Leinenzwang für Hunde

Unter Kontrolle

Mit der Brut- und Setzzeit beginnt am 1. April auch der Leinenzwang für Hunde in freier Landschaftt. Auch in Parkanlagen wie dem Lilienthaler Amtsgarten wird gebeten, die Vierbeiner anzuleinen.
30.03.2019, 08:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Kai Purschke und Irene Niehaus
Unter Kontrolle

Störungen durch frei laufende Hunde gelten als vermeidbar, vom 1. April bis 15. Juli dürfen die Vierbeiner darum nur an der Leine in die freie Landschaft.

Björn Hake

Mit dem 1. April beginnt am kommenden Montag die Brut- und Setzzeit und mit ihr der Leinenzwang für Hunde in der freien Landschaft. Beides gilt bis zum 15. Juli, und bereits jetzt sind soziale Netzwerke wie Facebook wieder voll mit Erfahrungsberichten zu Aufeinandertreffen von Hundebesitzern und Jägern. Von einem „Kleinkrieg“ ist darin die Rede, von Konfrontationen in Wäldern und auf Wiesen, von gegenseitigen Beschimpfungen und Beleidigungen sowie Belehrungen, die sogar schon vor dem Stichtag geschehen seien.

Bis zum 15. Juli sind Hunde also in der freien Landschaft an der Leine zu führen. „Die freie Landschaft besteht aus den Flächen des Waldes und der übrigen freien Landschaft, auch wenn die Flächen innerhalb der im Zusammenhang bebauten Ortsteile liegen. Bestandteile dieser Flächen sind auch die zugehörigen Wege und Gewässer“, heißt es vom Land Niedersachsen dazu.

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Nicht zur freien Landschaft gehören dagegen Straßen und Wege, die für den öffentlichen Verkehr freigegeben sind: Kreis-, Gemeinde-, Orts- und Gemeindeverbindungsstraßen sowie offizielle Parkplätze, Rad- und Gehwege. Ebenso Gebäude, Hofflächen und Gärten sowie Parkanlagen, die laut Waldgesetz „im räumlichen Zusammenhang zu baulichen Anlagen stehen, die zum dauernden Aufenthalt von Menschen bestimmt sind“.

Nach dem Landesgesetz bestehe demnach in diesen Anlagen kein Leinenzwang, heißt es vom Land explizit. Allerdings hat es die Bitte an die Hundehalter formuliert, in derartigen Parkanlagen die Vierbeiner dennoch anzuleinen. Das hat auch die Gemeinde Lilienthal etwa für den Amtsgarten hinter dem Rathaus getan. Ein grünes Schild weist Hundehalter darauf hin, ihre Vierbeiner nicht frei herumlaufen zu lassen. Für die Landschafts- und Naturschutzgebiete in der Gemeinde Lilienthal sowie das Überschwemmungsgebiet Verenmoor und den Wörpedeich (Mehlandsdeich, Mühlendeich sowie den verlängerten Mühlendeich) gilt das ganze Jahr über ein Leinenzwang für Hunde.

Vermeidbare Störungen

Warum Hunde angeleint sein müssen, obwohl andere Störungen für die Tierarten entstehen, zum Beispiel durch die Landwirtschaft, beantwortet das Ministerium so: „Die Störungen durch frei laufende Hunde sind, im Gegensatz zu anderen Störungen, vermeidbar. Ordnungsgemäße Land- und Forstwirtschaft sind gesetzlich grundsätzlich ganzjährig erlaubt. Im Rahmen des Möglichen nehmen aber auch sie auf die Tierwelt Rücksicht.“

In den Wäldern obliegt die Kontrolle den Jägern. Im Niedersächsischen Jagdgesetz heißt es, dass Jäger in ihrem Jagdbezirk befugt sind, „wildernde Hunde zu töten, die sich nicht innerhalb der Einwirkung einer für sie verantwortlichen Person befinden und nicht als Jagd-, Rettungs-, Hirten-, Blinden-, Polizei- oder sonstige Diensthunde erkennbar sind, und wildernde Hauskatzen, die sich mehr als 300 Meter vom nächsten Wohnhaus entfernt befinden sowie verwilderte Frettchen zu töten.“

