Schädlingsbekämpfer im Einsatz

Auf der Jagd nach Ratten

Die Gemeinde Lilienthal setzt bei der Rattenbekämpfung im Ort auf die Hilfe eines professionellen Schädlingsbekämpfers. Wer zu Hause Ratten hat, soll sich im Rathaus melden.
03.01.2021, 19:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Lutz Rode

Lilienthal. Bei der Rattenbekämpfung in Lilienthal will die Gemeinde nichts dem Zufall überlassen. Damit sich die Nager gar nicht erst flächendeckend ausbreiten, arbeitet das Rathaus mit einem professionellen Schädlingsbekämpfer zusammen. Bei Bedarf rückt er im Auftrag der Verwaltung aus, um den Tieren, die Krankheiten übertragen und immense Fraßschäden anrichten können, frühzeitig den Garaus zu machen. Auch Privatleute können sich ans Rathaus wenden, wenn sie zu Hause einen Rattenbefall bemerken. Sollte herauskommen, dass ein größeres Problem droht, ist der Rattenbekämpfer zur Stelle. Denn der weiß, wie man die Plagegeister wieder loswird und wie man die Ursachen für den Befall beseitigt.

Dienstags ist der Lilienthal-Tag im Tourenkalender der Firma Heinsohn aus Schiffdorf, die mit der Gemeinde einen Vertrag über die Rattenbekämpfung geschlossen hat. Ihr Weg hat sie vor einigen Tagen auch nach Westerwede geführt, nachdem Mieter einer Wohnung von sich aus Alarm geschlagen hatten. Im Hohlraum einer Rigipswand gab es seit Wochen mächtig Rabatz, sogar ein faustgroßes Loch hatten die ungebetenen Gäste hineingefressen. Schädlingsbekämpfer Hans-Joachim Boese reichte ein Blick, um zumindest in einem Punkt Entwarnung zu geben. Nicht Ratten sind das Problem, sondern Mäuse haben sich im Haus eingenistet – für den Fachmann eindeutig an den Kot-Spuren zu erkennen, die sich unter der Spüle angesammelt haben. „Wenn man den Kot zerdrückt, schimmert er leicht silbrig. Das sind Reste von Insekten. So sieht das nur bei Mäusen aus. Rattenkot ist kurz und dick und zerbröselt nicht“, sagt Boese.

Die Strategie der Mäuse-Bekämpfung unterscheidet sich im Prinzip nicht vom Vorgehen gegen Ratten: Der Schädlingsbekämpfer trachtet den Tieren nach dem Leben, im Haus und auch draußen werden dafür spezielle Köderstationen und verschließbare Boxen mit todbringendem Gift aufgestellt – so verpackt, dass weder Haustiere, Vögel oder Kinder damit in Kontakt kommen können. Doch ohne die Ursachen zu bekämpfen, bekommt man das Problem nicht dauerhaft aus der Welt. Im konkreten Fall hatten die Mäuse leichtes Spiel, ins Haus zu gelangen. „Das ist wie eine Autobahn für die Mäuse“, sagte Boese, als er an der Hauswand den hochrankenden Efeu entdeckte. Die Nager klettern dort hoch, bis sie irgendwo ein Schlupfloch in der Holzverkleidung entdecken. Gleiches gilt für den Wintergarten, der an eine hohe Hecke angrenzt. „Den Mäusen reicht eine Lücke in Kugelschreiberstärke, durch die sie sich zwängen können“, berichtete der Profi.

Was gar nicht geht, ist, wenn draußen Müll herumliegt, gelbe Säcke im Freien abgelegt oder gekochte Essensreste auf den Komposthaufen geworfen werden. Auch geöffnete Hundefutter-Packungen im Küchenschrank ziehen die Nager magisch an, und Essensreste gehören nicht in die Klospülung. Für Ratten stellt sich das wie ein großes Büfett dar, an dem sie sich laben können. Und angesichts der Vermehrungsfreudigkeit bleiben sie dann nicht lange allein. Zum kleinen Einmaleins der Nagerbekämpfung gehört einfach, dass die Menschen in Gärten und Häusern nichts herumliegen lassen, was die Tiere anlockt. Auch auf Vogelfutter stehen Ratten, die zwar nicht gut sehen, dafür aber umso besser riechen können, wie der Fachmann sagt. Aufräumen ist daher erste Bürgerpflicht, wenn man sich Ärger ersparen will. Auch das Verwischen von Spuren hilft und soll die Nager dazu bringen, in den Giftköder zu beißen. Der Fraßköder müsse für die Nager attraktiver sein als alles andere, was sonst noch im Haushalt zu finden ist.

