Zusätzliche Kapazitäten

Neues Testzentrum in Lilienthal eröffnet

Vor dem Hintergrund, dass Lilienthal Corona-Modellregion werden will, hat in der Gemeinde am Donnerstag ein neues Schnelltestzentrum eröffnet. Es ist die fünfte Anlaufstelle im Ort.
16.04.2021, 03:57
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Petra Scheller
Neues Testzentrum in Lilienthal eröffnet

Blick in das neue Testzentrum in der Goebelstraße 55, wo am Donnerstag der Betrieb begonnen hat. Man kann sich dort online anmelden oder auch spontan vorbeikommen.

CARMEN JASPERSEN

In der Lilienthaler Goebelstraße gibt es seit Donnerstag ein neues Testzentrum für Corona-Schnelltests. „Bislang ist die Terminvergabe überschaubar“, berichtet der Leiter der Einrichtung, Christian Milautzki beim Blick in den Kalender. Rund 20 Lilienthalerinnen und Lilienthaler haben sich bislang über die Homepage des Lifequell-Corona-Testzentrums für diese Woche angemeldet. Bis zu 640 Tests pro Tag könnten hier zukünftig stattfinden. „Wenn es läuft, können wir unser Angebot ausbauen“, berichtet der Lilienthaler Testzentrumsleiter. Milautzki ist gleichzeitig Sprecher der Intan-Group, die bereits drei Testzentren in Berlin führt und an diesem Freitag ein weiteres in Osnabrück eröffnen will.

Lesen Sie auch

Tanzschullehrer leitet Testzentrum

Die Nachfrage nach kostlosen Schnelltests auf das Corona-Virus ist riesig. Das berichtet auch der Lilienthaler Apotheker Uwe Hansmann auf Nachfrage. Er hat neben der Sankt-Jürgen-Apotheke an der Moorhauser Landstraße einen ehemaligen Lagerraum mit gesondertem Eingang umgenutzt und dort ein kleines Testzentrum eingerichtet. „Inzwischen haben wir unser Angebot stetig erweitert“, berichtet Hansmann. Ihm liege die Eindämmung der Pandemie am Herzen, sagt der Apotheker, der sich bereits sehr früh mit Kollegen aus Süddeutschland über Testverfahren ausgetauscht hatte. Sein Testzentrum sei inzwischen an sieben Tagen in der Woche geöffnet. „Im Schnitt haben wir die Kapazitäten von anfangs drei Stunden pro Tag auf 10 Stunden pro Tag erhöht.“ Getestet werde im Drei-Minuten-Takt. Der Lilienthaler Tanzschullehrer Rainer Voss leite als das Testzentrum inzwischen als Vollzeitkraft und organisiere die Abläufe. „Wenn die Pandemie eingedämmt ist, wird Herr Voss hoffentlich auch wieder seine Tanzschule betreiben können“, sagt Hansmann. Je nach Bedarf würde der Apotheker auch ein weiteres Testzentrum eröffnen. Partner habe er bereits gefunden. „Die Pläne liegen in der Schublade.“

Vorbereitung für Modellregion

Nachdem sich die Gemeinde Lilienthal und die Stadt Osterholz-Scharmbeck als weitere niedersächsische Modellregionen für eine teilweise Öffnung von Geschäften und kulturellen Einrichtungen beworben hatten, sei das Interesse privater Betreiber von Testzentren an den Standorten gestiegen, erklärt die Sprecherin des Landkreises Osterholz, Jana Lindemann. „Nach der Coronavirus-Testverordnung des Bundes hat jede Bürgerin und jeder Bürger seit dem 8. März den Anspruch auf einen kostenlosen Schnelltest auf das Corona-Virus pro Woche, also Anspruch auf einen sogenannten PoC-Antigen-Test.“ Die Teststrukturen seien im Landkreis insgesamt ausreichend. Über 29 Anlaufstellen für Bürger-Tests sind inzwischen auf der Homepage des Landkreises Osterholz zu finden. „In Niedersachsen sollen diese sogenannten Bürgertestungen möglichst dezentral von verschiedenen Institutionen angeboten werden“, erklärt Lindemann.

