Verkehrswacht Lilienthal vor dem Aus

Verkehrswacht vor der Auflösung

Soll die Verkehrswacht Lilienthal aufgelöst werden? Darüber lässt der Vorstand die Mitglieder nun per Briefwahl abstimmen. Beiratsmitglied Andrea Vogelsang setzt sich für den Fortbestand des Vereins ein.
22.11.2020, 21:00
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Von Christiane Seeger
Verkehrswacht vor der Auflösung

Manfred Fock, seit Jahren Vorstandsmitglied der Lilienthaler Verkehrswacht und passionierter Fahrradfahrer, wünscht sich eine hohe Beteiligung bei der Briefwahl.

CARMEN JASPERSEN

Lilienthal. Die Mitglieder der Verkehrswacht Lilienthal haben in diesen Tagen Post bekommen. Der Vorstand bittet darin um Zustimmung zur Auflösung des Vereines. Aufgrund der Corona-Pandemie kann keine Präsenzsitzung stattfinden. Die Mitglieder werden um Teilnahme an einer Briefwahl gebeten.

Wie berichtet wurden in der Jahreshauptversammlung der Verkehrswacht Kandidaten für drei von insgesamt vier Vorstandsposten gesucht. Niemand war bereit, für ein Amt zu kandidieren. Der Gebietsbeauftragte der Landesverkehrswacht Niedersachsen, Winfried Reimann, hatte danach alle Verkehrswachten im Landkreis Osterholz an einen runden Tisch eingeladen. Gemeinsam wollte man diskutieren, wie zukünftig zusammengearbeitet werden könne. Zu einer Fusion waren weder die Verkehrswacht Hambergen noch die Verkehrswacht Worpswede, Grasberg und Osterholz bereit. Vertreter der Verkehrswacht Lilienthal haben an dem Treffen nicht teilgenommen, so Reimann.

Jetzt gibt es eine Briefwahl, bei der die Mitglieder bis zum 29. November um Antwort gebeten werden. Damit Rechtssicherheit herrscht, wurde in die Formulierung ein Notar einbezogen. Die Verkehrswacht Lilienthal hat laut Manfred Fock, dem Schriftführer des Vereins, 63 Mitglieder. Satzungsgemäß muss mindestens die Hälfte der Mitglieder an der Wahl teilnehmen. Von dieser Personenzahl wiederum müssen zwei Drittel einer Auflösung zustimmen, damit sie wirksam werden kann. Danach wird der Beschluss dem Zentralen Registergericht in Walsrode mitgeteilt, das den Vorgang prüft und das Auflösungsdatum festlegt.

Die Beteiligung an den Jahreshauptversammlungen war in den letzten Jahren immer sehr gering. Mehr als sechs bis acht Personen hätten nicht teilgenommen. Nun wünscht sich Manfred Fock eine hohe Beteiligung bei der Briefwahl.

Andrea Vogelsang, Beiratsmitglied in der Lilienthaler Verkehrswacht, hofft dagegen, dass sich die Voraussetzungen zur Beteiligung nicht erfüllen. Sie möchte nicht, dass Lilienthal ohne Verkehrswacht dasteht. Sie habe schon mit einigen Personen gesprochen und würde notfalls sogar als erste Vorsitzende für den Vorstand kandidieren. Einen Verantwortlichen für die Finanzen und einen Beisitzer hätte sie bereits gefunden, sagt sie. Ein bis zwei weitere Menschen würden noch benötigt. Wenn die Verkehrswacht durch die Abstimmung nicht aufgelöst wird, bleibt der Vereinsstatus erhalten. Dann könne in Ruhe geplant werden, wie sich die Verkehrswacht neu aufstellen kann, um wieder interessant zu werden, so Andrea Vogelsang.

Ideen hat Andrea Vogelsang genug: Nach eigenem Bekunden wirbt sie seit Jahren für „das neue Ehrenamt“. Dabei würden interessierte Personen für ein zeitlich festgelegtes Projekt geworben und nicht mehr in einem Amt auf Jahre festgelegt. Gesellschaftlich habe sich das Leben und die Arbeitswelt verändert. Menschen hätten weniger Zeit zur Verfügung und würden sich daher nicht mehr auf unbestimmte Zeit verpflichten. Das Ehrenamt müsse sich dem anpassen, so Andrea Vogelsang.

Mit projektbezogener Arbeit habe sie beim Sozialen Bündnis Lilienthal gute Erfahrungen gemacht. Andrea Vogelsang würde beispielsweise die Elternabende der Schulen besuchen. Dabei würde sie für die Fahrradprüfung als Event an einem Sonnabend werben und um Mithilfe für diesen einen Tag bitten. Bisher fanden die Prüfungen immer in der Unterrichtszeit statt, einem Zeitpunkt, zu dem die Eltern selbst berufstätig sind. Auch den Einsatz von Neuen Medien möchte sie gerne verstärken.

„Die Verkehrswacht ist wichtig für Lilienthal“, sagt Andrea Vogelsang. Ohne Verkehrswacht fände keine Verkehrserziehung mehr statt. Die Verkehrswacht spende beispielsweise die Unterlagen für die Grundschulen. Das würde es alles nicht mehr geben. „Ein Verein, der einmal aufgelöst wurde, lässt sich nicht so schnell wiederaufbauen“, meint Andrea Vogelsang. Eine Vereinsneugründung ist ihrer Meinung nach keine Option, sie möchte lieber das Bestehende weiterführen, auch weil es ein Teil der Ortsgeschichte sei. Das laufende Verfahren der Briefwahl lässt sich nicht stoppen, das Ergebnis bleibt abzuwarten.

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