Die Vorschriften für die Verwendung von Rattengift sind 2018 deutlich verschärft worden, weil sie nicht gut für die Umwelt sind und immer auch die Gefahr besteht, dass vergiftete Nager von Katzen oder Hunden gefressen werden, die dann durch die indirekte Aufnahme zugrunde gehen. Die Stoffe, die bei der Rattenbekämpfung eingesetzt werden, sind durchweg Blutgerinnungshemmer, die die Blutgefäße angreifen und dafür sorgen, dass die Nager innerlich verbluten. Bis die Mittel wirken, vergehen einige Tage – was auch bewusst so sein soll, weil die verbliebenen Ratten sonst spitz bekommen, dass der Tod ihrer Verwandtschaft mit dem Futter zusammenhängt. Tote Tiere findet der Schädlingsbekämpfer eher selten, weil sich die vergifteten Ratten zum Sterben meist in ein Versteck zurückziehen.

Durch die neuen Vorschriften ist der freie Verkauf von Rattengift stark eingeschränkt worden, berichten die Experten. Die Mittel, die noch in Baumärkten oder anderswo zu bekommen sind, enthalten nur bestimmte Wirkstoffe und die auch nur in sehr begrenzten Dosen. Die Profis halten nicht viel von diesem Zeug, weil dadurch das Risiko steigt, dass Nager den Angriff überstehen. Es gibt offenbar Tiere, die das Gift besser vertragen als andere. Pflanzen sie sich fort, entstehen Populationen, die gegen das Rattengift resistent sind, so die These. Effektiv und flächendeckend wirksam sind für die Fachleute nur Gifte mit Wirkstoffen der zweiten Generation, die aber wegen ihrer Gefährlichkeit nur von ausgewiesenen Fachleuten mit einem entsprechenden Sachkundenachweis eingesetzt werden dürfen.

Nach der geltenden Verordnung ist es grundsätzlich Sache der Grundstückseigentümer, gegen Ratten vorzugehen. In Lilienthal setzt man dennoch auf die Arbeit von Profis. „Wir könnten die Eigentümer verpflichten, es selber zu machen. Doch da fehlt häufig das Fachwissen. Die Tiere verenden dann vielleicht nicht, und irgendwann gibt es ein großes Rattenproblem“, sagt Ordnungsamtsleiterin Manuela Rugen. 5000 Euro stehen pro Jahr für die Rattenbekämpfung im Haushalt zur Verfügung, im Vertrag mit dem Schädlingsbekämpfer ist ein Kontingent an Einsätzen festgelegt. Wird es überschritten, muss die Gemeinde extra zahlen.

Bei der Gemeinde ist die Zahl der Rattenmeldungen gestiegen: 2018 waren es 37, 2019 meldeten sich 64 Betroffene, die dann Besuch vom Schädlingsbekämpfer erhielten, und bis einschließlich Oktober dieses Jahres waren es bereits 60 Meldungen. Jede Meldung steht für eine Anlaufstelle, die mitunter wegen nötiger Nachkontrollen bis zu vier Mal angesteuert werden muss. In jedem Fall läuft die Meldung über das Rattenvorkommen nur über das Ordnungsamt der Gemeinde (Telefon 04298/929- 156 oder -158) und nicht bei der Firma direkt. Bevor der Schädlingsbekämpfer in Gang gesetzt wird, prüfen die Fachleute die näheren Umstände und entscheiden dann, ob ein Einsatz nötig ist oder nicht.

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Behörde bestimmt Insekten

Nicht nur Ratten und Mäuse bereiten manchem Hausbesitzer Kummer, sondern auch Insekten wie Käfer, Ameisen, Milben oder Flöhe können den Alltag beeinträchtigen. Manchmal tauchen dort Krabbeltiere auf, bei denen nicht klar ist, worum es sich genau handelt. Das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) hilft im Zweifel bei der Bestimmung. In der Behörde gibt es Experten, die sich täglich mit Insekten und Spinnentieren befassen. Wer einen dieser kleinen Untermieter erwischt, kann ihn dorthin einsenden. Das Laves klärt dann, womit es die Leute zu tun haben. Auch Hinweise auf Gegenmaßnahmen werden genannt. 12,50 Euro beträgt die Gebühr pro Gutachten. Näheres auf der Homepage unter www.laves.niedersachsen.de. Stichwort „Schädlingsdiagnostik“.

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