Tierschutzverein Lilienthal

Salomé überlebt Fahrt im Radkasten eines Autos

Viele Vierbeiner mit Handicap leben im Katzenhaus des Tierschutzvereins Lilienthal, Worpswede und Grasberg. Jetzt feierten die Mitarbeiter Tierweihnacht mit Gästen.
09.12.2018, 16:23
Lesedauer: 2 Min
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Von Sabine von der Decken
Salomé überlebt Fahrt im Radkasten eines Autos

"Wir kümmern uns um sie“, sagt Kathrin Schulze und meint damit nicht nur Katze Salomé, der Schlimmes widerfuhr.

von der Decken

Lilienthal. Salomé widerfuhr etwas Furchtbares, aber sie überlebte die Tortur: Die etwa zwei- bis dreijährige Katze hat eine Reise im Radkasten eines Autos hinter sich. Sie fuhr als blinder Passagier von Bremen nach Lilienthal. Ihre schwarz-weiße Nachbarin fand man dagegen mit einem alten Knochenbruch auf einem Feld. Das seien nur zwei von aktuell 16 Geschichten, die ihre Katzenschützlinge mitbringen, berichtet Kathrin Schulze, dritte Vorsitzende des Tierschutzvereins Lilienthal, Worpswede und Grasberg. Denn alle Tiere hätten etwas Schlimmes erlebt, obwohl den Tierschützern nicht immer klar sei, was genau, wie der erste Vorsitzende Sven Peters versichert. „Es klebt ja kein Zettel dran.“

Am zweiten Advent sind die Katzen, obwohl sie wohl gesichert in ihren Unterkünften sitzen, Hauptakteure der Tierweihnacht, die Kathrin Schulze vor einigen Jahren im Katzenhaus ins Leben gerufen hat. Und sie sind nicht nur auf das Engagement der 25 Ehrenamtlichen angewiesen, sondern auch auf Geld- und Futterspenden. „Aber bei unseren hohen Qualitäts- und Hygienestandards dürfen wir nur geschlossene Verpackungen annehmen“, macht Peters mit Nachdruck an diesem Adventsnachmittag deutlich. Andernfalls bedeute eine unsachgemäße Spende und deren Entsorgung nur zusätzlichen Arbeitsaufwand und finanzielle Belastung.

2018 nahm der Verein 130 Tiere im Lilienthaler Katzenhaus auf. Tierarztkosten machen da einen großen Teil der anfallenden Kosten aus. Denn wie im Fall von Fine, die in diesem Jahr das Gesicht der Tierweihnacht ist, kann eine Amputation und die Behandlung eines Herzleidens vonnöten sein. Trotzdem sind Kathrin Schulze und Conny Stahn zuversichtlich, dass auch diese Katze trotz Handicap und größeren Pflegeaufwands ein neues Zuhause finden wird. Schon einmal habe sie in diesem Jahr eine dreibeinige Katze vermittelt, erzählt Conny Stahn stolz. Aber auch einäugige Katzen und Tiere mit Nahrungsmittelallergien finden über den Tierschutzverein den Weg zu neuen Besitzern. Nicht immer ist das ehrenamtliche Engagement einfach. Oft genug, sagt Sven Peters, mache das Schicksal der Tiere die Mitarbeiter betroffen und sie seien durch die hohe Erwartungshaltung derjenigen, die Katzen „entsorgen“ wollten, belastet.

Bei Glühwein, Kaffee, Waffeln und selbst gebackenen Keksen besuchen während der Tierweihnacht etliche Neubesitzer das ehemalige Zuhause ihrer Schützlinge. Aber auch Neubürger, Neugierige und Paten nutzen die Tierweihnacht, um die Katzensorgenkinder zu besuchen.

Als großen Erfolg ihrer Arbeit werten Schulze, Peters und Stahn den seit Einführung der Kastrationspflicht erreichten Rückgang der gefundenen Katzen pro Jahr auf 120. Außerdem seien darunter nur noch wenige Inzuchtkatzen, bestätigt Vorstandsmitglied Kathrin Schulze. In diesem Jahr vermittelte der Lilienthaler Tierschutzverein etwa 60 Katzen, davon viele junge Tiere. „Wir haben eine hohe Vermittlungsquote“, sagt Peters.

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