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Einen Hund zu erschießen, das sei, wie Timo Kahrs, Pressesprecher der Jägerschaft Osterholz betont, von keinem Jäger gewollt, obwohl sie verpflichtet seien, das Wild zu schützen. „Dieses Mittel wollen wir als Jäger aber ausdrücklich nicht ausreizen.“ Mit dem Begriff wildern sei auch nicht automatisch gemeint, dass Hunde unangeleint durch die Gegend laufen oder im Unterholz stöbern. Ein wildernder Hund hetze - auch in Kontrollweite seines Halters - einem Wildtier hinterher. „Wir als Jäger sind keine Hundehasser, wir möchten die Bevölkerung nur bitten, ihre Hunde verantwortungsbewusst und mit Rücksicht auf die wild lebenden Tiere auszuführen“, betont Timo Kahrs. In einigen Revieren werde jedoch das Wild stark beunruhigt, berichtet Kahrs. Das allerdings geschehe nicht nur durch Hunde, sondern auch durch Spaziergänger, die sich abseits der Wege quer durch die Feldmark bewegten.

Freilaufende Hunde schrecken das Wild hoch

„Wir können anhand von Beobachtungen und auch auf Wildkameras sehen, dass Hunde nicht angeleint sind, dass Menschen die Felder beliebig betreten und Wild dadurch hochgeschreckt wird und hoch flüchtig davonrennt“, so Kahrs. Auch gebe es Menschen, die sich abseits der Wege im Naturschutzgebiet aufhielten. „Weist man diese Leute dann zurecht und informiert sie über die Gegebenheiten, stoßen wir als Jäger leider oft auf taube Ohren und Unverständnis“, bedauert Kahrs. Durch das Fehlverhalten könne es sogar vorkommen, dass seltene Wiesenbrüter ihre Brut aufgeben. „Dies ist besonders ärgerlich, da wir in einigen Revieren eng mit dem Nabu und der Bios zusammenarbeiten und alles dafür tun, diese Wiesenbrüter bei der Brut und Aufzucht der Jungen zu unterstützen, etwa im Bereich der Truper Blänken.“

Das Wild wird nach Kahrs‘ Darstellung bereits dadurch beunruhigt, dass Hundebesitzer mit ihren Tieren, egal ob an der Leine oder nicht, quer durch die Felder laufen und nicht auf den Wegen bleiben. Zudem komme es häufiger vor, „dass Menschen die Jungen, die von den Eltern vor Räubern im Feld versteckt werden, anfassen oder gar aus Mitleid mitnehmen.“

Verstöße gegen die Anleinpflicht können als Ordnungswidrigkeiten geahndet werden. Auch ein Verwarn- oder Bußgeld kann erhoben werden. Wie das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium mitteilt, kann die Geldbuße bis zu 5000 Euro betragen. Grundlage für deren Höhe sei die Bedeutung der Ordnungswidrigkeit und der Vorwurf, der den Täter trifft, bei geringfügigen Ordnungswidrigkeiten blieben Ahndungen in der Regel unberücksichtigt.

Info

Zur Sache

Brut- und Setzzeit

Im Frühling wird die freie Landschaft zu einer immer größer anwachsenden Kinderstube. Einige Tierarten, wie zum Beispiel der Hase oder das Schwarzwild haben nach Angaben des Niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums bereits Nachwuchs, bei anderen Arten seien die weiblichen Tiere hochtragend. „In diesem Zustand sind sie in ihrer Bewegungsfreiheit und Fluchtmöglichkeit stark eingeschränkt.“ Auch die am Boden brütenden Vogelarten wie Ente, Gans, Rebhuhn, Fasan, Kiebitz und Lerche beginnen jetzt ihr Brutgeschäft.

Daher habe das Niedersächsische Waldgesetz (NWaldLG) die allgemeine Brut-, Setz- und Aufzuchtzeit für den Zeitraum vom 1. April bis zum 15. Juli festgelegt. In dieser Zeit könnten streunende, wildernde oder auch nur stöbernde Hunde nach Angaben des Ministeriums eine tödliche Gefahr insbesondere für Jungtiere werden, „denn im Falle einer empfindlichen Störung stellen wild lebende Tiere vielfach die Versorgung ihres Nachwuchses ein“.

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