Wirtschaft in Lilienthal

Neue Gewerbezone in Sicht

Noch ist nichts entschieden, aber die Beratungen laufen: Auf einem 40 Hektar großen Areal zwischen Feldhausen und Sportpark in Lilienthal könnte ein neues Gewerbegebiet entstehen.
01.11.2018, 17:46
Lesedauer: 4 Min
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Von Michael Wilke
Neue Gewerbezone in Sicht

Ob auf diesem Acker Gewerbe entsteht, entscheidet der Gemeinderat.

Vasil Dinev

Lilienthal. Die Nachfrage hält sich in Grenzen. „Es fragen immer mal wieder Leute an, die Gewerbeflächen haben wollen“, sagt Stephen Riemenschneider, Fachbereichsleiter für Baudienste im Lilienthaler Rathaus. Viel kann ihnen Riemenschneider nicht bieten. Die letzten freien Flächen im Gewerbegebiet Moorhausen sind in privater Hand. Dass in Lilienthal nicht viel zu holen ist, hat sich in Wirtschaftskreisen herumgesprochen. Das muss nicht so bleiben. Ein neues Gewerbegebiet könnte der Gemeinde in einigen Jahren Steuereinnahmen und Arbeitsplätze bescheren.

Im Fokus steht ein rund 40 Hektar großes Areal zwischen Feldhausen, Sportpark und Entlastungsstraße. Klar ist, dass dort nicht alles zugepflastert werden darf. Schon aus Lärmschutzgründen verbietet es sich, gleich hinter den Wohnhäusern in Feldhausen große Hallen hochzuziehen. Doch ließen sich wohl bis zu 25 Hektar für Gewerbeflächen reservieren. Die Gewerbezone wäre dann fast halb so groß wie das Gewerbegebiet Moorhausen mit 54 Hektar.

Gewerbe und Wohnen

Noch ist nichts entschieden. Noch dehnen sich hinter den Häusern im Ortsteil Feldhausen Wiesen und Maisfelder aus. Doch einen Namen hat das Gelände schon: Feldhausen III. Der Landkreis hat das Areal in seinem Regionalen Raumordnungsprogramm als Fläche für Siedlungsentwicklung eingestuft. „Da ist beides möglich, Wohnen und Gewerbe“, erklärt Riemenschneider.

Die Gemeinde Lilienthal würde das Gebiet gerne um einen Streifen von bis zu 120 Metern ausdehnen – nach Nordwesten in Richtung Landschaftsschutzgebiet Truper Blänken. Das geht aber nur mit Billigung des Landkreises, der gerade dabei ist, sein Regionales Raumordnungsprogramm (RROP) zu aktualisieren. Nach Angaben der Kreisbehörde ragt die von Lilienthal gewünschte Erweiterungsfläche in ein „Vorranggebiet ruhige Erholung in Natur und Landschaft“ hinein. „Eine Gewerbeflächenentwicklung in diesem Bereich würde eine Änderung des RROP voraussetzen“, sagt Malte Wintjen, Sprecher des Landkreises Osterholz.

Lilienthals Bürgermeister Kristian Tangermann (CDU) glaubt, dass Feldhausen III eine Kombination aus Wohnen und Gewerbe werden könnte. „Man wird in dem Gebiet in gewissem Maße auch Wohnbebauung machen“, sagt der Verwaltungschef. Doch den Großteil des Geländes würde Tangermann gerne für Gewerbebetriebe reservieren. Auf den Wiesen und Äckern hinter den Gärten der Feldhäuser könnte ein kleines Wohngebiet entstehen, dahinter eine Übergangszone mit Ingenieurbüros und nicht störenden Betrieben. Jenseits der Pufferzone könnten sich dann auch Firmen ansiedeln, die lauter sind und Staub oder Abgase produzieren, so lange sie die amtlichen Grenzwerte einhalten, schränkt der Rathaus-Chef ein.

Entscheiden muss am Ende der Gemeinderat, nach monatelangen oder gar jahrelangen Beratungen. Bis dahin dürften noch zwei bis drei Jahre ins Land gehen. „Ganz viele Möglichkeiten haben wir nicht mehr“, warnt Tangermann. Es ärgert ihn ein bisschen, dass Lilienthal bei der Gewerbeansiedlung unter seinen Möglichkeiten geblieben ist. Gut acht Millionen Euro kassiert die Gemeinde pro Jahr an Gewerbesteuer. „Das ist verhältnismäßig schwach“, sagt Tangermann. Schließlich sei Lilienthal eine klassische Umlandgemeinde. In der Vergangenheit sei der Schwerpunkt auf Wohnbebauung gelegt worden. So blieben Chancen wie Feldhausen III ungenutzt. „Es ist natürlich ärgerlich, dass wir Anfragen haben und da immer noch Mais wächst“, findet Tangermann.

Kein Selbstläufer

Allerdings: Gewerbegebiete sind keine Selbstläufer, die den Kommunen satte Einnahmen bescheren. Lilienthal müsste das Areal zuerst auf eigene Kosten erschließen, also Straßen bauen und Kanalrohre verlegen. „Dafür wird kein Betrieb zahlen“, weiß der Kämmerer Hartmut Schlobohm. „Die sagen: Seid froh, dass wir kommen. Wir zahlen schließlich Gewerbesteuer.“ Der Bürgermeister weiß das. Erst müsste die Gemeinde Millionen in die Erschließung des Gewerbegebiets investieren und dann auch noch den nötigen Kreisel am Sportpark oder an der Dr.-Sasse-Straße bezahlen.

Es gibt noch mehr Risiken. Selten füllt sich ein Gewerbegebiet Schlag auf Schlag, das kann Jahre dauern. Und nicht jeder Betrieb zahlt seine Steuern in Lilienthal. „Man weiß ja nicht, wer kommt“, erklärt der Kämmerer Hartmut Schlobohm. „Ob das nur eine Filiale ist und die Gewerbesteuer am Hauptsitz der Holding gezahlt wird.“ Selbst wenn der Betrieb seine Steuern in Lilienthal zahlt, weiß keiner, wie viel dabei für die Gemeindekasse abfällt. „Ich kann ja in keinen Betrieb reingucken“, sagt der Kämmerer. Die Gewerbesteuer ist eine Steuer auf den Gewinn der Firma. Wenn sie hohe Außenstände oder Abschreibungen hat, zahlt sie wenig oder nichts. Dazu kommt die Abhängigkeit der Geschäfte von der Konjunktur. In der Finanzkrise der Jahre 2009 und 2010 sank das Gewerbesteueraufkommen auf fünf Millionen Euro.

Andererseits weiß der Kämmerer auch, dass neue Betriebe Kaufkraft in den Ort bringen. Ob die Beschäftigten mittags essen gehen oder nach Feierabend einkaufen: Sie lassen Geld in Lilienthal. Bürgermeister Tangermann denkt an neue Arbeitsplätze durch Firmen, die sich in Lilienthal niederlassen. Neues Gewerbe bringe Einnahmen und Arbeitsplätze, sagt er. „Damit verhindern wir unnötige Mobilität. Mein Ansatz ist, dass die Leute so wenige Wege wie möglich machen.“ Weil das Gros der Berufstätigen zur Arbeit nach Bremen pendelt, sind die Straßen verstopft.

In der Wirtschaft beobachtet der Bürgermeister bereits ein Umdenken. „Es melden sich bei uns auch Unternehmen, weil sie Druck von ihren Mitarbeitern kriegen: Lass‘ Dir was einfallen. Wir wollen nicht jeden Tag morgens und abends eine Stunde im Stau stehen.“

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