Die kostenlosen Testungen werden auf Grundlage eines Bund-Länder-Beschlusses über die Coronavirus-Testverordnung des Bundes durchgeführt. Der Bund übernehme deshalb auch die Kosten dafür, berichtet Lindemann weiter. Die Abrechnung eines jeden durchgeführten Tests erfolgt in Niedersachsen über die Kassenärztliche Vereinigung.

Lesen Sie auch

„Die Kosten der Testzentren hingegen liegen immer beim Betreiber“, erklärt der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), Detlef Haffke. „Kommerzielle Anbieter bestreiten Kosten vermutlich aus Gewinnen, Apotheken aus ihren Betriebsaufwendungen, Testzentren in Gesundheitsämtern aus dem Haushalt der Stadt oder dem Landkreis.“ Die KVN vergüte alle Schnelltests einheitlich mit 15 Euro für die Beratung und die Testung und mit 6 Euro für das Test-Kit, also insgesamt 21 Euro.

Auch wenn die Versorgungslage derzeit in allen Gemeinden als gut bewertet werde, sei der Landkreis Osterholz für weitere Anbieter offen, sagt Lindemann. „Dies gilt insbesondere für Angebote, die in den späten Nachmittag und Abendstunden erfolgen oder am Wochenende und damit eine gute Ergänzung zu den Testangeboten bei den Ärzten und Apotheken bildet.“

Die Betreiber der Lilienthaler Testzentren bieten Interessierten eine Online-Registrierung vorab an, um das Prozedere vor Ort zu verkürzen. Mit Wartezeit könnten sich die Menschen aber auch spontan zu einem Test melden, sagen beide Betreiber.

Lesen Sie auch

Am Eröffnungstag des neuen Zentrums in der Goebelstraße sind das wohl die meisten, bestätigt Zentrumsleiter Milautzki. Bereits am frühen Morgen des Eröffnungstages kamen die Probanden überwiegend unangekündigt vorbei. So wie Marco Franke. Er wolle sich ab sofort einmal in der Woche testen lassen, sagte der Lilienthaler. „Zur Sicherheit.“ Vorlegen musste Franke lediglich seinen Personalausweis. Nach einem zweiminütigen Check-in wurde er getestet, die Daten wurden ausgewertet und das Ergebnis binnen einer Viertelstunde an seine E-Mail-Adresse gesendet.

„Von 1700 Tests waren bei uns bislang nur zwei positiv Getestete, das entspricht ungefähr dem Inzidenzwert des Landkreises“, berichtet Apotheker Hansmann vom Testzentrum neben der Sankt-Jürgen-Apotheke. Positivergebnisse würden an das Gesundheitsamt Osterholz per E-Mail übermittelt. Die Getesteten würden telefonisch über den positiven Befund informiert, müssten sich in Quarantäne begeben und sich bei ihrem Hausarzt für einen weiteren Test, dem sogenannten PCR-Test, melden.

Info

Zur Sache

Anlaufstellen und Öffnungszeiten

Eine Übersicht, welche niedergelassenen Ärzte und Organisationen im Landkreis Osterholz die kostenlosen Bürgertestungen anbieten, finden sich auf der Homepage des Landkreises unter www.landkreis-osterholz.de/corona-schnelltest.

Hier sind sämtliche Anlaufstellen aufgelistet. Beispielsweise aus der Gemeinde Grasberg, der Samtgemeinde Hambergen, Gemeinde Lilienthal, Stadt Osterholz-Scharmbeck, Gemeinde Ritterhude, Gemeinde Schwanewede und der Gemeinde Worpswede.

Das neue Corona-Schnelltestzentrum in der Goebelstraße 55 in Lilienthal ist von montags bis freitags von 8 bis 17 Uhr geöffnet. Am Sonnabend von 9 bis 14 Uhr. Anmeldungen werden unter www.lifequell-corona-test.de/li entgegengenommen.

Die Sankt-Jürgen-Apotheke, Moorhauser Landstraße 2a, nimmt Anmeldungen unter www.schnelltest-lilienthal.de entgegen. Das Testzentrum hat seine Öffnungszeiten erweitert: Montags bis freitags von 8 bis 20 Uhr, sonnabends von 10 bis 20 Uhr und am Sonntag von 9.30 bis 14 Uhr.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+