der Leitgedanke eines offenen Konzepts in den Hintergrund treten musste. Aber Versuchskaninchen seien die Schüler nicht gewesen. "Ihr wart nur die allerersten", sagte Kögel-Renken, die das Ziel, das man vor Jahren ins Auge gefasst hatte,  mit dem Abschluss des ersten Abiturjahrgangs erreicht sieht. Man habe es gemeinsam erreicht, gab sie den Schülerinnen und Schülern mit: "Euer Erfolg ist auch unser Erfolg!" 

LIL IGS (Fach-) Abiturverleihung des Jahrgangs Heinrich 2021

Das Wetter in Lilienthal spielte mit: Die Abschlussfeier konnte plangemäß im Freien stattfinden.

Foto: CARMEN JASPERSEN

Kögel-Renken, aber auch die Grasberger Bürgermeisterin Marion Schorfmann hoben zugleich das Vertrauen hervor, dass die Eltern in die IGS gesetzt haben. Mit 156 Fünftklässlern war die Schule vor neun Jahren an den Start gegangen, viele haben die IGS nach den Klassen 9 und 10 verlassen. Und folgt man Schorfmann, dann haben all jene, die bis zum Ende geblieben sind, Großes geleistet: "Ihr habt einen Heldenstatus. Ihr habt diese Schule geformt."

Lesen Sie auch

Oder ertragen, wie Joschua Helvogt durchblicken ließ. Zwar hat sich die Schule im Laufe der Jahre weiterentwickelt. Erst Mitte 2020 war das neue Oberstufengebäude eröffnet worden. Man habe aber feststellen müssen, dass es sich dabei um ein öffentliches Gebäude handelt: "Kaputter Fahrstuhl, kaputte Heizung, aber immerhin keine Stoffvorhänge an den Fenstern." Die Erste Kreisrätin Heike Schumacher, die dem Jahrgang seit Anbeginn als Patin zur Seite stand, nahm die augenzwinkernde Schelte mit Humor.

Alles andere als einfach

Die Schüler schlugen auch wahrhaft ernste Töne an. Den Vorwurf, das Abitur zu erlangen, sei doch einfach, zumal in Corona-Zeiten, wollten sie nicht stehen lassen. Sie verwiesen auf den Kampf mit sich selbst, mit Eltern und Lehrern und mit den Bedingungen, denen sie in den vergangenen Monaten ausgesetzt waren. Ohne den Präsenzunterricht und ohne das Lachen, das das Miteinander in der Schule eben auch ausmacht. Einfach sei es also keineswegs gewesen, sagte Kristin Rohdenburg. "Aber was ist schon einfach? Das Leben? Das werden wir schon noch sehen."

Sehen konnte man bereits am Donnerstag, wer für seinen schulischen Einsatz besonders gewürdigt wurde. Oberstufenleiter David Niemann holte Jette Voigt und Tim-Jarre Spinken nach vorn. Beide haben gleich mehrere Fachprüfungen mit dem Höchstwert von 15 Punkten abgelegt, was für sie jeweils die Abiturnote 1,2 bedeutete. Joschua Helvogt wurde für sein besonderes Engagement geehrt. Er hat seine Mitschüler seine gesamte IGS-Laufbahn hindurch als Klassensprecher, Jahrgangssprecher und Schülersprecher vertreten. Eine Würdigung erfuhren auch Helen Ott für ihr Umweltengagement an der Schule und Josephin Böttjer für ihre künstlerische Begabung.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+