Schach

Saison wird um ein Jahr verschoben

Der Ligabetrieb ist auf lange Sicht ausgesetzt. Doch für die Schach-Vereine die die SF Lilienthal gibt es Alternativen.
23.11.2020, 13:39
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Karsten Hollmann

Lilienthal. Selbst ein Individualsport wie Schach kann während des derzeitigen Lockdowns nicht ausgeübt werden. Dies bekommen auch die Schachfreunde (SF) Lilienthal beziehungsweise die Spielgemeinschaft Lilienthal/Horn/Wilstedt (LHW) zu spüren. Bereits vor ein paar Monaten hatten sich jedoch sämtliche Landesverbände ohnehin dazu entschieden, keinen Ligabetrieb in der Saison 2020/2021 auszutragen. Als Ersatz findet in Bremen eine Buten-un-Binnen-Meisterschaft ohne Auf- und Absteiger statt.

„Die Resonanz darauf hält sich aber in Grenzen“, verrät Lilienthals Vorsitzender und Mannschaftsführer Detlef Pott. Er gehört neben Christian Maeder, Alexander Norbach, Silas Viet, Jürgen Tönjes, Heinz Rohdenburg, Erik Zimmermann und Gabriel Lambers dem ersten von zwei LHW-Vierer-Teams in dieser Liga an. Vor zwei Jahren hatten sich die Lilienthaler bekanntlich freiwillig aus der Landesliga Nord zurückgezogen. „Ich war lebensbedrohlich erkrankt und konnte mich einfach nicht mehr um die Organisation kümmern“, sagt Detlef Pott, der sich aber mittlerweile erholt hat.

Lesen Sie auch

Die osteuropäischen Spitzenspieler des Klubs waren beim Rückzug außen vor. „Für eine Spaßliga werden wir kein Geld für deren Reisen zahlen“, betont Pott. Andere Topspieler wie Hendrik Pieter Hoeksema, Gert Jan Timmerman sowie Vera und Peter Jürgens halten dem Verein hingegen weiter die Treue. An der „Spaßliga“ beteiligen diese sich jedoch nicht. Während die beiden Niederländer sich wegen der Corona-Pandemie zurückhalten, verzichtet das Ehepaar Jürgens vor allem wegen der Deutschen Wertungszahlen (DWZ) auf einen Einsatz. „Die beiden verbessern sich bei Siegen nur minimal, können aber bei einer Niederlage gegen einen unterklassigen Spieler auf der anderen Seite unheimlich viele Punkte verlieren“, zeigt Pott Verständnis für den Verzicht.

SF Lilienthal als Gastgeber

Nachdem die erste Runde um die Buten-un-Binnen-Meisterschaft ausgefallen war, ist die zweite für den 13. Dezember geplant. Dabei soll die SG LHW den SK Bremen-Nord II in der Schoofmoor-Halle in Lilienthal empfangen. „Wir haben auch ein Hygienekonzept“, berichtet Detlef Pott. Ansonsten sei auch grundsätzlich ein Online-Fernduell möglich, bei dem kein direkter Kontakt mit dem Kontrahenten stattfindet. „Die meisten Spieler fürchten aber, dass dabei betrogen wird, indem einfach ein Computer-Programm zur Hilfe genommen wird. Dies wäre nur beim Blitz-Schach etwas anderes“, erklärt der Vereinschef. Am Online-Schach entzweien sich grundsätzlich ein wenig die Geister. „Während die jüngeren Spieler diesem aufgeschlossen gegenüberstehen, wollen die Senioren ihrem Gegenspieler lieber in die Augen schauen“, teilt Detlef Pott mit. Für die älteren Akteure gehöre die Kommunikation und auch die „psychologische Kriegsführung“ beim „Sich-Gegenüber-Sitzen“ einfach dazu.

Perspektive Online-Schach

Das Nachwuchsteam der Spielgemeinschaft, das als LHW II für die Buten-un-Binnen-Meisterschaft gemeldet hat, sieht dies ein bisschen anders. Dazu zählen Erik Norbach, Sviatoslav Bodnar, Pouya Basandeh, Thore Marschall, Johan Boss sowie Janosch Hollerweger. „Wir sehen eine Verschiebung hin zum Online-Bereich. Das ist auch eine Perspektive, an der wir wohl langfristig nicht vorbeikommen werden“, so Pott. Dieser fürchtet jedoch einen Mitgliederschwund in der Zukunft. „Man kann ein Vereinsleben schließlich nicht online abbilden. Derzeit steht der Spielbetrieb auch bei Null“, gibt der 61-Jährige zu bedenken. Um die Mitglieder bei Laune zu halten, wolle dieser in den nächsten Wochen und Monaten so viele Wettbewerbe wie möglich – zumindest online – im Klub anbieten. „Ich bin dabei aber mal gespannt auf die Resonanz im Ü65-Bereich“, sagt Detlef Pott.

In der vergangenen Saison verpasste der Vizemeister der Bremer Stadtliga nur wegen des etwas schlechteren Brettverhältnisses gegenüber dem punktgleichen SK Kirchweyhe II den Aufstieg in die Verbandsliga, die nun pandemiebedingt erst in der Saison 2021/2022 über die Bühne gehen soll. „Da alle Vereine über viele Senioren verfügen, die nun einmal zur Corona-Risikogruppe gehören, kann ich die Verschiebung der Saison um ein Jahr verstehen“, versichert Pott. Viele Senioren würden nun auch einfach mal lieber spazierengehen, solange ihr Sport ruht. Detlef Pott hat aber eben ein wenig Angst davor, dass die Senioren demnächst nur noch spazierengehen und nicht mehr zu ihrem Sport zurückkehren. Berufstätige Akteure konzentrieren sich nun mehr auf ihr Berufsleben, so Pott. Die Lilienthaler entschieden sich aus einem ganz praktischen Grund gegen die Beteiligung an einer Sechser-Liga im Rahmen der Buten-un-Binnen-Meisterschaft. „Es ist schließlich viel einfacher, vier Leute für ein Auswärtsspiel in ein Auto zu bekommen“, lässt Detlef Pott wissen. Nach einer Beschlussfassung der Schachverbände dürften die Lilienthaler künftig sogar als Spielgemeinschaft in höheren Ligen antreten. Das war bislang nicht erlaubt.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+