Sandstrand in Neu Sankt Jürgen Traditionslokal wird Trendkneipe

Wirtspaar verpasst dem Alten Bahnhof Neu Sankt Jürgen eine Verjüngungskur, die offenbar ankommt. Heute treffen sich im ehemaligen Traditionslokal Junge und Alte zu vielen Events, wie Beachvolleyball oder Disco.
05.08.2019, 22:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Cornelia Hagenah

Worpswede. Früher gab es sie noch: die Kneipenkultur, abends kurz einkehren und am Tresen ein Feierabendbier genießen und schnacken. Doch die Zeiten haben sich geändert. Den Traditionskneipen fehlen oft die Gäste. Der Trend geht zur Party. Das Sitzen an der Theke ist kaum noch gefragt. Ähnlich erging es auch dem Bahnhof Neu Sankt Jürgen. Bis vor fünf Jahren führte Angelika Thölken die Traditionsgaststätte und dachte ans Aufhören, kamen doch lediglich noch ein paar Stammgäste. Das hat sich geändert seit ihre Tochter Julia und David Rosenkranz, nach reiflicher Überlegung, gemeinsam den Betrieb mit einem neuen Konzept übernommen haben. Vieles haben sie dem Zeitgeist angepasst und so ist eine Trendkneipe mit zahlreichen Veranstaltungen entstanden, die Jung und Alt aus der Umgebung zu ihnen bringt.

Früher lief nur die Wintersaison

Heute steht unter dem Namen der Kneipe: Bistro, Bar, Biergarten und Beach Club. Der einst von Heinrich Vogeler entworfene und später umgebaute Bahnhof ist mit seinem neu angelegten Grundstück zu einer kleinen Sommeroase für unterschiedliche Altersgruppen geworden. Der Sandplatz war meine Ponyweide“, erzählt Julia Thölken lachend, sie ist im Bahnhof aufgewachsen. „200 Tonnen Sand haben wir hier gleich am Anfang aufgeschüttet“, sagt Rosenkranz und weist auf das Spielfeld hin. Daneben stehen einige Bierbänke, sodass entweder kleine Kinder im Sand spielen können oder die größeren sich Bälle für sportliche Aktionen, wie Beachvolleyball, ausleihen können. Auf der grünen Wiese zwischen Straße und Haus stehen Bierbänke, eine Bierhütte und im letzten Jahr ist noch eine Bühne hinzugekommen. Ein gemütliches Ambiente, das im Sommer zum Verweilen oder aber auch für Konzerte oder Public Viewing geeignet ist. Die kleine Terrasse direkt vor dem Eingang zur Kneipe schützt mit einem Glasdach gegen Regen und bietet weitere Sitzmöglichkeiten.

„Wir hatten einen super Start, gleich von Null auf Hundert“, meint Rosenkranz rückblickend über den Beginn vor fünf Jahren. Mit dem Gewinn der deutschen Mannschaft 2014 bei der Fußballweltmeisterschaft habe seinerzeit das ganze Dorf bei ihnen Fußball geschaut.

Rosenkranz ist Veranstaltungskaufmann, hat in Hamburg und Bremen gearbeitet und ist im Bremer Viertel aufgewachsen. „Man musste das Konzept verändern“, sagt er und hat viele Ideen im Kopf. Zusammen mit Julia Thölken, sie ist zugleich seine Lebenspartnerin, hat er sich umgeschaut, was es noch nicht gibt und wie ein tragfähiges Konzept für einen Gastronomiebetrieb aussehen könnte. Public Viewing bei WM- und EM-Spielen, Konzerte, Discoabende und Events vom Turnier auf dem Sandplatz bis hin zu angesagten Trinkspielen stehen jetzt im Veranstaltungskalender.

„Früher lief hier nur die Wintersaison mit den Kohlfahrten“, sagt Rosenkranz und ist glücklich, dass nun auch die Sommersaison immer gut besucht ist. Die Kohlessen gibt es natürlich weiterhin. So wie auch der Neu Sankt Jürgener Chor nach wie vor zum Proben kommt. „Den Kneipenbereich haben wir aufgefrischt“, erzählt Thölken. Hier finden Discoabende mit DJs statt. Und es gibt immer wieder neue Trendgetränke, sodass auch die jüngere Generation vorbeischaut. „Für jeden ist etwas dabei, und am Tresen kommen Jung und Alt ins Gespräch“, sagt Rosenkranz. Dann seien da auch noch die selbst gemachten Burger. Julia Thölken ist gelernte Hotelfachfrau und während Rosenkranz hinter dem Tresen steht, ist sie die Chefin in der Küche. Selbstgemachte Burger und Baguettes aber auch die traditionelle Currywurst stehen auf der Speisekarte und stillen den kleinen Hunger.

Anlaufstelle für Nachtaktive

Rosenkranz und Thölken scheinen eine Lücke geschlossen zu haben: ein Gemisch aus Gartenlokal und Traditionslokal mit winterlichen Kohlfahrten, eine Plattform für musikalische und (trink)sportliche Events, die nicht nur von den Neu Sankt Jürgenern gut angenommen werden. Es gibt einen Tischkicker und ein Dartspiel, aber auch die Möglichkeit einfach auf den Barhockern an der Theke zu klönen. Und die Ideen gehen ihnen nicht aus. So plant Rosenkranz, im nächsten Jahr auch Open Air Kino anzubieten. Man darf gespannt sein, was sich die Wirte noch so alles einfallen lassen.

Auf jeden Fall bieten sie jetzt schon den Nachtaktiven eine Anlaufstelle: „Freitags und sonnabends haben wir bis in die Puppen auf“, sagt Rosenkranz, das biete kaum jemand in der Region. Mittwochs bis freitags hat der Bahnhof ab 16 Uhr geöffnet, sonnabends ab 15 Uhr und Sonntag wird schon ab 12 Uhr geöffnet. Für Sonnabend, 10. August, ist ein Open-Air-Konzert mit Jazz, Rock und Pop von den Sechzigern bis heute bei freiem Eintritt geplant.

Rückblickend auf die vergangenen fünf Jahre scheinen beide nichts zu bereuen. Nach wie vor haben sie Elan. „Wir machen eigentlich alles selber, vom Putzen bis zur Gartenpflege. Das ist oft zeitaufwendig„, meint Julia Thölken fröhlich. Aber: “Wir wissen, wir arbeiten für uns, und das ist toll.“

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