Serie „Der neue Alltag“

Marcos Mirete: „Alltägliche Dinge besser wertschätzen“

Der Trainingsbetrieb ist vereinzelt gestartet. In unserer Serie „Der neue Alltag“ lassen wir Sportlerinnen und Sportler erzählen, wie es ihnen geht. Heute: Marcos Mirete, Abteilungsleiter Bogenschießen TVL
17.06.2020, 11:27
Lesedauer: 2 Min
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Von Frank Mühlmann

Herr Mirete, wie sieht Ihr neuer sportlicher Alltag aus, und in welchen Bereichen vermuten Sie persönlich die größten Schwierigkeiten?

Marcos Mirete: Im Grunde genommen gar nicht großartig anders. Wir haben das Glück, bereits seit Mitte Mai auf unserem wunderschönen Bogensportplatz wieder draußen trainieren zu können. Es ist nun mal ein Individualsport, bei dem jeder Schütze einzeln aus 30 Metern Distanz vor der Scheibe steht, seinen eigenen Bogen und eigene Pfeile besitzt. Da wir anderthalb Meter Abstand halten müssen, kommt es schon vor, dass einige auch mal warten müssen. Das hat aber den positiven Nebeneffekt, dass man anderen auf die Finger schauen und Korrekturen vornehmen kann. Die Wettkampfpraxis wird schlichtweg fehlen. Den Ablauf eines Turniers, das Adrenalin und die Konzentration kann man kaum im Training simulieren.

Wie sehen Sie die derzeitigen Lockerungen?

Wir sind doch zweifelsohne in einer der besten Lagen auf der ganzen Welt. Ich bin Halbspanier und kenne daher auch die dortige Situation gut. Eine Freundin von uns in Spanien hat beispielsweise 70 Tage in Folge nicht das Haus verlassen. Die vergleichsweise geringen Fallzahlen in Deutschland, von denen ja auch nur ein Teil eine Krankenhausbehandlung benötigt, verleiten zwar dazu, zu hinterfragen, was wir denn überhaupt für ein Problem haben. Aber wer weiß, wie es wäre, wenn wir in Deutschland nicht so gehandelt hätten. Der Föderalismus hat allerdings seine Schwächen. Dass die Regeln in verschiedenen Bundesländern anders aussehen und man sich an der Ländergrenze zu Nordrhein-Westfalen oder Hamburg wieder neu orientieren muss, finde ich auf jeden Fall verbesserungswürdig.

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Was haben Sie während des Lockdowns am meisten vermisst, und welche Dinge aus dieser Zeit möchten Sie in Ihrem normalen Alltag gerne beibehalten?

Ich bin ein leidenschaftlicher Konzertgänger und häufig in der „Music Hall“ anzutreffen. Jetzt im Sommer fehlen mir die Open Airs, zum Beispiel am Gut Sandbeck oder die Konzertreihe am Murkens Hof, wo es echte, handgemachte Musik gibt. Mit meiner Frau gehe ich auch gerne mal in die Oper. Kino ist auch so eine Sache. Das Autokino wäre mal eine Reise in die Vergangenheit, damit kann ich mich aber nicht wirklich anfreunden. Meine Freunde fehlten mir natürlich auch sehr. Gefallen hat mir an der Corona-Zeit ehrlich gesagt nichts. Ich werde aber versuchen, alltägliche Dinge besser wertzuschätzen. Es bleibt nur abzuwarten, wie lange das anhält.

Wie sehr schränkt Sie Corona in Ihrem Leben noch ein?

Beim Sport fallen natürlich das gemeinsame Grillen, die Spartenversammlung und unser beliebtes Fackelturnier zum Ende der Freiluftsaison aus. Beruflich bin ich als Produktionsplaner im Automobilbereich kaum betroffen. Zwar bin ich erstmals in meinem Leben im Home Office, das läuft aber fast schon erschreckend gut. Ich bin erstaunt, dass ich an mir eine höhere Produktivität feststelle. Ansonsten ist es jedes Mal ein mulmiges Gefühl, die eigene Burg zu verlassen und die Maske aufsetzen zu müssen. Ich sehe das ein, finde es aber fürchterlich und mache drei Kreuze, wenn diese Zeit vorbei ist.

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Das Gespräch führte Frank Mühlmann.

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Zur Person

Heute von:

Marcos Mirete, 53 Jahre alt, Abteilungsleiter Bogenschießen beim TV Lilienthal

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