Floorball

Lilienthals Floorballer Immer noch erfolgshungrig

In den zurückliegenden Monaten ist kaum ein Stein auf dem anderen geblieben beim mehrfachen deutschen Vize-Meister und aktuellem Pokalsieger.
14.09.2019, 12:41
Lesedauer: 4 Min
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Lilienthals Floorballer Immer noch erfolgshungrig
Von Tobias Dohr
Lilienthals Floorballer Immer noch erfolgshungrig

Viele neue und ein paar alte Gesichter: Co-Trainer Michael Volling (mit Taktiktafel) erklärt die Inhalte der Trainingseinheit.

Tobias Dohr

Lilienthal. Auf der Homepage der Floorballer des TV Lilienthal hat die Zukunft jetzt endlich auch begonnen. Denn wer die Seite aufruft, wurde noch vor zwei Tagen von den Konterfeis von Janos Bröker, Ole Appenrodt und Fabian Diaz de Armas angegrinst. Doch die drei langjährigen Säulen der Bundesliga-Mannschaft sind längst Geschichte. Ebenso wie die Zeit in der höchsten deutschen Floorball-Liga. In den zurückliegenden Monaten ist kaum ein Stein auf dem anderen geblieben beim mehrfachen deutschen Vize-Meister und aktuellem Pokalsieger.

Gerade mal eine Handvoll Spieler ist übrig aus dem Kader der letztjährigen Bundesliga-Mannschaft. Einer von ihnen ist Lukas Bieger, der als Spielertrainer künftig die Verantwortung für das „neue“ Team tragen wird. Ihm zur Seite steht mit Michael Volling ein Co-Trainer aus Seebergen. Denn: Die Mannschaft tritt in der Großfeld-Regionalliga Nordwest als Spielgemeinschaft Seebergen/Lilienthal unter dem Namen „Lilienthaler Wölfe“ an. Diese noch engere Verzahnung der beiden Floorball-Sparten ist ganz bewusst so gewählt worden, denn die Jugendarbeit soll ab sofort im Fokus stehen.

Genau jene Arbeit mit dem Nachwuchs hatte der TV Lilienthal in den letzten zwei, drei Jahren seiner Bundesligazeit extrem vernachlässigt – was sich letztlich als Bumerang für den Klub herausstellte. „Wenn man als mitgliederstärkster Floorballverein Niedersachsens am Ende keine einzige Jugendmannschaft mehr hat, dann hat man definitiv etwas verkehrt gemacht“, gibt Harm Otten unumwunden zu. Der Lilienthaler Abteilungsleiter möchte nun möglichst schnell eine andere Richtung einschlagen – und das ist dem ersten Eindruck nach offenbar schon ganz gut gelungen.

Es gibt eine U17-Mannschaft, eine U15, U13 und sogar eine U11 und U8-Mannschaft, die allerdings noch nicht am Spielbetrieb teilnehmen. Die neue Herrenmannschaft musste personell komplett neu aufgestellt werden, nachdem fast alle Leistungsträger der letzten Saison gegangen sind. Mit Lukas Bieger, Frank Brinkmann und Nils Westphal stehen lediglich drei Akteure der letztjährigen Bundesliga-Truppe noch im Kader der neuen „Wölfe“. Dazu kommt mit Miro Siljamo, Erik Ebbinghaus, Leon Bauer, Felix Stierle und Hannes Röttger ein Quintett, dass per Zweitspielrecht ebenfalls für die Spielgemeinschaft in der Regionalliga auflaufen dürfte.

Allerdings haben diese fünf Spieler sich bewusst für einen Wechsel zum Konkurrenten TV Eiche Horn entschieden, um dort mit dem Zweitligisten in dieser Saison den Aufstieg in die Eliteliga zu schaffen. Zwei, die das Niveau definitiv ebenfalls hätten, um in Horn eine gute Rolle im Team zu spielen, sind Daniel von der Heyde und André Heißenbüttel. Das Duo, das auch in den beiden vergangenen Spielzeiten schon bei der SG in der Regionalliga auflief, hat sich aber ganz bewusst für das Projekt Neustart bei den „Wölfen“ entschieden. Heißenbüttel, der viele Jahre das Bundesliga-Team als Kapitän anführte, ist zwar auch jetzt wieder Mannschaftsführer, ein Posten als Spielertrainer kam für beide aber nicht in Frage.

