Kommunales Kino

Im Rausch der Daten

Ralf Bendrath ist politischer Berater und gilt als Datenschutzexperte. Beim nächsten Filmabend in Lilienthal beantwortet er Fragen zur neuen EU-Datenschutzverordnung. Gezeigt wird der Streifen „Democracy“.
04.10.2018, 11:10
Lesedauer: 3 Min
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Im Rausch der Daten
Von Silke Looden
Im Rausch der Daten

Ralf Bendrath und Jan Philipp Albrecht (rechts) in einer Szene aus dem Dokumentarfilm "Democracy.

David Bernet

Der Film zeigt das Ringen um die neue Europäische Datenschutzverordnung, die seit Mai auch in Deutschland in Kraft getreten ist. Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?

Ralf Bendrath : Ja, auf jeden Fall. Die haben in Farbe gedreht. Beim sichten des Materials hat der Regisseur dann die Farbe rausgedreht und gemerkt, das sieht viel besser aus. Also nicht nur thematisch, auch ästhetisch finde ich den Film einfach super.

Warum tut sich die EU so schwer damit, ihre Bürgerinnen und Bürger vor Datenmissbrauch zu schützen?

Das Problem sind die Lobbyisten. Nicht nur die großen Internetgiganten wie Facebook oder Google, sondern auch die Versicherungen und Behörden. Alle Unternehmen, die mit personenbezogenen Daten zu tun haben, müssen sich heute an die neue Datenschutzverordnung halten. Da haben viele versucht, das einfach abzuschwächen, um auch weiterhin Daten zu anderen Zwecken zu nutzen als für den Zweck, für den diese erhoben wurden. Das war ein harter Kampf.

Im Film heißt es, die Macht der Daten im 21. Jahrhundert sei vergleichbar mit der Macht des Öls im 20. Jahrhundert. Ist diese Einschätzung nicht ein wenig übertrieben?

Das ist ein schwieriger Vergleich. Das Öl ist knapp. Daten sind es nicht. Daten sind kein Rohstoff, sondern Daten betreffen Menschen. Daten können nicht einfach als Ware bezeichnet werden. Von der Bedeutung her ist es vielleicht schon vergleichbar.

Sehen Sie eine Gefahr für die Demokratie, wenn Daten in falsche Hände geraten?

Das haben wir im Frühjahr gesehen beim Skandal um Facebook und Cambridge Analytica. Daten werden benutzt, um Wahlen zu manipulieren. Wir diskutieren gerade im Parlament eine Resolution infolge des Facebook-Skandals. Da geht es darum, ob politische Werbung in sozialen Medien transparenter sein muss oder ob es ein Verbot geben muss, wenn die Werbung auf persönlichen Profilen basiert. Sonst bestimmt am Ende Facebook darüber, was wir als Bürger vor Wahlen an politischen Inhalten zu sehen bekommen. Das ist ein zu großes Risiko für eine Demokratie.

Wir installieren Apps auf dem Smartphone und nehmen in Kauf, dass die Anbieter der Apps unsere Daten sammeln. Warum geben Menschen ihre persönlichen Daten so leicht preis?

Die Menschen haben oft nicht die Wahl. Wer sich heutzutage nicht sozial isolieren will, muss sich in den sozialen Medien tummeln, weil die Freunde auch da sind. Dafür aber braucht es klare Regeln, also gesetzliche Vorgaben, um Rechte durchzusetzen. Als Verbraucher kann ich auch nicht zu VW gehen und bessere Dieselwerte verlangen, wenn es keine rechtliche Handhabe gibt.

Immer neue Skandale um gestohlene Daten durch gehackte Accounts machen Schlagzeilen. Was kann jeder Einzelne tun, um seine Daten besser vor Missbrauch zu schützen?

Das ist schwierig. Ich persönlich bin bis heute nicht auf Whatsapp, weil ich nicht möchte, dass Facebook meine Telefonnummer bekommt. Ich benutze auch keine Facebook-App auf meinem Smartphone. Bei E-Mails kann man überlegen, ob man nicht doch ein paar Euro im Monat ausgibt und einen Anbieter wählt, der keine Werbung verkauft. Vor allem aber sollte man nicht an allen möglichen Gewinnspielen im Internet teilnehmen, weil die Anbieter meist nur auf die Daten aus sind.

Brauchen wir mehr Sensibilität im Umgang mit den eigenen Daten?

Ja, aber das kann der einzelne Verbraucher nur schwer durchsetzen gegenüber den Firmen. Dafür braucht es Gesetze wie die neue Datenschutzverordnung. Da gibt es jetzt schon viele Beschwerden, weil Facebook, Google und Co. immer noch nicht konform sind mit den neuen Vorschriften.

Was versprechen Sie sich von dem Filmabend mit anschließender Diskussion am 12. Oktober in Lilienthal?

Ich möchte über den Datenschutz informieren, aber auch darüber, wie das politische Geschäft in Brüssel funktioniert. Es gibt doch nach wie vor sehr viele Vorurteile. Das sind keine abgehobenen Bürokraten und Technokraten, die nur auf einen Versorgungsposten aus sind. Hier sind Leute, die sich engagieren und mit Leidenschaft um die Sache ringen.

Das Gespräch führte Silke Looden.

Info

Zur Person

Ralf Bendrath

ist Berater der Grünen im Europaparlament. Der Experte für Digitales steht beim Filmabend in Murkens Hof am Freitag, 12. Oktober, um 19.30 Uhr Rede und Antwort zur neuen EU-Datenschutzverordnung. Gezeigt wird der Film „Democracy".

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