Kreisjägertag in Schwanewede

Nutrias und Wildschweine im Visier

Kreisjägermeister Heiko Ehing hat die Notwendigkeit von Abschussquoten für bestimmte Tierarten unterstrichen. 396 Wildschweine seien 2018/19 erlegt worden, um die Afrikanische Schweinepest einzudämmen.
02.04.2019, 14:49
Lesedauer: 4 Min
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Von Jörn Hildebrandt
Nutrias und Wildschweine im Visier

Nutrias gefährden nach Aussage der Kreisjägerschaft Dämme und Deiche. Hohe Abschussquoten seien notwendig.

Philipp Schulze/DPA

Landkreis Osterholz. Die Wände der Schützenhalle in Schwanewede sind mit Geweihen dekoriert, darunter Trophäen von besonders starken Böcken von Rehwild oder Damwild. Und auf zahlreichen Stellwänden ziehen die elf Hegeringe der Jägerschaft Osterholz Bilanz: Tabellen zeigen Jagdstrecken erlegter Rehe, geschossener oder in Fallen gefangener Nutrias, Karten zeigen die aktuelle Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) und Fotos die Aktivitäten des Jagdgebrauchshundvereins Osterholz, der Lehrgänge und Prüfungen für Hunde anbietet.

Im Nebenraum des großen Saals illustrieren großformatige Fotos die ganze Artenvielfalt, mit der es Jäger im Landkreis Osterholz Tag für Tag zu tun haben: von Dachs, Rotfuchs, Marder, Iltis, Wildschwein und Feldhase bis hin zu Vögeln wie Fasan und Nilgans. „Wir Jäger bemühen uns auch, Kindern die Tiere des Waldes näherzubringen“, sagt Florian Lucas, Vorsitzender der Jägerschaft Osterholz, „mit kleinen Stempeln lassen sich zum Beispiel die Fährten von Wildtieren auf Papier drucken.“

Landrat Bernd Lütjen betont in seinem Grußwort, dass die Jägerschaft sich um zahlreiche Aspekte verdient gemacht habe und mit vielen Organisationen kooperiere. „Im Landkreis spielen nach wie vor Wildunfälle eine große Rolle. 626 waren es im Jahre 2018. Das ist keine erhebliche Zunahme, und dank der Jägerschaft wissen wir, an welchen Straßen es Sinn macht, die Geschwindigkeit zeitweise zu begrenzen, weil der Wildwechsel besonders stark ist", so Lütjen. Auch auf die Afrikanische Schweinepest, die durch Wildschweine übertragen wird, habe man ein besonderes Augenmerk: „Dazu werden Parkplätze inspiziert, an denen sich Lkw aus Osteuropa aufhalten. Die Abfälle müssen in geeigneten Behältern landen, um das Ausbreitungsrisiko zu minimieren“, sagte Bernd Lütjen.

Möglichkeiten für Artenschutz

Der Vorsitzende Florian Lucas hob in seinem Jahresbericht hervor, dass die Jägerschaft Osterholz in Zusammenarbeit mit dem Landvolk neue Blühstreifen angelegt habe, die inzwischen erhebliche Flächen ausmachen und Wild wie Insekten helfen würden. Möglichkeiten zu mehr Artenschutz stellte anschließend Holger Westerwarp von der Landwirtschaftskammer, Bezirksstelle Bremervörde, in seinem Festvortrag vor. Unter dem Titel „Artenschutz geht jeden etwas an“ präsentierte er, wie der Natur geholfen werden kann – auf Nutzflächen der Landwirtschaft ebenso wie auf Hofstellen und im heimischen Garten. Geeignete Gebüsche könnten zum Beispiel 19 Vogelarten Nistplätze bieten. Mit ihren Früchten stellten sie aber auch eine wichtige Nahrungsgrundlage für die Vogelwelt dar, referierte Westerwarp. Allerdings sei eine fachgerechte Pflege der Gehölze nötig, was für die Säume von Hecken ebenso gelte, wie für Altgrasbestände oder Wegsäume. Heckenränder seien in der Landschaft besonders blütenreich und spendeten vielen Schmetterlingen Nektar. Zudem würden sie Junghasen als Unterschlupf dienen.

Blühstreifen entstünden im Landkreis derzeit in großer Vielfalt: Neben solchen, die vom Land Niedersachsen im Rahmen des sogenannten „Greening“ gefördert werden, gebe es inzwischen auch zahlreiche Blühflächen, die ohne diese finanzielle Förderung angelegt werden, zum Beispiel Wildäsungsflächen, Äcker, auf denen Zwischenfrucht ausgesät wird oder neuerdings auch sogenannte Biodiversitätsstreifen. Mit wenig Aufwand lasse sich auch im Garten oder an der Hofstelle eines Landwirtschaftsbetriebs einiges tun, zum Beispiel mit Nistkästen, passend für Fledermäuse oder verschiedene Vogelarten. „Naturschutz wird durch die Jägerschaft direkter und nachhaltiger vermittelt“, sagt Holger Westerwarp, der bei der Landwirtschaftskammer auch die Beratung von Landwirten zur Biodiversität übernimmt.

Seitens der Kommunalpolitik werde es begrüßt, die Jagdsteuer für mehr Artenschutz einzusetzen: Dies sei eine Investition in ökologische Wertschöpfung. Insgesamt sei es für einen effektiven Artenschutz wichtig, die verschiedensten Akteure zusammenzubringen, so Westerwarp, zum Beispiel Landwirte, Waldbesitzer, Jäger, Imker, Angler, Vertreter von Naturschutzverbänden, Landvolk wie Landjugend. „Aktionen wie die der Kitzretter, bei denen junge Leute neu geborene Rehe vor den Maschinen der Landwirte bewahrt haben, erzeugen auch ein starkes Gemeinschaftsgefühl“, sagte Holger Westerwarp.

Gefahr für den Hochwasserschutz

Bei seinem Streckenbericht des Jagdjahres 2018/2019 zog Kreisjägermeister Heiko Ehing Bilanz. Wichtig für die Osterholzer Jäger sei es, dass der Mutterschutz beim Nutria aufgehoben wurde. Das große Nagetier habe sich in den vergangenen Jahren stark vermehrt, es bedrohe durch seine Bauten Dämme und Deiche und sei damit eine Gefahr für den Hochwasserschutz in der Region geworden. Durch die Änderung des niedersächsischen Jagdgesetzes sei das Erlegen des Muttertieres keine Straftat mehr, und da sich Nutrias fast ganzjährig fortpflanzen, seien hohe Abschussquoten unbedingt notwendig.

„Zur Prävention gegen die Afrikanische Schweinepest ist es wichtig, das Schwarzwild intensiv zu bejagen, um es auf einem niedrigen Niveau zu halten“, so Ehing, „und mit 396 Stück erlegtem Schwarzwild konnte die Strecke im Vergleich zum Vorjahr um etwa 30 Prozent gesteigert werden.“ Auch die Wildunfallzahlen im Landkreis Osterholz könnten nur mit einem intensiven Bejagen des Rehwilds gesenkt werden, so Ehing, um möglichst den Zuwachs an Rehen abzuschöpfen. Durch verschiedene Faktoren wie zum Beispiel den Wolf sei das Schalenwild vielfach stark beunruhigt, was das Gefahrenpotenzial an Verkehrsstraßen erhöhe.

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