„Unsere Vereine“: TV Falkenberg

Wenn Weihnachtsmänner und Rasenmäher durch die Luft fliegen

Im 7.Teil unserer Vereinsserie geht es um den TV Falkenberg. Mit der Modellfliegersparte hat der Verein eine echte Rarität in seinem sportlichen Angebot.
06.01.2021, 12:25
Lesedauer: 3 Min
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Von Frank Mühlmann

Die Faszination vom Fliegen begeistert die Menschheit seit jeher und hatte vor mehreren Jahren auch Tim Wiese in seinen Bann gezogen. Zu seiner aktiven Zeit als Werder-Torhüter ließ er nämlich als Gast seinen Modellhubschrauber oftmals auf dem Flugplatz der Modellflugsport­sparte des TV Falkenberg in die Lüfte steigen. Kein leichtes Unterfangen, denn das Lenken eines Modellflugzeugs schätzen echte Flugpiloten laut TVF-Spartenleiter Roger Bartsch schwieriger ein als die Steuerung einer richtigen Maschine: „Das liegt daran, dass man beim Modellfliegen dreidimensional denken, sehen und steuern muss.“

Doch diese Fähigkeiten kann man seit 2003 von der Pike auf beim TV Falkenberg erlernen. Weil handwerkliches Geschick, technisches Verständnis und die Augen-Hand-Koordination in dieser Sportart gefördert werden, erlebt die Sparte auch bei Jugendlichen mittlerweile einen großen Zulauf. „Etwa 15 unserer rund 110 technikbegeisterten Mitglieder sind unter 15 Jahre alt“, erklärt Roger Bartsch, dessen Leidenschaft fürs Modellfliegen in der Kindheit durch Freunde seiner Eltern geweckt wurde.

In ein eigenes Flugzeug müssen Interessierte vorab nicht kostspielig investieren. Der Verein besitzt selber Modelle, an denen die „Lehrer“ ihren „Schülern“ das Fliegen beibringen können. Ausgestattet mit einer zweiten Fernbedienung, durch die Unfälle, ähnlich wie in der Fahrschule mithilfe der zusätzlichen Pedalen des Fahrlehrers, verhindert werden können. In den Wintermonaten bietet der Verein im Werkraum der Grundschule Trupermoor die Möglichkeit, unter Anleitung ein eigenes Modell, beispielsweise aus Holzbausätzen, zu basteln. „Der Kreativität sind hier kaum Grenzen gesetzt“, berichtet Roger Bartsch, der dabei schon als Kind die Geruchsmischung aus Klebstoff und Balsaholz liebte. Wem die Zeit fehlt, der kann sich aber auch für ein fertiges, neues Schaumstoffprodukt im Handel entscheiden und dafür etwa 100 Euro zuzüglich 100 bis 150 Euro für eine Fernsteuerung inklusive Ladegerät auf den Tisch legen. „Es gibt allerdings auch einen relativ großen, günstigeren Gebrauchtmarkt“, ergänzt Roger Bartsch.

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Bei Regen und Sturm ist das Modellfliegen nicht möglich, weshalb sich die TVF-Mitglieder zweimal pro Woche in der wetterunabhängigen Sporthalle treffen. Bei schönen Bedingungen am Wochenende zieht es sie jedoch auf den gut zwei Hektar großen Flugplatz in Tarmstedt, der mit seiner 80 mal 100 Meter großen Start- und Landebahn logischerweise andere Möglichkeiten bietet als die bezüglich ihres Platzes begrenzte Turnhalle. Fliegen kann dabei prinzipiell alles. „Wir sind generell vielseitig und experimentell und befördern auch schon mal Weihnachtsmänner, Snoopys Hundehütte oder einen Rasenmäher in die Luft“, berichtet Roger Bartsch schmunzelnd. Klassischerweise geht es aber um Modellflugzeuge, Hubschrauber, Quadrocopter und Segelflieger mit Elektromotoren.

Wie in anderen Sportarten gibt es auch beim Modellfliegen Wettbewerbe, die bis zu den Weltmeisterschaften führen. Beim Motorkunstflug geht es zum Beispiel darum, spektakuläre Manöver in die Luft zu zaubern. In der Halle wiederum veranstaltete der TV Falkenberg schon mal ein Drohnenrennen, bei dem ein Parcours gegen mehrere Kontrahenten schnellstmöglich bewältigt werden muss. Durch das Anbringen einer Kamera auf dem Flugobjekt besitzt der steuernde Sportler mit einer Videobrille die atemberaubende Perspektive des Piloten.

Hingegen kann man sich beim Segelflug in einer anderen Aufgabe messen. Innerhalb kurzer Laufzeit gilt es, möglichst viel Höhe zu erreichen. Die Motoren schalten sich automatisch nach 30 Sekunden ab, von nun an soll exakt zehn Minuten gesegelt und im Anschluss möglichst nah an einem Kreis, vergleichbar mit der Größe eines Tellers, gelandet werden. Beim Modellfliegen ist darüber hinaus auch Teamfähigkeit gefragt. Nicht nur, weil es stets auch Mannschaftswertungen gibt, sondern auch weil man, wie beim Segelfliegen, oftmals jemanden braucht, der hinter einem steht, die Zeit ansagt und weitere Ratschläge geben kann. Überhaupt spielt die Kameradschaft in der TVF-Modellflugsportsparte eine große Rolle: „Um Superlative wie größer und schneller geht es bei uns in der Regel gar nicht. Für unsere Mitglieder ist das gemeinschaftliche Basteln und der Erfahrungsaustausch einfach sehr bedeutsam“, fasst Roger Bartsch, der sich über mehr weibliche Mitglieder (aktuell: zwei) freuen würde, zusammen. Denn der Modellflugsport ist fast ausschließlich eine reine Männerdomäne.

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