Floorball-Bundesliga Play-offs

Lilienthal träumt nach 9:3 über Weißenfels weiter

Dank einer überragenden Galavorstellung fegten die „Wölfe“ den favorisierten Titelverteidiger vor knapp 200 Zuschauern mit 9:3 (2:0, 5:2, 2:1) aus der Halle.
31.03.2019, 20:46
Lesedauer: 3 Min
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Von Jan-Henrik Gantzkow
Lilienthal träumt nach 9:3 über Weißenfels weiter

Kein Durchkommen für Weißenfels: Die Abwehrarbeit des TVL war im Halbfinal-Heimspiel nahezu perfekt.

Christian Kosak

Lilienthal. Sollte der Halbfinalauftritt der Floorballer vom TV Lilienthal gegen den UHC Sparkasse Weißenfels wirklich das letzte Bundesligaspiel für lange Zeit in der Schoofmoorhalle gewesen sein, dann wäre es ein mehr als würdiger Abschied von den eigenen Fans gewesen: Dank einer überragenden Galavorstellung fegten die „Wölfe“ den favorisierten Titelverteidiger vor knapp 200 Zuschauern mit 9:3 (2:0, 5:2, 2:1) aus der Halle.

Nach einem denkwürdigen Spiel mischten sich in die grenzenlosen Jubelszenen so auch immer wieder ungläubige Blicke, wohl nicht wenige fühlten sich wie im Traum. Selbst der sonst so kritische Headcoach Jesse Backman war nach dem Husarenstreich begeistert: „Ich bin wirklich stolz auf die Mannschaft. Sie sind als Team zusammengewachsen, haben füreinander gekämpft und ein tolles Spiel gezeigt. Das war Floorball“, lobte Backman.

Und er hatte auch allen Grund, stolz zu sein. Von Beginn an zeigten sich die Hausherren in einem intensiven Duell mit etlichen rassigen Zweikämpfen hellwach. In der Defensive wurde mit viel Herzblut verteidigt, auf der anderen Seite durften die lautstarken Fans gleich reihenweise Traumtore bejubeln. So dauerte es nur knapp vier Minuten, ehe Erik Ebbinghaus sein Team nach einer perfekt ausgespielten Überzahlsituation in Front brachte. In der Folgezeit entwickelte sich eine temporeiche Partie, Lilienthal brillierte dabei immer wieder mit bärenstarkem Konterspiel.

Durch einen dieser Gegenangriffe fiel nach acht Minuten auch das 2:0: Janos Bröker bediente seinen Bruder Niklas mit einem Zauberpass, der vollendete nicht weniger sehenswert aus der Mitteldistanz. Bis zum Drittelende wurde die Führung clever verteidigt, selbst der finnische Ausnahmekönner Anssi Soini wurde mit guter Zweikampfhärte nahezu ausgeschaltet. Im zweiten Abschnitt spielten sich die Gastgeber dann in einen wahren Rausch. Zwar kamen die Gäste druckvoll aus der Kabine, Janos Bröker erhöhte aber früh auf 3:0 (21.). Spätestens als Frank Brinkmann kurz darauf nach einem weiteren Konter auf 4:0 stellte, verwandelte sich die Halle endgültig in ein Tollhaus.

Wie eine Wand standen die lautstarken Anhänger hinter ihrem Team und halfen so auch in schwierigen Situationen. Und die häuften sich in der Folgezeit, da Lilienthal aufgrund einiger durchaus diskutabler Entscheidungen gleich mehrfach in Unterzahl agieren musste. In einer dieser Phasen kam Weißenfels auch zum ersten Treffer, doch auch davon ließ sich an diesem ganz besonderen Tag kein Lilienthaler beeindrucken. Stattdessen glänzten die „Wölfe“ weiter im Offensivspiel und kamen sogar bei gegnerischem Powerplay zu Toren. Zweimal stand noch der Pfosten im Weg, dann behielt Toni Vuorsalo bei einem Strafstoß aber die Nerven (26.).

Maximilian Spöhle sorgte mit einem schönen Treffer zum 6:1, bei dem er Tempo und Technik bewies, quasi schon für die Entscheidung. Und als Janos Bröker dann auch noch traf, obwohl gleich zwei Lilienthaler auf der Strafbank saßen, rieben sich selbst die treusten Fans verwundert die Augen. Das taten auch die erfolgsverwöhnten Gäste, bei denen an diesem Tag wenig zusammenlief. Dementsprechend stieg beim Rekordchampion offensichtlich der Frust, der sich in einigen unnötigen Aktionen und harten Fouls entlud.

Der TVL zeigte sich davon aber ebenso unbeeindruckt, wie von den zwei Gegentoren die kurz vor und nach Beginn des Abschlussdrittels fielen. Vielmehr fanden die „Wölfe“ erneut die richtige Antwort: Ole Appenrodt setzte beherzt nach und schob einer möglichen Aufholjagd so schnell einen Riegel vor. Im Anschluss wurden die Weißenfelser zwar druckvoller, die Hausherren unterstützten sich in der engagierten Abwehrarbeit aber weiterhin glänzend.

Und wenn die Mannen um den kampfstarken Leon Bauer doch mal überwunden wurden, war da ja noch Nils Hallerstede. Gerade im letzten Abschnitt zeigte der Lilienthaler Keeper einige fantastische Paraden und brachte den glücklosen Soini sogar bei einem Penalty zur Verzweiflung. Kurz vor der letzten Sirene war es dann Kapitän Dennis Heike vorbehalten, den Schlusspunkt unter einen historischen Floorball-Abend zu setzen. Sollten die „Wölfe“ am kommenden Wochenende an diese Leistung anknüpfen können, dann dürfte tatsächlich noch ein allerletztes Heimspiel folgen. In der Finalserie um die Deutsche Meisterschaft.

TV Lilienthal: Sebastian Spöhle, Hallerstede; Janos Bröker, Brinkmann, Ebbinghaus, Niklas Bröker, Appenrodt, Schneider, Maximilian Spöhle, Bauer, Bieger, Diaz de Armas, Moes, Klefeker, Hallamaa, Heike, Vuorsalo, Stierle.

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