Elterninitiative Eltern fordern Lockerungen für Kinder

Mit einer Petition wendet sich die Lilienthaler Elterninitiative „Die Familienthaler“ an Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil. Täglich unterschreiben Hunderte, um Lockerungen für Kinder zu erreichen.
26.04.2020, 22:00
Lesedauer: 3 Min
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Eltern fordern Lockerungen für Kinder
Von Silke Looden

Lilienthal. Mit einer Online-Petition richtet sich das Lilienthaler Elternbündnis „Die Familienthaler“ an den niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil. Die Mütter und Väter wollen Lockerungen für Kinder in der Corona-Krise erreichen. Sie fordern ein Ende der familiären Isolation und mehr Hilfen für berufstätige Eltern. Seit wenigen Tagen ist die Petition online. 1547 Personen haben bereits unterschrieben (Stand Sonntag 17.45 Uhr).

„Wir möchten uns aktiv dafür einsetzen, dass die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie nicht auf den Rücken der Kinder ausgetragen werden. Es müssen Wege gefunden werden, damit auch Kinder, vor allem die Kleinsten unter ihnen, soziale Kontakte außerhalb des Elternhauses wahrnehmen können“, schreiben die Initiatoren Meike Artmann und Christian Wechselbaum aus Lilienthal. Sie betonen: „Es kann und darf auch angesichts des derzeitigen Ausnahmezustands nicht sein, dass Kinder über Monate vom Leben außerhalb der Familie ausgeschlossen werden.“ Während Ausgangssperren für Risikogruppen vermieden worden seien, würden Kinder in die soziale Isolation gezwungen. Eltern fühlten sich alleingelassen.

„Das Verweigern der Grundbedürfnisse von Kindern wird offensichtlich als Kollateralschaden in Kauf genommen“, heißt es wörtlich in dem Schreiben an den Regierungschef. Während Schulen und Einzelhandel nach und nach den Betrieb wieder aufnähmen, solle in Kindertagesstätten weiterhin die Notbetreuung gelten, kritisieren die Familienthaler und unterstreichen: „Wir fordern Ministerpräsident Weil auf zu handeln.“

„Eine Kindertagesstätte ist keine Betreuungsstation für arbeitende Eltern, sondern dient der frühkindlichen Bildung und Förderung sozialer Kompetenzen“, betonen die Eltern. Unabhängig davon, ob einzelne Eltern „in Not“ seien, hätten alle Kinder die Not, kindgerechte Förderung und soziale Kontakte zu erhalten. Die Ausweitung der Notbetreuung löse die Probleme nicht. Die Familienthaler schlagen deshalb eine Betreuung in Kleingruppen vor, gegebenenfalls im Schichtbetrieb. Wichtig sei dabei, dass Hygienevorschriften eingehalten werden könnten, etwa durch die Bereitstellung von Desinfektionsmitteln.

Dabei stellen die Eltern die Corona-Regeln nicht grundsätzlich infrage. Sie begrüßen die vorsichtigen Lockerungen, können aber nicht verstehen, dass ausgerechnet Kinder durchs Raster fallen: „Das ist nicht hinnehmbar.“ Damit wieder Kontakte zu Freunden ermöglicht werden könnten, müssten Kontaktsperren für Familien mit Kindern reduziert werden, fordert die Elterninitiative. Dazu zähle auch die Öffnung der Spielplätze und Sportstätten bei Einhaltung der Mindestabstände. „Es mag ungewohnt sein, aber es wäre durchaus möglich, spezielle Ausgeh-, Betreuungs- oder Einkaufszeiten für Familien festzulegen“, schlagen die Familienthaler vor.

Für Eltern werde die Betreuung immer schwieriger, da durch die Öffnungen in der Wirtschaft auch die berufliche Belastung steige. „Unter dem familiären Druck leiden Kinder ganz besonders“, unterstreichen die Familienthaler und fordern die Einführung eines Corona-Elterngeldes für diejenigen, die ihre Arbeit wegen der Betreuung der Kinder nicht ausüben können, eine Ausweitung des Kündigungsschutzes für Eltern für die Dauer der Krise, den Anspruch auf eine zeitweise Reduzierung der Arbeitszeit für Eltern mit einem Rückkehrrecht in die alte Arbeitszeit sowie der Erstattung der Kita-Gebühren.

„Kindern pauschal und ohne konkrete Perspektive über Monate ihre Grundbedürfnisse zu verweigern, bedeutet für sie, für ihre Familien und für die Gesellschaft, nicht auf Sicht, sondern gegen die Wand zu fahren“, heißt es weiter. Dies betreffe insbesondere Kinder aus schwierigen familiären Verhältnissen. „Altersdiskriminierung von Kindern im Alltag darf kein Standard werden“, betonen die Eltern. So müsse Kindern auch der Zutritt zu Geschäften ermöglicht werden, etwa durch entsprechende Vorgaben für den Einzelhandel.

Bei den Familienthalern engagieren sich mehr als 200 Personen. Sie haben sich schon vor Corona für eine bessere Kinderbetreuung in Lilienthal eingesetzt. Mitinitiatorin Meike Artmann, die selbst zwei Kinder hat, meint angesichts der Krise: „Es muss ein Ruck durch die Gesellschaft gehen.“ Die Vereinbarung von Kinderbetreuung und Homeoffice sei nahezu unmöglich. „Ich kann nicht den Kindern und dem Beruf gerecht werden“, sagt die 37-Jährige. In Lilienthal sei die Not der Eltern insofern besonders groß, als dass hier im Speckgürtel von Bremen in vielen Familien beide Elternteile berufstätig seien.

Nähere Informationen unter www.familienthaler.de und www.change.org.

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