Nachhaltigkeits- und Mobilitätswochen

Lilienthal schaltet auf Grün

Vom 16. September bis 8. Oktober finden in Lilienthal die europäischen Nachhaltigkeits- und Mobilitätswochen statt. Das Programm enthält 47 Veranstaltungen der verschiedensten Art.
31.08.2020, 05:46
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Von Lutz Rode
Lilienthal schaltet auf Grün

Bürgermeister Kristian Tangermann unterstützt die Aktivitäten, die zu den anstehenden Nachhaltigkeits- und Mobilitätswochen in Lilienthal geplant sind.

Christian Kosak

Lilienthal. In der Gemeinde Lilienthal werden ab Mitte September viele Möglichkeiten geboten, sich mit der eigenen Lebensweise, dem Konsum und dem Umgang mit der Natur kritisch auseinanderzusetzen. 47 Aktivitäten sind es, die während der anstehenden europäischen Nachhaltigkeits- und Mobilitätswochen im Ort stattfinden sollen. Das große Ganze soll bei Workshops, Vorträgen, Exkursionen und anderen Aktionen genauso in den Blick genommen werden wie das konkrete Handeln vor Ort. Los geht es am 16. September, die letzte Veranstaltung unter dem Motto „Go Green in Lilienthal“ ist für den 8. Oktober geplant.

Eigentlich sollten die Nachhaltigkeitswochen schon im Mai in Lilienthal über die Bühne gehen, doch auch hier funkte Corona dazwischen. Also kamen Regine Moll von der Freiwilligenagentur Lilienthal und Mara Jekosch von der Initiative Mobilität auf die Idee, die Kräfte zu bündeln und die Nachhaltigkeitswochen mit der ohnehin geplanten Beteiligung an der europäischen Mobilitätswoche zu koppeln.

Inhaltlich passt das zusammen, denn bei der Frage, wie man von A nach B kommt, geht es immer stärker auch um den schonenden Umgang mit Ressourcen und umweltfreundliche Alternativen zum Autoverkehr der klassischen Art. Dieser Ansatz, beide örtlichen Initiativen zu bündeln, soll bereits beim Umweltbundesamt so gut angekommen sein, dass es auch andere Kommunen dazu angeregt hat, es den Lilienthalern gleich zu tun, berichtete Initiatorin Jekosch bei der Vorstellung des Programms in Murkens Hof.

Bürgermeister Kristian Tangermann hält ebenfalls große Stücke auf die Bewegung, die sich da in der Gemeinde entwickelt und der sich innerhalb kurzer Zeit etliche Mitstreiter angeschlossen haben. Er hat nachgezählt und ist auf 27 Mitwirkende am Programm gekommen – von Wissenschaftlern der Uni Bremen über die Lilienthaler Pfadfinder oder Abfall Service Osterholz GmbH reicht die Spanne. „Im Kern geht es darum, dass jeder etwas bewegen kann. Die Veranstaltungen sollen dazu anregen und Ideen geben, das eigene Verhalten und Gewohnheiten zu hinterfragen oder auch zu ändern“, sagte Tangermann.

Regine Moll hält es mit Bundesumweltministerin Svenja Schulze, die sinngemäß gesagt hat, dass Nachhaltigkeit generell bedeute, die allgemeine Art zu leben so auszurichten, dass künftige Generationen nicht schlechter gestellt seien als die aktuell lebende. Für Moll und auch andere Mitstreiter sind die Auswirkungen des bisherigen Handelns der Menschheit längst vor Ort zu spüren. Das Klima ändere sich, das zeige sich eben nicht mehr nur in weiter Ferne an den schmelzenden Polen, sondern sei mittlerweile auch hier zu verzeichnen. „Erst gab es die große Hitze vor ein paar Tagen, dann kamen heftige Regenschauer. Das alles hat mit diesem Wandel zu tun“, lautet das Beispiel, das bei der Programmvorstellung die Runde machte.

Was passiert nun konkret? Da ist zum Beispiel der autofreie Schultag, zu dem die Mobilitätsinitiative für den 17. September aufruft. Die Organisatoren hoffen, dass sich möglichst auch Schulen in anderen Gemeinden der Region einklinken. Etwa 50 von ihnen sind deswegen angeschrieben worden. Auch das Amt für Bildung des Landkreises Osterholz hat die Einladung an sämtliche Schulen im Osterholzer Gebiet weitergereicht. Ein spaßiges Rennen soll ebenfalls ausgetragen werden, außerdem soll am 20. September eine Wohnstraße bunt bemalt und als erweiterter Wohnraum von den Anliegern genutzt werden. Zudem sind die Lilienthaler Ratspolitiker aufgerufen, am 16. September vor dem Rathaus zu parken und die Schlüssel für eine Woche abzugeben. In der Bibliothek werden alte Fotos zu sehen sein, die der Heimatverein zur Verfügung stellt und die einen Eindruck davon vermitteln, wie Mobilität in alten Zeiten ausgesehen hat.

Bei der Nachhaltigkeit spielt Müllvermeidung und das Motto „Reparieren statt wegwerfen“ eine wichtige Rolle. Dies gehört bereits seit Jahren zur Kernkompetenz des Lilienthaler Repair Cafés, das sich etwas anders aufstellt als sonst: Weil zentrale Reparaturtreffen mit 150 Gästen, wie sie sonst in Murkens Hof stattfanden, nicht mehr möglich sind, haben die Tüftler die Organisation umgestellt. Wer etwas zu reparieren hat, kann die Dinge bei der Freiwilligenagentur abgeben. Wenn die Arbeit der einzelnen Fachleute erledigt ist, können sie wieder abgeholt werden.

Auch an die Kinder ist gedacht: So bastelt Aktionskünstler Hajo Tröger im Alten Amtsgericht Insektenhotels, und weil die Teilnehmerzahl begrenzt ist, soll zeitgleich ein Film als Anleitung erstellt werden, der dann bei Youtube zu sehen sein soll. Müllsammelaktionen, Ideenbäume für Nachhaltigkeitsprojekte oder ein Bilderbuchkino sind ebenfalls geplant, ebenso ein Vortrag zum Thema, wie man Plastikmüll im Alltag vermeiden kann. Für Dienstag, 29. September, kommt der Europaabgeordnete Tiemo Wölken nach Lilienthal, um über den „European Green Deal“ zu sprechen.

Ende der Woche soll das Programm in gedruckter Form vorliegen und dann im Rathaus und Geschäften ausgelegt werden. Die Informationen finden sich auch im Internet auf der Website der Freiwilligenagentur (https://www.freiwilligenagentur-lilienthal.de) oder der Initiative Mobilität (www.mobilität.eu).

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