Preis für Yared Dibaba

Plattdeutsch ist international

NDR-Moderator Yared Dibaba nahm in Lilienthal-Sankt Jürgen als Botschafter der niederdeutschen Sprache den Heinrich-Schmidt-Barrien-Preis entgegen. Eigentlich, so Dibaba, spreche er „ostafrikanisches“ Platt.
08.03.2020, 15:54
Lesedauer: 2 Min
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Von Sabine von der Decken

Lilienthal. „Nützt ja nix“, will er gesagt haben, behauptete er verschmitzt lächelnd, als ihn der Anruf zu seiner Preisträgerschaft erreichte. Um so lieber nahm NDR-Moderator Yared Dibaba in Lilienthal-Sankt Jürgen als Botschafter der niederdeutschen Sprache den Heinrich-Schmidt-Barrien-Preis entgegen.

Zum 20. Mal „wanderte“ die hölzerne Büste mit dem Konterfei des deutschen Schriftstellers und Hörspielsprechers nun schon in neue Hände. Diesmal findet sie für ein Jahr in Hamburg bei Yared Dibaba eine neue Heimat. Wie in den Vorjahren verlieh der Freundeskreis Dat Huus op'n Bulten in der Tradition der Bremer Kulturinitiative Kulturverein Freizeit 2000 in der St. Georg Kirche in St. Jürgen den Heinrich-Schmidt-Barrien-Preis an Menschen und Institutionen, die die niederdeutsche Sprache lebendig halten. Yared Dibaba führt damit die Reihe der Preisträger wie das Ohnsorg Theater, „Talk op Platt“, Ina Müller und Gerd Spiekermann fort.

Sie haben eine lange Liste an Aspiranten für den Heinrich-Schmidt-Barrien-Preis vorliegen, sagte Johannes Rehder-Plümpe, Vorsitzender des Freundeskreises Dat Huus op'n Bulten. Auf dieser stand Yared Dibaba schon lange. Nachdem im vergangenen Jahr der Wanderpokal an fünf Lehrerinnen aus der Region ging, schaute die Jury in diesem Jahr über den Tellerrand hinaus in Richtung Hamburg. Dibaba, dessen Wurzeln in Äthiopien liegen, macht sich seit vielen Jahren für das Plattdeutsche stark und es salonfähig. „Platt is mien Welt“ ist nicht nur der Titel eines seiner Bücher, sondern ist Bekenntnis und Herzensangelegenheit zugleich. Zur Verleihung des Preises kam auch Wiltrud Schauer (88), die vor 40 Jahren im Rahmen einer Schul-AG in der Grundschule Habbrügge bei Ganderkesee die Grundlagen für Dibabas Liebe zum Plattdeutschen legte. Die unchristliche Zeit morgens um 7.30 Uhr schreckte ihn damals nicht. Gelernt hat er ein Oldenburger-Platt, dass sich aber im Laufe der Jahre mit dem Hamburger- und dem Medien-Platt zu einem „moderaten“ Plattdeutsch vermischte. Eigentlich aber spricht er „ostafrikanisches“ Platt, sagte er augenzwinkernd. „Da kann mir keiner reinquatschen.“ Dass Plattdeutsch international ist, erfährt er auf seinen Reisen rund um die Welt immer wieder.

Es sei eine ganz besondere Veranstaltung, bemerkte Walter Henschen, Sprecher des Runden Tisch Plattdeutsch in Bremen, der mundartlich durch die feierliche Veranstaltung in der Sankt-Jürgen-Kirche führte. Sie sei besonders, weil der Preisträger nicht nur für Plattdeutsch stehe, sondern sich ebenso für Oromiffa, der Sprache der in Äthiopien und Kenia lebenden Oromo, stark macht. War lange Zeit Oromiffa Dibabas Muttersprache in Äthiopien, wurde Plattdeutsch in seiner zweiten Heimat ebenfalls zu seiner Heimatsprache. Unter den Gästen in der St. Jürgen Kirche war auch Dierk Wieting, Plattdeutschbeauftragter der Gemeinde Ganderkesee. Yared Dibaba sei ein großer Unterstützer von Veranstaltungen zur plattdeutschen Sprache, berichtete er. Zudem, so Wieting, sei der Moderator, Autor, Schauspieler, Entertainer, Musiker sowie Rundfunk- und Hörbuchsprecher 2014 der erste Preisträger des Ganderkeseer Plattganters, einem Preis, der wie der Heinrich-Schmidt-Barrien-Preis die Verdienste um das Plattdeutsche würdigt, gewesen.

In Art eines Frage- und Antwortspiels gestalteten Anna Brodersen, die als Erste ihre Bachelorarbeit in Plattdüütsch schrieb, und Reinhard Goltz, ehemaliger Geschäftsführer am Institut für Niederdeutsche Sprache, die Laudatio zur Verleihung des Preises. Yared Dibaba habe dem Plattdeutschen seit vielen Jahren ein Gesicht gegeben, so Goltz.

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