Kommentar zu Wartezeiten vor den Wahllokalen

Wählen muss einfach sein

Warteschlangen vor den Wahllokalen? Eigentlich ein gutes Zeichen. Der Staat muss aber aufpassen, dass er die Geduld seiner Mitglieder nicht überstrapaziert und an Akzeptanz verliert, kommentiert André Fesser.
19.09.2021, 05:00
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Wählen muss einfach sein
Von André Fesser

Dass sich die Menschen vor den Wahllokalen drängen, um ihre Stimme abgeben zu können, kann man auch als gutes Zeichen werten. Denn wer wählt, der zeigt, dass es ihm oder ihr nicht egal ist, wie sich die Dinge entwickeln. Insofern waren die Menschenschlangen an den Wahlkabinen der Region am vergangenen Sonntag vielleicht auch so etwas wie ein Bekenntnis zu unserem politischen System.

Dieses System kann auch ganz schön anstrengend sein. Demokratie lebt von der Beteiligung und vom Diskurs, vom Streit für die gute Sache und von der Bereitschaft, die eigenen Vorstellungen auch mal nicht durchsetzen zu können, wenn die Mehrheit andere Pläne verfolgt. Die Demokratie muss gepflegt und verteidigt werden. Und manchmal strapaziert sie auch die Geduld der Menschen. Zum Beispiel, wenn es bis zu einer Entscheidung mal wieder etwas länger dauert. Oder wenn man am Wahltag eine Dreiviertelstunde warten muss, bevor man endlich sein Kreuzchen machen darf. Das ist der Preis dieses Systems.

Manchen ist der Preis zu hoch und jene, die das System organisieren, müssen aufpassen, dass sie diese Menschen nicht wieder verlieren. Wenn sich Wahlberechtigte frustriert abwenden, weil ihnen die Wartezeit vor dem Wahlvorgang zu lang erscheint, dann hat der Staat etwas falsch gemacht. Mag sein, dass den Leuten nicht klar ist, welchen Wert die Wahl hat und dass es sich lohnen kann, die Unannehmlichkeiten in Kauf zu nehmen. Ein Staat, der sich um den Erhalt seiner selbst sorgt, muss die Hürden für die Beteiligung aber auch niedrig halten, um Akzeptanz zu erzielen.

So ist es nur gut, dass es jetzt in Lilienthal und Ritterhude mal geknallt hat, damit vor dem nächsten Wahltag am 26. September Abläufe optimiert und vielleicht auch einfach nur mehr Wahlkabinen aufgestellt werden können. Denn vermutlich werden in den Wahllokalen abermals viele Menschen auftauchen. Sie alle wissen, dass Wählen wichtig ist. Es muss aber auch einfach sein.

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