Lagebericht: Christa Thiel

Zwangspause für den Zirkus

Für den Lilienthaler Zirkus Eldorado ist das Coronavirus eine Existenzfrage. Normalerweise gesaltet die Familie mit ihrem Zelt Projektwochen in den Schulen, die aber sind seit Wochen geschlossen.
02.04.2020, 08:00
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Zwangspause für den Zirkus
Von Silke Looden
Zwangspause für den Zirkus

Statt in den Grundschulen der Region für Projektwochen unterwegs zu sein, sind Christa Thiel und ihre ganze Familie vom Zirkus Eldorado im Lilienthaler Quartier. Noch reichen die Rücklagen für Mensch und Tier, aber Corona wird zur Existenzfrage.

CARMEN JASPERSEN

Lilienthal. Normalerweise ist der Zirkus Eldorado aus Lilienthal an den Grundschulen in Region unterwegs und gestaltet die Projektwochen. Doch die Schulschließungen infolge der Corona-Pandemie zwingen die Zirkusfamilie nun zurück ins Lager am Heidkamp. Veranstaltungs- und Kontaktverbote treffen die Artisten schwer. „Wir haben keine Einnahmen mehr, müssen uns und die Tiere versorgen. Lange reichen die Rücklagen nicht“, sagt Christa Thiel. Zum Ensemble gehören die Eltern Carola und Christian Thiel, ihre zwölf Kinder und zwölf Schwiegerkinder sowie elf Enkel. Hinzu kommen 14 Pferde, je acht Ponys, Esel, Kamele und Dromedare, drei Lamas, neun Ziegen, sieben Hunde sowie Hühner und Enten.

Christa Thiel versorgt die Tiere. Noch ist genug Futter da. Es ist auch kein Problem etwas zu bekommen. Doch wie lange sich die Familie das leisten kann, ist ungewiss. „Wir sind eine Großfamilie und leben normalerweise vom Geschäft mit den Schulen“, sagt Christa Thiel. Dabei werden die Schülerinnen und Schüler selbst zur Attraktion im Zirkus. Viele der Jungen und Mädchen entdecken in der Manege ungeahnte Fähigkeiten. Nun aber steht das Zelt mitten im Frühling leer. Die Zuschauerstühle sind verwaist, die Kasse bleibt geschlossen. „Wir hoffen auf Unterstützung“, sagt Christa Thiel. Die Soforthilfe vom Staat sei bereits beantragt, aber was danach komme, sei unklar. Corona, das ist für Familie Thiel eine Existenzfrage.

Border Collie Maggy schaut mit Wachen Augen auf Christa Thiel. „Die Collies sind jetzt arbeitslos. Wir müssen sie beschäftigen“, sagt sie und schon setzt der Hund zu einem hohen Sprung an, um direkt in den Armen seiner Trainerin zu landen. Maggy ist offenbar besonders lebhaft. Auch die Ziegen langweilen sich im Gehege und freuen sich über den Besuch. Ein kleines flauschiges Zicklein wurde gerade geboren. Noch etwas tapsig auf den Beinen sucht es Mutter und Milch.

„Die Nachbarskinder kommen gern vorbei und bringen uns zum Beispiel altes Brot für die Ponys“, erzählt Sascha Thiel auf dem Weg zu den Weiden, auf denen neben den Pferden auch die Kamele grasen. „Es dürfen nur nicht zu viele auf einmal kommen“, möchte Sascha Thiel einen Zirkustourismus in den Osterferien verhindern. Denn auch im Winterlager gilt das Kontaktverbot. Allerdings, räumt Sascha Thiel ein, sei das in einer Großfamilie nur schwer umzusetzen. Normalerweise gibt es ein gemeinsames Mittagessen im großen Zirkuswagen. Doch normal ist zurzeit nichts. Wer den Zirkus unterstützen will, erreicht ihn per E-Mail: zirkuseldorado@gmx.de.

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