Frust beim Lilienthaler SPD-Fraktionschef Oliver Blau kandidiert nicht mehr für den neuen Rat

Der Lilienthaler SPD-Fraktionschef Oliver Blau zieht sich mit dem Ende der Wahlperiode aus der Ratsarbeit zurück. Der Frust über das Klima im Rat sitzt tief, auch ein parteinterner Zoff hat ihm zugesetzt.
05.05.2021, 05:00
Lesedauer: 1 Min
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Von Lutz Rode

Lilienthal. Wenn sich im November der Lilienthaler Gemeinderat nach der Wahl neu zusammensetzt, ist Oliver Blau nicht mehr dabei. Der 43-Jährige zieht sich aus der Kommunalpolitik zurück und will sich künftig auf seinen Beruf im Management eines weltweit tätigen Logistikunternehmens konzentrieren. Eine Wahlperiode lang hat Blau sich dann im Gemeinderat engagiert, zwei Jahre davon als Fraktionsvorsitzender. Davor hatte er den Gemeinde-Elternrat für Kindertagesstätten in den Ratsgremien vertreten. Nicht nur Oliver Blau zieht sich aus der Ratsarbeit zurück, und auch Ur-Gestein Jens Erdmann, Gert Traupe und Britta Weber hören auf.

Dass Blau nun raus ist, hat damit zu tun, dass sein Plan A nicht funktioniert hat: Weil er unzufrieden ist mit der Arbeit des jetzigen Bürgermeisters und er die Ratsarbeit als zunehmend frustrierend empfindet, wollte Blau selbst die Rolle des Rathaus-Chefs anstreben, um für Veränderungen zu sorgen. Er bewarb sich bei der SPD um die Kandidatur, zog sie kurz vor Toresschluss dann jedoch zurück, nachdem es im Vorstand Zoff um das Vorgehen bei der weiteren Kandidatenkür gegeben hatte. So war der Weg für Neueinsteigerin Evelin Wöstenkühler als einzige verbliebene Bewerberin frei.

Der nicht ausgestandene parteiinterne Stunk hätte aus Sicht von Blau auf Dauer zu einer Belastung der Fraktionsarbeit führen können. Er war sich nicht sicher, wie es künftig um den Rückhalt seiner Partei bestellt sein würde. Vor allem aber war für ihn klar, dass er die Ratsarbeit, wie sie aus seiner Sicht in der Wahlperiode gelaufen ist, nicht noch einmal erleben wollte. Das Verhältnis zu Bürgermeister Kristian Tangermann ist angespannt, der Vertrauensvorschuss, den er dem Amtsinhaber zu Beginn der Wahlperiode noch entgegen gebracht habe, sei aufgebraucht. Mehrfach hätten sich Gespräche in Schall und Rauch aufgelöst. Auch von der CDU/FDP-Gruppe ist Blau enttäuscht. „Wenn man das Gefühl hat, man kann gemeinsam mit guten Ideen etwas reißen, dann motiviert dies. So aber ist dies kein Ansporn zum Weitermachen. Man hat mehr und mehr das Gefühl, mit einer Nagelfeile an einem Betonklotz zu kratzen“, sagt Blau.

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