„Das hätte nicht zum Neustart gepasst“, erklärt von der Heyde, der in einem Team mit vielen neuen Mitspielern eine große Herausforderung sieht – wozu nicht zuletzt die Altersspanne innerhalb der Mannschaft beiträgt. Der Jüngste, Torwart Milan Urumovic, ist gerade mal 13 Jahre alt. Von der Heyde gehört mit seinen 30 Lenzen schon zu den Ältesten. „Es geht jetzt darum, dass die Mannschaft zusammenwächst und um zu schauen, ob das ein Gefüge ist, auf das wir etwas Langfristiges aufbauen können“, sagt Harm Otten. Und der Auftakt glich schon mal einem kleinen Triumphmarsch.

Gleich mit 21:1 wurden die ATS Buntentor Knights aus der Halle gefegt. Die „neuen Wölfe“, das scheint schon jetzt klar, haben einen mehr als konkurrenzfähigen Regionalligakader. „Die Liga ist für mich komplettes Neuland und ich freue mich auf jeden Gegenspieler und werde in jedem Spiel alles für unsere Meisterschaft geben“, sagt Neu-Trainer Lukas Bieger. Die Meisterschaft ist also das selbst ausgerufenen Ziel der Lilienthaler Wölfe. Sollte dies erreicht werden, würde das aber keinesfalls gleichbedeutend sein mit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga. „Wir blockieren das vom Verein sicher nicht, aber wir wollen uns jetzt Stück für Stück entwickeln“, sagt Harm Otten, dem es gelungen ist, im Zuge des neuen Jugendkonzepts frühere Spieler als Jugendtrainer zu gewinnen. So betreut Klaas Minnermann die U17, Ole Appenrodt und Felix Stierle kümmern sich um die U15, während Paul Röttger die U13 betreut. Daniel Grabau wiederum ist bei der U11 eingestiegen.

Am Sonntag (16 Uhr) steht nun erst mal das Erstrundenduell im Deutschland-Pokal auf dem Programm. Dann wird es ein bisschen so sein wie früher, als die Schoofmoorhalle brannte. Zu Gast ist dann Regionalliga-Konkurrent MTV Mittelnkirchen. „Es hat noch nie ein Drittligist ins Final-4 geschafft“, sagt André Heißenbüttel augenzwinkernd. Keine Frage, erfolgshungrig sind sie bei den „Wölfen“ nach wie vor.

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Auch die Pinguine sind auf Beutezug

Als Lilienthaler Wölfe haben die TVL-Floorballer seit vielen Jahren der Konkurrenz das Fürchten gelehrt. Was aber nur die allerwenigsten wissen: Um ein Haar wären nicht die Wölfe auf Beutezug gegangen, sondern die Pinguine. Das war nämlich der Beiname, den sich seinerzeit, als die Lilienthaler den Bundesliga-Aufstieg schafften, ein Großteil der Spieler gewünscht hatte. Der Legende nach war es der damalige Coach Andreas Blankenstein, der ein erfolgreiches Veto eingelegt hat, und dann die Mannschaft vom Zusatz „Wölfe“ überzeugen konnte.

Jetzt aber gibt es die Pinguine doch. Mit ein paar Jahren Verspätung haben einige ehemalige Akteure aus dem Bundesliga-Kader, unter ihnen Dennis Heike, Tobias Melde und auch Daniel von der Heyde und André Heißenbüttel, ihren Wunsch erfüllt und eine Mannschaft ins Leben gerufen – und dieser nun den Beinamen „Pinguine“ gegeben. Das Team geht künftig in der Kleinfeld-Regionalliga Nordwest auf Punktejagd. Und die Lilienthaler Pinguine dürften in ihrer illustren Besetzung sogar überaus gute Chancen haben, um ein Wörtchen bei der Titelvergabe mitzureden.

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